Iran

Nach Abschuss: Jetzt greifen die USA Ziele im Iran an

Trump macht Iran für den Hubschrauber-Absturz vor Oman verantwortlich – die USA schlagen zurück. Zerbricht jetzt die Waffenruhe?

10.06.2026, 00:52 Uhr

Die USA und der Iran haben sich in der Golfregion trotz offizieller Waffenruhe und laufender Gespräche über ein mögliches Kriegsende erneut angegriffen. Das US-Militär begann nach eigenen Angaben auf Befehl von Präsident Donald Trump neue Angriffe auf mehrere Ziele im Iran.

Trump hatte zuvor weitere Schläge noch für „heute“ angekündigt. Kurz danach meldete auch US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bevorstehende Angriffe. Er betonte zugleich, es gehe dabei nicht darum, den Krieg neu zu entfachen, sondern die Bedingungen für eine Vereinbarung festzulegen.

US-Militär meldet Beginn neuer Angriffe

Das für den Nahen Osten zuständige US-Regionalkommando Centcom erklärte auf X, die Angriffe seien eine Reaktion auf die aus Sicht Washingtons „ungerechtfertigte und anhaltende Aggression des Irans“. Die Einsätze hätten um 17.15 Uhr US-Ostküstenzeit begonnen, also um 23.15 Uhr deutscher Zeit. Centcom sprach von „Selbstverteidigungsschlägen“.

Explosionen an Irans Südküste

Iranische Staatsmedien berichteten wenig später von Explosionen an der Südküste des Landes. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna und des Staatsrundfunks wurden Detonationen nahe den Städten Minab und Sirik beobachtet. Bereits in der Nacht zuvor hatte das US-Militär nach eigenen Angaben in Sirik am Golf von Oman Ziele bombardiert.

Weitere Explosionen wurden Medienberichten zufolge auch auf der Insel Gheschm und in der Hafenstadt Bandar Abbas gemeldet. Aus anderen Teilen des Landes gab es zudem unbestätigte Berichte über Aktivitäten der iranischen Flugabwehr.

Gegenseitige Angriffe trotz Waffenruhe

In den vergangenen Tagen war es trotz einer offiziell geltenden Feuerpause erneut zu gegenseitigem Beschuss gekommen. Am Sonntag feuerten Irans Streitkräfte gut zwei Monate nach Beginn der Waffenruhe erstmals wieder Raketen auf Israel. Israel griff daraufhin Ziele im Iran an. Trump rief anschließend beide Seiten zu einer sofortigen Waffenruhe auf, woraufhin sowohl Iran als auch Israel erklärten, ihre Angriffe einzustellen.

Auslöser der jüngsten Eskalation zwischen Washington und Teheran war nach US-Angaben der Abschuss beziehungsweise Absturz eines Apache-Kampfhubschraubers, für den Trump den Iran verantwortlich machte. In der Nacht zum Mittwoch griff das US-Militär nach eigenen Angaben daraufhin iranische Flugabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen an.

Iranischen Angaben zufolge wurde dabei auch zivile Infrastruktur getroffen. Demnach wurden unter anderem zwei Wasserspeicher zerstört. Irans Präsident Massud Peseschkian verurteilte die Angriffe scharf. Infrastruktur sei die Lebensader der Menschen, schrieb er auf X. Wer Verkehrsnetze, Stromversorgung oder die Wasserindustrie angreife oder damit drohe, demonstriere keine Stärke, sondern Verzweiflung.

Iran reagiert mit Angriffen auf US-Stützpunkte

Nach den US-Angriffen griff der Iran Medienberichten zufolge US-Stützpunkte in der Golfregion und in Jordanien an, darunter auch mit ballistischen Raketen. In Kuwait war laut Armee die Flugabwehr im Einsatz. Auch in Bahrain heulten erneut die Sirenen.

Die Golfstaaten waren im Verlauf des Iran-Kriegs bereits mehrfach von Angriffen betroffen, darunter auch Ballungsräume und Energieanlagen. Entsprechend wachsen in der Region wieder die Sorgen vor einer breiteren militärischen Eskalation.

Vermittlungsversuche ohne Durchbruch

Seit Wochen verhandeln die Kriegsparteien über ein dauerhaftes Ende des Konflikts, bislang ohne sichtbaren Durchbruch. Erst am Mittwoch traf iranischen Berichten zufolge eine Delegation aus Katar in Teheran ein, um in dem Krieg zu vermitteln.

Katar zählt neben anderen Regionalstaaten zu den wichtigsten Vermittlern. Die neuen Angriffe verschärfen jedoch erneut die Zweifel daran, wie belastbar die Feuerpause tatsächlich noch ist.

Seit Monaten Streit um die Straße von Hormus

Hintergrund des Konflikts ist auch der anhaltende Streit um die Straße von Hormus. Irans Streitkräfte hatten kurz nach Kriegsbeginn die Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge übernommen. Sie ist für den Export von Öl, Flüssiggas und Dünger von zentraler Bedeutung für die Weltwirtschaft.

Die USA verhängten ihrerseits eine Seeblockade, um den Iran am Ölexport zu hindern. Washington versucht seit Wochen, die Passage wieder vollständig für die Schifffahrt zu öffnen. Seit Beginn des Kriegs sind die Energiepreise weltweit deutlich gestiegen.

Bereits Anfang April hatte Trump dem Iran kurz vor einer damaligen Einigung über eine Feuerpause mit massiver Zerstörung und Angriffen auf Kraftwerke sowie zivile Infrastruktur gedroht. Rund 90 Minuten vor Ablauf eines Ultimatums kündigte er dann eine Waffenruhe an. Doch die jüngsten Angriffe zeigen, wie brüchig diese Feuerpause inzwischen geworden ist.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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