Dessau zählt laut «Lonely Planet» zu den spannendsten Reisezielen 2027
Die Bauhaus-Stadt Dessau-Roßlau hat es in die Auswahl der 25 besten Reiseziele für 2027 des bekannten Reiseführers «Lonely Planet» geschafft. In dem Band «Lonely Planet Best in Travel 2027», der am 23. September erscheint, wird die Stadt in Sachsen-Anhalt als Ort empfohlen, den Reisende im kommenden Jahr nicht verpassen sollten. Ebenfalls auf der Liste stehen unter anderem Rabat in Marokko, Skanör-Falsterbo in Südschweden und die chinesische Metropole Chengdu.
Das neue Buch versammelt insgesamt 50 Empfehlungen für das Reisejahr 2027. Neben 25 Reisezielen werden auch 25 besondere Erlebnisse vorgestellt. Dazu gehören etwa Besuche in den Museen von Abu Dhabi oder eine Fahrt auf der historischen Route Napoléon in Frankreich, die von der Côte d’Azur bei Cannes bis nach Grenoble führt.
Bauhaus als prägender Moment der Moderne
In der Begründung für Dessau betont «Lonely Planet» die enorme Bedeutung des Bauhauses für Design und Architektur. Vor rund hundert Jahren sei die Bewegung in die damalige Kleinstadt Dessau gekommen – ein Schritt, dessen Einfluss kaum überschätzt werden könne. Das Bauhaus wird dort als eine der folgenreichsten Gestaltungsideen beschrieben, die bis heute den Alltag vieler Menschen prägt.
Die Staatliche Bauhaus-Schule war 1919 von Walter Gropius in Weimar gegründet worden. Sie veränderte Kunst, Architektur und Design grundlegend und gilt bis heute als Meilenstein der Moderne.
Politische Debatte um das Bauhaus in Sachsen-Anhalt
Vor dem Hintergrund der aktuellen Landespolitik bekommt die Würdigung zusätzliche Brisanz. Die AfD Sachsen-Anhalt, die bei der Landtagswahl am 6. September im Bundesland und auch in Dessau-Roßlau stärkste Kraft wurde, hatte das Bauhaus als «Irrweg der Moderne» bezeichnet. Auch eine an das Bauhaus angelehnte Landeskampagne mit dem Slogan #moderndenken lehnt der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Landesverband ab und würde sie lieber in #deutschdenken umbenennen. Bauhaus-Einrichtungen und Unterstützer weisen solche Positionen entschieden zurück.

Diese Bauhaus-Orte empfiehlt der Reiseführer
Besonders hervorgehoben werden in dem Band mehrere bekannte Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dazu zählt vor allem das 1926 eröffnete Bauhausgebäude, das als nüchtern und kastenförmig beschrieben wird, zugleich aber als genial gilt. Ebenfalls empfohlen werden die Siedlung Dessau-Törten sowie die Meisterhäuser, in denen einst führende Köpfe des Bauhauses lebten – darunter Walter Gropius sowie die Künstler Paul Klee und Wassily Kandinsky.
«Weniger ist mehr» als Leitgedanke
Der «Lonely Planet»-Autor Anthony Ham schreibt, das Bauhaus habe sich erst in Dessau in den 1920er Jahren zu jenem prägenden Gestaltungsprinzip entwickelt, das heute weltweit bekannt sei. Der Grundgedanke sei schlicht: Weniger ist mehr. Gerade diese Reduktion habe Design von einem Luxus für wenige zu etwas gemacht, das das Leben vieler Menschen verbessern könne.
Nach Hams Einschätzung liegt die besondere Stärke des Bauhauses darin, dass es nicht nur als Stil, sondern als Ausdruck des wirklichen Lebens verstanden werden kann. Die konsequente Funktionalität lasse einen Besuch in Dessau wie eine Reise zu den Ursprüngen moderner Alltagsarchitektur wirken.
Buch erscheint bei MairDumont
Die deutschsprachige Ausgabe von «Best in Travel 2027» erscheint bei MairDumont in Ostfildern bei Stuttgart, der größten Reiseverlagsgruppe Deutschlands.
Deutschland war schon mehrfach vertreten
Deutschland tauchte bereits in früheren Ausgaben der internationalen Reihe auf. Bayern wurde 2025 als Top-Region genannt, Bonn war für 2020 wegen des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven als Top-Stadt ausgewählt worden. 2019 belegte Deutschland bei den Ländern sogar Platz zwei – damals ebenfalls mit Verweis auf das Bauhaus-Jubiläum.
Inzwischen verzichtet «Lonely Planet» auf klassische Ranglisten für Städte, Regionen und Länder. Stattdessen stellt der Verlag Reiseziele und Erlebnisse ohne feste Platzierung vor. Dahinter steht nach Verlagsangaben die Idee, bewusster und langsamer zu reisen, Orte intensiver kennenzulernen und auch abseits der bekanntesten Sehenswürdigkeiten persönliche Begegnungen und neue Geschichten zu entdecken.
Die Marke «Lonely Planet», gegründet 1973, hat nach eigenen Angaben bislang mehr als 150 Millionen Reiseführer verkauft. Zum Sortiment gehören heute Hunderte Veröffentlichungen – von klassischen Reiseführern bis hin zu Bildbänden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber