Politik

Tais eingekesselt: So lebt Jemens Stadt in blanker Angst

Wasser rationiert, Gas und Mehl fast weg: In Tais wächst die Panik. Steht Jemens drittgrößter Stadt die nächste Schlacht bevor?

16.10.2026, 00:01 Uhr

Im Jemen geraten Hunderttausende Menschen in der Stadt Tais immer stärker in Isolation. Grund ist das Vorrücken der Huthi-Miliz, die seit Wochen versucht, die Stadt vollständig einzuschließen. Beobachter vermuten, dass damit regierungstreue Kräfte und ihre Verbündeten aus Tais verdrängt werden sollen. Die Stadt ist nach Sanaa und Aden die drittgrößte des Landes und seit Beginn des nunmehr zehn Jahre andauernden Bürgerkriegs immer wieder Schauplatz heftiger Kämpfe.

Für die Bevölkerung wird der Alltag zunehmend existenziell. Eine Mutter von drei Kindern berichtete der dpa, ihre Familie suche mühsam nach Gas, Mehl und Wasser. Die Angst sei zum ständigen Begleiter geworden. Auch andere Einwohner schildern, dass selbst Diesel und Wasser für den täglichen Gebrauch kaum noch erhältlich seien.

Lebensmittel und Treibstoff werden teurer

Nach Angaben aus der Stadt verschärfen einzelne Händler die Lage zusätzlich, indem sie Waren zurückhalten. Trinkwasser wird mancherorts nur noch flaschenweise verkauft, teils mit festen Obergrenzen pro Haushalt. Die Knappheit lässt die Preise für Nahrungsmittel und Treibstoff weiter steigen.

Wegen anhaltender Gefechte sind zahlreiche Straßen unpassierbar, was auch Hilfsorganisationen an ihrer Arbeit hindert. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen erklärte, rund 800.000 Menschen könnten deshalb derzeit nicht mehr erreicht werden. Darunter seien etwa 600.000 Bedürftige in Tais.

Tais war schon früher von den Huthi abgeriegelt

Die Stadt liegt strategisch zwischen dem Hochland im Landesinneren und der Westküste am Roten Meer. Zudem gilt sie als wichtiger Zugang nach Aden, dem politischen Zentrum des Südens. Bereits ab 2015 sperrten die Huthi entscheidende Zufahrtsstraßen und hinderten Menschen an Kontrollpunkten daran, die Stadt zu verlassen. Diese faktische Belagerung hielt über Jahre an. Zwar wurden 2024 einige Wege wieder freigegeben, doch mit der neuen Offensive ist Tais erneut weitgehend eingeschlossen. Die Huthi gelten als mit dem Iran verbündet.

Ein Einwohner namens Abdullah al-Hadsch sagte der dpa, er habe besonders schwere Tage erlebt. Obwohl er seit Jahrzehnten in Tais gelebt habe, sei er aus Angst vor einer Übernahme durch die Huthi mit seiner Familie nach Aden geflohen. Die Reise habe 17 Stunden gedauert. In Aden habe die Familie trotz knapper Mittel in einem teuren Hotel übernachten müssen. Seine Hoffnung sei, dass der Jemen eines Tages wieder in Frieden und Eintracht leben könne.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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