Familien in Deutschland sollen ab 2027 durch eine Reform beim Kindergeld spürbar entlastet werden. Nach Angaben von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sollen Eltern künftig mehr Zeit für ihr Neugeborenes haben und sich nicht mehr mit aufwendigen Anträgen beschäftigen müssen. Das Kindergeld soll automatisch, schnell und ohne zusätzliche Bürokratie ausgezahlt werden. Nach vollständiger Einführung soll die Regelung für alle in Deutschland geborenen Kinder gelten.
Im Bundestag wurde die geplante Gesetzesänderung der schwarz-roten Koalition nun erstmals beraten. Bevor sie in Kraft treten kann, muss auch der Bundesrat zustimmen. Klingbeil erklärte, dass dadurch jedes Jahr rund 300.000 Erstanträge wegfallen könnten. Das spare nicht nur Familien Zeit und Nerven, sondern entlaste auch die Verwaltung.
Auch aus anderen Parteien kam Zustimmung. Grünen-Chefin Franziska Brantner sagte, es sei positiv, wenn politische Vorhaben tatsächlich umgesetzt würden. Wenn das Kindergeld künftig direkt und ohne viele Umwege auf dem Konto der Eltern lande, sei das für viele Familien eine echte Erleichterung.
Kindergeld künftig ohne gesonderten Antrag
Derzeit liegt das Kindergeld unabhängig vom Einkommen bei 259 Euro monatlich pro Kind. Es wird an die Person ausgezahlt, die das Kind überwiegend betreut. Das neue Verfahren soll im Jahr 2027 schrittweise eingeführt werden.
In einem ersten Schritt sollen voraussichtlich ab März 2027 Eltern automatisch Kindergeld erhalten, die bereits ein älteres Kind haben. Ab November 2027 soll das dann auch für Eltern gelten, die ihr erstes Kind bekommen.
Voraussetzung ist, dass mindestens ein Elternteil zusammen mit dem Kind in Deutschland lebt und mindestens ein Elternteil hierzulande arbeitet. Zudem muss den Behörden die IBAN bekannt sein. Diese kann schon jetzt entweder über die Bank oder über das Steuerportal Elster hinterlegt werden.
Streit um Kindergeld für im Ausland lebende Kinder
Deutliche Kritik gab es an Äußerungen aus der AfD. Deren Abgeordneter Kay Gottschalk stellte infrage, warum Deutschland auch Kindergeld für Kinder zahlt, die im Ausland leben. Weitere AfD-Politiker warnten vor möglichem Sozialmissbrauch. In einem Antrag fordert die Partei, das Kindergeld für Kinder mit Wohnsitz in einem anderen EU-Staat an die dortigen Lebenshaltungskosten anzupassen.
Die SPD-Abgeordnete Wiebke Esdar wies diese Aussagen scharf zurück und sprach von rechtspopulistischer Stimmungsmache. Die AfD schüre Vorurteile und vermittele fälschlicherweise den Eindruck, Leistungen würden unrechtmäßig ausgezahlt. Tatsächlich gehe nur etwa ein Prozent der Kindergeldzahlungen an Kinder, die derzeit im Ausland leben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion