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Döner-Hype im Kloster? Wie Schwestern alle überraschen

True Crime, Feminismus, Insta: Schwester Clarita zeigt, warum das Klosterleben viel überraschender ist, als viele glauben.

30.04.2026, 04:00 Uhr

Nach viralem Döner-Clip: Kloster Arenberg erlebt unerwarteten Ansturm

Im Kloster Arenberg in Koblenz herrscht seit einem viralen Instagram-Video Ausnahmezustand. Ordensschwester Ursula beschreibt die Lage als regelrechten Trubel: Ein kurzer Clip, in dem die 92-jährige Schwester Irmingard zum ersten Mal in ihrem Leben einen Döner probiert, wurde über Nacht millionenfach angesehen. Dass die Schwestern dabei mit gängigen Vorstellungen über das Klosterleben brechen, sorgte weit über Deutschland hinaus für Aufmerksamkeit.

Für Schwester Irmingard, die seit 69 Jahren im Kloster lebt, kam die plötzliche Bekanntheit völlig unerwartet. Die enorme Zahl an Aufrufen könne sie kaum fassen. Statt sich als Star zu fühlen, habe sie sich gefragt, was sie für die vielen Menschen tun könne, die das Video gesehen haben. Ihre Antwort darauf ist schlicht: für sie beten. Sie wolle deren Sorgen Gott anvertrauen, sagt sie voller Zuversicht.

Trotz Klickzahlen, Likes und Kommentaren sieht sich Irmingard nicht als Berühmtheit. Auch die Vorstellung, nun in sozialen Netzwerken häufiger mit Essensfotos aufzutreten, weist sie lachend zurück. Das passe nicht zum Leben der Gemeinschaft.

Junge Schwester will mit Vorurteilen aufräumen

Gefilmt und veröffentlicht wurde das Video von der 28-jährigen Schwester Clarita. Sie lebt seit etwas mehr als drei Jahren im Kloster und gibt auf Instagram regelmäßig Einblicke in den Alltag der Ordensgemeinschaft. Ihr Anliegen ist es, verbreitete Klischees zu korrigieren.

Ein häufiger Irrtum sei etwa, dass Ordensschwestern von der Kirchensteuer lebten und nicht arbeiten müssten. Tatsächlich sei das anders: Clarita arbeitet mit regulärem Arbeitsvertrag in einem Büro des Deutschen Liturgischen Instituts in Trier. Lohn und spätere Rentenzahlungen fließen wie bei den anderen Schwestern in eine gemeinsame Kasse. Daraus wird das Leben im Kloster finanziert; zudem erhalten die Schwestern monatlich 120 Euro Taschengeld. Urlaub gibt es vier Wochen im Jahr.

Außerdem, so Clarita, wüssten viele nicht, dass apostolische Schwestern nicht dauerhaft hinter Klostermauern leben müssen. Anders als Nonnen in Klausur können sie das Kloster verlassen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Als der Film Konklave ins Kino kam, habe die Gemeinschaft ihn sich gemeinsam angesehen. Clarita selbst ist gern aktiv, fährt Fahrrad, geht klettern und trifft Freunde.

Zwischen Social Media, Podcasts und bewusstem Verzicht

Clarita betont, dass Ordensschwestern Menschen der Gegenwart seien. Sie hört unterwegs Podcasts und interessiert sich sogar für True Crime, etwa durch Aktenzeichen XY. Als Kind habe sie sich einmal vorstellen können, Polizistin zu werden.

Gleichzeitig lebt sie bewusst einfach. Wie ihre Mitschwestern hat sie die Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit abgelegt. Zeiten der Stille plant sie fest ein, auch wenn das nicht immer leichtfällt. Manchmal wolle sie lieber lesen, ertappe sich dann aber doch beim kurzen Blick auf Instagram — ein Konflikt, den wohl viele Menschen kennen.

Make-up benutzt sie nicht, Trash-TV interessiert sie nicht, und Parfüm trägt sie nur sonntags. Süßigkeiten oder Alkohol sind dagegen im Kloster kein grundsätzliches Tabu.

Klosterleben ist keine Notlösung

Ein weiteres Vorurteil, mit dem Clarita aufräumen möchte, ist die Annahme, Frauen gingen nur ins Kloster, wenn sie keinen Partner gefunden hätten. Solche Aussagen hält sie für oberflächlich. Für sie selbst sei schon früh klar gewesen, dass an ihrer Seite kein Ehemann stehen werde. Bereits mit 15 habe sie sich bewusst mit dieser Lebensentscheidung auseinandergesetzt. Freundschaften seien für sie eine tragende Form von Beziehung.

Dass Klosterschwestern meist alt seien, ist im Fall von Clarita zwar nicht zutreffend, insgesamt ist die Gemeinschaft jedoch tatsächlich hochbetagt: Die 35 Schwestern in Arenberg sind im Schnitt etwa 81 Jahre alt. Am Morgen des Gesprächs war erneut eine Ordensfrau gestorben — bereits die sechste in diesem Jahr, nach einer Grippewelle im Januar. Für Clarita liegt das Schmerzhafte nicht vor allem im Schrumpfen der Gemeinschaft, sondern darin, so viele Mitschwestern zu Grabe tragen zu müssen.

Schwester Ursula: glücklich, gläubig und auf Instagram aktiv

Auch die 50-jährige Schwester Ursula nutzt Instagram intensiv. Auf die Frage, ob sie sich als Influencerin sehe, antwortet sie mit einem klaren Ja — nicht wegen großer Reichweiten, sondern weil sie Einfluss nehmen und ihren Glauben mit anderen teilen möchte.

Seit 20 Jahren lebt Ursula im Kloster. Was ihr im Alltag am ehesten fehle, sei manchmal Langeweile — und gelegentlich eine Couch, auf der man einfach einen Nachmittag lang entspannen könne. Dennoch beschreibt sie ihr Leben als sehr glücklich. Gerade damit, sagt sie, widerspreche sie ebenfalls einem verbreiteten Bild von Ordensfrauen: der Vorstellung, dass diese nicht unbeschwert oder erfüllt leben dürften.

Die Jahre im Kloster haben ihr zugleich gezeigt, dass viele Frauen mit der Kirche schmerzhafte Erfahrungen verbinden. Das habe sie politisiert. Sie bezeichnet sich selbst als Feministin und setzt sich nach eigenen Worten entschieden für Frauenrechte ein — auch innerhalb der Kirche.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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