Politik

Immer mehr Geduldete in Deutschland – die Zahl klettert weiter

Trendwende bei Geduldeten: Nach Jahren sinkender Zahlen steigt ihre Zahl in Deutschland wieder – was steckt wirklich dahinter?

29.10.2026, 03:40 Uhr

Zahl der Geduldeten in Deutschland steigt wieder

Nach einem Rückgang in den Jahren 2023 bis 2025 nimmt die Zahl der Menschen mit Duldung in Deutschland wieder spürbar zu. Nach Angaben der Bundesregierung lebten Ende September 200.601 Personen mit diesem Status im Land. Insgesamt waren zum Stichtag 30. September 256.873 Menschen ausreisepflichtig, wie aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Filiz Polat hervorgeht.

Menschen mit einer Duldung müssen Deutschland grundsätzlich verlassen, können jedoch aus bestimmten Gründen vorübergehend nicht abgeschoben werden. Ursachen dafür können etwa familiäre Umstände, fehlende Papiere oder gesundheitliche Probleme sein. Eine Duldung ist immer zeitlich befristet. Zum 31. Dezember 2025 hatten 190.974 von 232.067 ausreisepflichtigen Personen eine solche Duldung.

Chancenaufenthaltsrecht ließ Zahlen zunächst sinken

Ende 2022 lebten noch rund 248.000 Menschen mit Duldung in Deutschland. Der spätere Rückgang hängt unter anderem mit dem von SPD, Grünen und FDP eingeführten Chancenaufenthaltsrecht zusammen. Das Gesetz trat am 31. Dezember 2022 in Kraft und war auf drei Jahre angelegt.

Davon profitieren konnten Personen, die sich am Stichtag 31. Oktober 2022 seit mindestens fünf Jahren geduldet, gestattet oder mit einer Aufenthaltserlaubnis in Deutschland aufgehalten hatten. Sie und ihre Angehörigen konnten für 18 Monate eine Art befristeten Aufenthaltstitel auf Probe erhalten.

Ein dauerhaftes Bleiberecht war anschließend möglich, wenn Betroffene überwiegend selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten, ausreichend Deutsch sprachen, nicht straffällig geworden waren und ihre Identität geklärt hatten oder nachweislich alles Zumutbare dafür unternommen hatten. Allerdings erfüllten nicht alle diese Voraussetzungen.

Sprachkurs Deutsch für Asylbewerber
Die Grünen fordern Bleibeperspektiven für gut integrierte Menschen, die arbeiten und mit einer Duldung in Deutschland leben. (Symbolbild) Quelle: Patrick Pleul/dpa

Tausende Minderjährige unter den neu Geduldeten

Als möglicher Grund für den erneuten Anstieg nennt die Bundesregierung neben dem Auslaufen des Chancenaufenthaltsrechts auch niedrigere Anerkennungsquoten in Asylverfahren. Im Jahr 2026 erhielten demnach rund 45.000 Menschen erstmals eine Duldung. Darunter waren zum Stichtag etwa 13.460 Minderjährige.

Im Ausländerzentralregister waren außerdem 402 Personen mit einer Ausbildungsduldung und 17 mit einer Beschäftigungsduldung erfasst. Zusätzlich zu den bereits bekannten sicheren Herkunftsstaaten gelten auf EU-Ebene seit Mitte Juni auch Ägypten, Bangladesch, Indien, Kolumbien, Marokko, Tunesien und die Türkei als sichere Herkunftsländer. Für Asylbewerber aus diesen Staaten ist ein Beschäftigungsverbot vorgesehen.

Kritik an komplizierten Regeln

Die Grünen-Politikerin Polat hält die bestehenden Vorschriften zur Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung für zu kompliziert. Teilweise seien die Anforderungen kaum erfüllbar. Unternehmen bräuchten jedoch Verlässlichkeit und planbare Arbeitskräfte.

Polat fordert deshalb mehr Sicherheit für gut integrierte Menschen mit Duldung. Wer arbeite, eine Ausbildung absolviere und sich in Deutschland integriere, solle nicht jahrelang in Unsicherheit leben müssen, sondern eine gesicherte Aufenthaltsperspektive erhalten. Ähnliche Forderungen nach neuen Bleiberechtsmöglichkeiten für integrierte ausländische Arbeitskräfte ohne festen Aufenthaltsstatus waren zuletzt auch aus der SPD gekommen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen