Der deutsche Einzelhandel sieht beim Thema Ladendiebstahl trotz sinkender Anzeigen weiterhin erheblichen Handlungsbedarf. Nach der Polizeilichen Kriminalstatistik ging die Zahl der erfassten einfachen Ladendiebstähle im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 6 Prozent auf etwas mehr als 357.600 Fälle zurück. Hinzu kamen rund 25.400 schwere Fälle, was in etwa dem Niveau von 2024 entspricht. Für den Handelsverband Deutschland (HDE) ist das jedoch kein Zeichen der Entwarnung.
Aus Sicht der Branche zeigt die Statistik nur einen kleinen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens und eignet sich deshalb kaum, um verlässliche Trends abzuleiten. Ein wesentlicher Grund dafür ist die hohe Dunkelziffer: Viele Taten werden weder entdeckt noch angezeigt und erscheinen somit nicht in der offiziellen Erfassung. Nach Schätzungen des Handelsforschungsinstituts EHI bleiben etwa 98 Prozent aller Ladendiebstähle unbemerkt.
Selbst wenn Diebstähle auffallen, verzichten viele Händler laut HDE auf eine Anzeige. Der Grund: Zahlreiche Unternehmen hätten die Erfahrung gemacht, dass Verfahren oft nicht konsequent verfolgt und rasch eingestellt würden. Deshalb scheuten viele den zusätzlichen Aufwand. HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth fordert seit Längerem ein konsequenteres Vorgehen gegen Täter.
Milliardenschaden durch gestohlene Ware
Nach einer Studie des EHI hat der Ladendiebstahl in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Im Jahr 2024 entwendeten Kunden Waren im Wert von rund 2,95 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach Berechnungen des Instituts blieben damit jährlich rund 24,5 Millionen Fälle unentdeckt, bei einem durchschnittlichen Warenwert von etwa 120 Euro.
Damit stieg der Gesamtschaden bereits das dritte Jahr in Folge und erreichte einen neuen Höchststand. Schon 2023 war ein Plus von 15 Prozent registriert worden. Für das vergangene Jahr liegen bislang noch keine aktuellen Zahlen vor.
Der Handel macht für diese Entwicklung mehrere Faktoren verantwortlich. Nach Angaben des HDE spielt insbesondere ein Anstieg organisierter bandenmäßiger Kriminalität eine Rolle. Zudem verweist der Verband auf eine sinkende Akzeptanz gesetzlicher Regeln sowie Schwächen bei der Strafverfolgung. Aus Sicht des Einzelhandels fehlt es dadurch an ausreichender Abschreckung, was weitere Diebstähle begünstige.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion