Politik

Schockzahl: antisemitische Vorfälle auf Rekordhoch

Seit dem Hamas-Angriff explodieren antisemitische Vorfälle – neue Zahlen sorgen jetzt für Alarm. Wie drastisch ist die Lage?

05.05.2026, 11:51 Uhr

Antisemitische Vorfälle in Bayern erneut auf Höchststand

In Bayern ist die Zahl antisemitischer Vorfälle auch 2025 auf einem sehr hohen Niveau geblieben. Nach Angaben der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern wurden im vergangenen Jahr 1.551 Fälle erfasst. Im Jahr zuvor waren es 1.526. Besonders stark nahm dem Bericht zufolge die Zahl der Bedrohungen im Internet zu, darunter auch offene und möglicherweise strafrechtlich relevante Aufrufe zu Gewalt.

RIAS-Bayern-Leiterin Annette Seidel-Arpacı erklärte bei der Vorstellung des Jahresberichts in München, gerade online werde immer direkter gegen Jüdinnen und Juden gehetzt. Antisemitische Äußerungen seien deutlich hemmungsloser, aggressiver und unmittelbarer geworden.

Zu den dokumentierten Fällen zählt auch ein besonders schwerer Gewalttatbestand: In einer Asylunterkunft in Coburg soll ein Bewohner einen Mann mit einem Messer attackiert und verletzt haben, weil er ihn irrtümlich für einen Juden hielt.

Deutlicher Anstieg bei Online-Fällen

RIAS registrierte insgesamt 14 tätliche Angriffe, 22 gezielte Sachbeschädigungen, 78 Bedrohungen, zehn Massenzuschriften und 1.426 Fälle sogenannten verletzenden Verhaltens. Darunter fallen unter anderem antisemitische Beleidigungen und Äußerungen gegenüber jüdischen oder israelischen Personen und Einrichtungen sowie entsprechende Beschimpfungen gegenüber anderen.

Auffällig ist vor allem die Entwicklung im Netz: Die Zahl der online erfassten Vorfälle stieg von 385 auf 827. Dabei ging es um Beschimpfungen, Drohungen und Gewaltfantasien. Seidel-Arpacı warnte, dass die gesellschaftliche Hemmschwelle für offen geäußerten Judenhass immer weiter sinke.

Politik und Zentralrat schlagen Alarm

Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) sprach von einer alarmierenden Entwicklung. 1.551 dokumentierte Vorfälle seien erschütternd, jeder einzelne Fall sei einer zu viel. Der Antisemitismusbeauftragte der Staatsregierung, Ludwig Spaenle, forderte mehr Schutz für Jüdinnen und Juden vor wachsendem Hass aus dem rechts- und linksextremen Milieu sowie von islamistischen Akteuren.

Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zeigte sich besorgt. Jüdinnen und Juden in Bayern lebten seit zweieinhalb Jahren in anhaltender Unsicherheit, sagte er. Zugleich warnte er, Judenhass habe sich in Deutschland festgesetzt und könne nur mit großen gemeinsamen Anstrengungen zurückgedrängt werden.

Folgen seit dem 7. Oktober 2023 weiter spürbar

Seit dem Hamas-Massaker im Oktober 2023 und dem folgenden Krieg im Gazastreifen ist die Zahl antisemitischer Vorfälle massiv gestiegen. Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) teilte mit, dass im vergangenen Jahr 906 neue Ermittlungsverfahren wegen antisemitischer Straftaten eingeleitet wurden. Gleichzeitig kam es zu 203 Verurteilungen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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