Politik

Frankreich: Schulproteste eskalieren, 2.000 Festnahmen

Frankreichs Schulproteste eskalieren: marode Gebäude, Lehrermangel, Gewalt. Kann die Regierung das Chaos noch stoppen?

01.10.2026, 22:03 Uhr

Bei den eskalierten Schülerprotesten in Frankreich sind nach Angaben des Innenministeriums 1.949 Menschen festgenommen worden. Den meisten werde Gewaltausübung vorgeworfen, darunter Angriffe auf Sicherheitskräfte. Zudem seien 305 Polizisten und Gendarmen verletzt worden. Für Freitag kündigte Bildungsminister Édouard Geffray an, dass mehr als 400 Schulen geschlossen bleiben und stattdessen nur Fernunterricht anbieten sollen. Seit Beginn der Proteste seien laut Geffray 170 Schülerinnen und Schüler sowie 65 Beschäftigte aus dem Bildungsbereich verletzt worden.

Bildungsminister wirbt für Gespräche

Die Demonstrationen laufen bereits seit Ende der vergangenen Woche. Schülerinnen und Schüler fordern mehr Investitionen in das Bildungssystem. Sie kritisieren heruntergekommene Schulgebäude, überfüllte Klassen und einen Mangel an Lehrkräften. An einigen Gymnasien richtete sich der Unmut außerdem gegen die Plattform zur Vergabe von Studienplätzen.

Neben vielen friedlichen Kundgebungen kam es wiederholt zu Ausschreitungen. Müllcontainer wurden angezündet, Einsatzkräfte attackiert und Schulgebäude beschädigt. In mehreren Städten wurde auch der öffentliche Nahverkehr wegen der Proteste eingeschränkt. In Marseille ging sogar ein Fahrzeug der Feuerwehr in Flammen auf. Das Innenministerium erklärte, die Ereignisse hätten nichts mehr mit einer legitimen Form des Protests zu tun, sondern trügen inzwischen alle Merkmale städtischer Unruhen.

Dass die Proteste seit Tagen andauern und inzwischen auch auf Universitäten übergreifen, erhöht den Druck auf die Regierung. Premierminister Sébastien Lecornu berief eine Krisensitzung zur Lage an den Gymnasien ein. Medienberichten zufolge wurden Ministerinnen und Minister aufgefordert, geplante Reisen abzusagen. Geffray appellierte im Sender France 2 an die Beteiligten, Ruhe zu bewahren, und stellte Gespräche mit Vertretern der Gymnasiasten in Aussicht. Die Forderungen der Jugendlichen müssten ernst genommen werden, sagte er. Der einzige Weg sei der Dialog.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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