Mehr als 1,6 Millionen Syrer seit Ende 2024 zurückgekehrt
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind seit dem politischen Umbruch in Syrien Ende 2024 rund 1,63 Millionen Geflüchtete in ihre Heimat zurückgekehrt. Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mitteilte, kamen bis zum 30. April 2026 fast 640.000 Menschen aus der Türkei zurück, etwa 630.000 aus dem Libanon und rund 285.000 aus Jordanien. Zuvor hatte bereits die „Welt am Sonntag“ über UNHCR-Zahlen mit dem Stand vom 16. April berichtet.
Deutschland taucht in der UNHCR-Übersicht nicht als eigenes Land auf, sondern ist unter der Sammelkategorie „Sonstige Länder“ erfasst. Dort werden insgesamt etwa 6.100 Rückkehrer genannt. Nach früheren Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) kehrten allein im vergangenen Jahr 3.678 syrische Staatsangehörige aus Deutschland freiwillig nach Syrien zurück.
Weniger Schutzsuchende in Deutschland
Derzeit leben mehr als 900.000 Syrer in Deutschland. Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Baschar al-Assad im Dezember 2024 durch die Islamistenmiliz HTS ist die Zahl der Syrer, die in Deutschland Schutz beantragen, deutlich gesunken. HTS-Chef Ahmed al-Scharaa bemüht sich in seiner Rolle als Übergangspräsident um bessere Beziehungen zum Westen.
Bundesregierung drängt auf Rückkehrperspektiven
Die Bundesregierung vertritt inzwischen verstärkt die Auffassung, dass für viele syrische Flüchtlinge der ursprüngliche Schutzgrund mit dem Ende des Bürgerkriegs weggefallen sein könnte. Das Bamf kann in sogenannten Widerrufsverfahren überprüfen, ob ein Schutzstatus wegen veränderter Verhältnisse im Herkunftsland aufgehoben werden kann.
Eine generelle Überprüfung aller syrischen Schutzberechtigten findet derzeit jedoch nicht statt. Solche Verfahren werden bislang vor allem dann eingeleitet, wenn etwa unerlaubte Reisen nach Syrien oder Straftaten vorliegen. Nach Bamf-Angaben ist dafür erforderlich, dass sich die Lage im Herkunftsland erheblich und dauerhaft verändert hat. Wann dies eine breitere Ausweitung solcher Prüfungen rechtfertigt, sei derzeit nicht absehbar.
UNHCR pocht auf Freiwilligkeit
Das UN-Flüchtlingshilfswerk betonte zugleich, dass Rückkehr ausschließlich freiwillig erfolgen solle. UNHCR-Sprecherin Eujin Byun erklärte in Genf auf Anfrage, jede Entscheidung zur Rückkehr müsse von den Betroffenen selbst getroffen werden. Sie mahnte, abzuwarten, bis sich die Bedingungen in Syrien so verbessert hätten, dass eine freiwillige, sichere, würdige und nachhaltige Rückkehr möglich sei.
Debatte über Heimatbesuche und Rückkehrhilfen
In Deutschland hatten sich zuletzt Politiker von SPD, Grünen und Linken dafür ausgesprochen, befristete Besuche in Syrien zu erlauben, damit Flüchtlinge die Lage vor Ort prüfen und eine mögliche Rückkehr besser einschätzen können. Nach derzeitiger Rechtslage droht Schutzberechtigten allerdings der Verlust ihres Status, wenn sie in ihr Herkunftsland reisen.
Zudem wird über höhere finanzielle Unterstützung für Rückkehrer diskutiert. Aktuell liegt die sogenannte Starthilfe bei bis zu rund 1.000 Euro pro erwachsener Person.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion