Politik

Forscher warnen: Bayerns Klima-Kehrtwende schockiert

Bayern kippt sein Klimaziel – und Experten schlagen Alarm: Droht jetzt ein gefährlicher Domino-Effekt weit über den Freistaat hinaus?

01.05.2026, 04:30 Uhr

Wissenschaftler sehen in Bayerns Abkehr vom selbst gesetzten Klimaziel für 2040 ein alarmierendes Signal, das weit über den Freistaat hinausreiche. Der Geograf Wilfried Hagg von der Hochschule München spricht von einer fatalen Wirkung: Für das Weltklima allein sei der Schritt zwar nicht entscheidend, als politisches Zeichen jedoch umso problematischer.

Hagg betont, dass gerade Bayern als wirtschaftsstarkes Bundesland in Europas größter Volkswirtschaft eine wichtige Vorbildfunktion habe. Gelinge es hier zu zeigen, dass Klimaschutz und Wohlstand vereinbar seien, könne das international Nachahmer motivieren. Ein Rückzug von ambitionierten Zielen hingegen dürfte andernorts die Bereitschaft zum Handeln eher schwächen. Hagg ist selbst an der Beobachtung der stark schrumpfenden bayerischen Gletscher beteiligt.

Bayerns hoher Ausstoß im globalen Vergleich

Die Klimaforscherin Julia Pongratz fordert nicht nur ehrgeizige, sondern vor allem verlässliche Klimapolitik. Mit Blick auf Deutschlands Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 und die derzeitigen Maßnahmen falle die Bilanz aus ihrer Sicht ernüchternd aus. Das bayerische Ziel, bereits 2040 klimaneutral zu werden, sei keineswegs überzogen gewesen.

Pongratz verweist darauf, dass Bayern beim CO2-Fußabdruck deutlich über dem weltweiten Durchschnitt liege. Ein globales Klimaziel setze sich aus den Beiträgen einzelner Länder und Regionen zusammen. Deshalb komme es auch auf wohlhabende Regionen besonders an. Aus ihrer Sicht geht es dabei um eine grundlegende Entscheidung: ob kurzfristige Interessen Vorrang haben oder der Schutz der Lebensgrundlagen für alle.

Gerade Bayern müsse diese Frage ernst nehmen, sagt Pongratz. Der Freistaat erwärme sich etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Wälder litten bereits unter Dürre, und auch die sichere Wasserversorgung werde künftig nicht in allen Landesteilen selbstverständlich sein. Pongratz gehört unter anderem dem Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung an und wirkt an Berichten des Weltklimarats mit.

Wohlhabende Regionen in besonderer Pflicht

Auch Tobias Hipp, Geowissenschaftler und beim Deutschen Alpenverein für Natur- und Umweltschutz zuständig, hatte bereits vor Wochen betont, dass Bayern und Deutschland gemeinsam mit anderen westlichen Industriestaaten eine klare Hauptverantwortung für einen großen Teil der historischen Treibhausgasemissionen trügen.

Nach der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém hatte Hipp erklärt, Bayern und Deutschland müssten in der internationalen Gemeinschaft als Vorreiter auftreten und klare Signale senden. Diese Rolle sei umso wichtiger, weil die COP30 keine richtungsweisenden Ergebnisse und keinen klaren Plan für den Ausstieg aus fossilen Energien hervorgebracht habe.

Kritik auch aus dem Klimarat

Bereits im November hatte der Astrophysiker und Wissenschaftsjournalist Harald Lesch der bayerischen Staatsregierung vorgeworfen, zu wenig für das Erreichen der eigenen Klimaziele getan zu haben. Lesch sitzt im unabhängigen bayerischen Klimarat. Gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" bezeichnete er das Zurücknehmen von Klimazielen als Rückschlag. Aus Frust sei er zeitweise sogar versucht gewesen zu sagen, man könne den ganzen Laden hinschmeißen.

Ziel verschoben

Im bayerischen Klimaschutzgesetz von 2022 war festgelegt worden, dass der Freistaat bis 2040 klimaneutral werden soll. Inzwischen hat dieselbe Staatsregierung dieses Ziel aufgegeben und den Zeitpunkt auf 2045 verschoben.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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