Zehntausende fordern in Belgrad vorgezogene Wahlen
Medien zufolge haben im Zentrum von Belgrad Zehntausende Menschen für Neuwahlen demonstriert. Einer der Redner, ein Elektrotechnikstudent, sagte laut der unabhängigen Nachrichtenagentur Beta, die Wahlen seien die Chance, endlich eine integre Regierung, Freiheit und ein Leben in Würde zu erreichen. Am Rande der Kundgebung in der serbischen Hauptstadt kam es zu Zusammenstößen zwischen maskierten Unbekannten und der Polizei.
Die Demonstration gehört zu einer länger anhaltenden Protestwelle, die durch den Einsturz eines Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024 ausgelöst wurde. Bei dem Unglück in der nordserbischen Stadt starben 16 Menschen. Getragen wird die Bewegung vor allem von Studierenden, die über ein Jahr hinweg faktisch sämtliche Universitäten des Landes besetzt hielten.
Inzwischen erhält die Protestbewegung Unterstützung von Millionen Bürgerinnen und Bürgern. Sie geben Nachlässigkeit und Korruption in der Regierung des einflussreichen Präsidenten Aleksandar Vucic die Schuld an der Katastrophe von Novi Sad. Mit der Forderung nach vorgezogenen Wahlen soll ein friedlicher Machtwechsel erreicht werden. Die nächste reguläre Parlamentswahl wäre eigentlich erst Ende 2027 fällig.
23 Festnahmen nach Angriffen auf die Polizei
Die Ausschreitungen am Samstagabend begannen erst nach dem Ende der eigentlichen Kundgebung und etwa einen Kilometer vom Slavija-Platz entfernt, der als Zentrum der Proteste galt. Maskierte Männer schossen Feuerwerkskörper auf Polizeikräfte. Innenminister Ivica Dacic erklärte, 23 Menschen seien festgenommen worden. Zudem seien mehrere Polizisten verletzt worden, ohne dass er eine genaue Zahl nannte.

Vucic schrieb auf Instagram über die Demonstrierenden, sie hätten erneut ihre gewalttätige Seite gezeigt. Allerdings hatte sich bei ähnlichen Massenprotesten in der Vergangenheit nachträglich herausgestellt, dass eingeschleuste Provokateure an vergleichbaren Gewalttaten beteiligt gewesen waren.
Wie bereits bei früheren Großkundgebungen stellte die Regierung auch diesmal den Zugverkehr im ganzen Land ein. Die serbische Bahngesellschaft Srbija Voz nannte offiziell keinen Grund für den vollständigen Stopp. Beobachter vermuten jedoch, dass damit Gegner der Regierung aus anderen Landesteilen an der Anreise nach Belgrad gehindert werden sollten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion