Hunderte Nachbarschaftsstreitigkeiten landen in Bayern vor Gericht
Ob Streit um Kuhglocken, zu hohe Hecken, lärmende Hunde oder falsch abgestellte Autos: Nachbarschaftskonflikte beschäftigen in Bayern weiterhin regelmäßig die Justiz. Im vergangenen Jahr registrierten die Amtsgerichte insgesamt 785 neue Verfahren. Damit lag die Zahl leicht unter dem Vorjahreswert von 820, bleibt insgesamt aber auf einem weiterhin hohen Niveau. Zum Vergleich: 2023 wurden 791 neue Fälle gezählt, 2022 waren es noch 930.
Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) verwies darauf, dass bei typischen Nachbarschaftskonflikten – etwa wegen Lärm oder Bepflanzung an der Grundstücksgrenze – zunächst gesetzlich eine außergerichtliche Schlichtung vorgesehen ist, bevor ein Fall vor Gericht gebracht werden kann. Neben den neu eingegangenen Verfahren an den Amtsgerichten gab es im vergangenen Jahr außerdem 48 Berufungsverfahren an den Landgerichten.
München mit den meisten Fällen
Die meisten neuen Verfahren wurden beim Amtsgericht München gezählt, dort waren es 57. Dahinter folgten Nürnberg mit 34 und Rosenheim mit 29 neuen Streitfällen. Dass es auch friedlicher geht, zeigt der Gerichtsbezirk Gemünden am Main: Dort wurde 2025 kein einziger Nachbarschaftsstreit vor Gericht ausgetragen.
Minister setzt auf das Gespräch
Eisenreich warb dafür, Konflikte möglichst früh direkt zu klären. Ein offenes Gespräch "am Gartenzaun" sei nach wie vor der beste Weg, um eine Eskalation zu verhindern. Wenn sich ein Streit dennoch nicht vermeiden lasse, komme es darauf an, nicht nur die eigenen Ansprüche zu kennen, sondern auch die Rechte des Gegenübers zu respektieren.
Zur Orientierung stellt das bayerische Justizministerium unter anderem die Broschüre „Rund um die Gartengrenze“ bereit. Darin werden wichtige privatrechtliche Regeln für das nachbarschaftliche Zusammenleben erläutert.
Viele Konflikte bleiben ohne Gerichtsverfahren
Die Gerichtsstatistik dürfte allerdings nur einen Teil der Wirklichkeit abbilden. Nach Angaben des Justizministeriums zeigt eine repräsentative Umfrage von Allianz Direct, dass Bayern unter den deutschen Flächenländern besonders häufig von Nachbarschaftsstreit betroffen ist. Demnach hatten fast 58 Prozent der Befragten bereits einmal Ärger mit ihren Nachbarn. Vor Gericht landet davon jedoch nur ein kleiner Teil.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber