Politik

Nato schlägt Alarm: Russlands Hybrid-Attacken nehmen zu

Steuert Russland auf mehr als Hybridkrieg zu? Die Nato schlägt Alarm – nun soll ein neues Energienetz Europas schützen.

15.09.2026, 03:35 Uhr

Nato registriert deutlich mehr hybride Attacken aus Russland

Die Nato beobachtet nach eigenen Angaben einen spürbaren Anstieg russischer Hybridangriffe auf Mitgliedstaaten des Bündnisses. Wie ein hochrangiger Vertreter in Brüssel erklärte, wurden im vergangenen Jahr mehr als 200 derartige Vorfälle gezählt. Nicht enthalten seien dabei die alltäglichen Cyberangriffe. Allein gegen das Nato-Hauptquartier gebe es davon monatlich mehrere Tausend.

Mit Blick auf die am Flughafen Leipzig/Halle entdeckte Sprengstoffdrohne sagte der Nato-Vertreter, die Art des Materials spreche aus seiner Sicht für eine direkte Beteiligung eines russischen Geheimdienstes. Der verwendete Sprengstoff Semtex sei nichts, das man wahllos an einen im Internet angeworbenen Jugendlichen weitergebe.

Nato sieht verdeckte Angriffe unterhalb der Kriegsschwelle

Sowohl die Nato als auch die Bundesregierung werten den Vorfall trotz ausgebliebener Explosion als hybriden Angriff. Gemeint sind damit verdeckte feindliche Aktionen, die unterhalb eines offenen militärischen Angriffs bleiben. Dazu zählen etwa Sabotage, Cyberattacken oder gezielte Desinformation. Solche Maßnahmen sollen Staaten verunsichern, schwächen und politische oder militärische Ziele erreichen, ohne einen klassischen Krieg auszulösen.

Nach Einschätzung der Nato versucht Russland auf diesem Weg unter anderem, die politische und praktische Unterstützung für die Ukraine zu erschweren. Zugleich bereite sich Moskau möglicherweise auf eine weitere Zuspitzung vor. Dazu gehöre das Ausspähen kritischer Infrastruktur und von Logistikketten ebenso wie das Platzieren von Schadsoftware in wichtigen industriellen Steuerungssystemen.

Polizeieinsatz am Kraftwerk Weisweiler
Die Energieinfrastruktur gilt als ein mögliches Ziel russischer Sabotageaktionen. (Archivbild) Quelle: Christoph Reichwein/dpa

Besonders alarmierend ist aus Sicht des Bündnisses nicht nur die Zahl der Vorfälle, sondern auch deren Qualität. Dem Nato-Beamten zufolge nehmen Häufigkeit, Schwere und Risikobereitschaft zu. Dadurch wachse auch die Gefahr, dass Bürgerinnen und Bürger in Nato-Staaten zu Schaden kommen. Das Bündnis setze daher darauf, besonnen zu reagieren und gleichzeitig seine Abschreckung zu verstärken. Neben militärischen Mitteln gehe es vor allem darum, kritische Infrastruktur besser zu schützen und Angriffe weniger attraktiv zu machen.

Neues Schutznetz für Energieinfrastruktur geplant

Als konkrete Maßnahme will die Nato ein neues Critical Energy Infrastructure Network aufbauen. Über dieses Netzwerk sollen sicherheitsrelevante Informationen mit Betreibern kritischer Energieanlagen ausgetauscht werden. Vorgesehen sind außerdem gemeinsame Notfallübungen sowie Unterstützung bei der Abwehr von Drohnen und Cyberangriffen.

Als Vorbild dient ein bereits bestehendes Netzwerk zum Schutz von Unterwasserinfrastruktur. Nach Angaben des Nato-Vertreters hat dieses bereits dazu beigetragen, sicherheitsrelevante Vorfälle deutlich zu verringern.

Auch offensive Cybermaßnahmen möglich

Bei besonders schweren hybriden Angriffen stehen dem Bündnis nach Nato-Angaben verschiedene Reaktionsmöglichkeiten offen. So könnte der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte im Ernstfall sogar Mitgliedstaaten darum bitten, offensive Cyberfähigkeiten einzusetzen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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