Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius sieht Deutschland stärker denn je in der Verantwortung, mehr für den Schutz Europas zu leisten. Auf der Hannover Messe erklärte der SPD-Politiker, dass die Bundesrepublik aufgrund ihrer Größe, ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und ihrer geostrategischen Lage deutlich mehr beitragen müsse als bislang – nicht nur für die eigene Sicherheit, sondern für die Stabilität in ganz Europa.
Pistorius betonte, dass wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Sicherheit eng zusammenhingen. Eine erfolgreiche Wirtschaft sei ohne Sicherheit nicht denkbar, zugleich brauche Sicherheit eine starke wirtschaftliche Basis. Vor allem eine leistungsfähige Industrie sei aus seiner Sicht unverzichtbar, um Demokratie und Schutzfähigkeit zu sichern.
Spätestens seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sei das Thema Sicherheit auch in Deutschland endgültig ins Zentrum gerückt. Unternehmen bekämen geopolitische Gefahren und Unsicherheiten unmittelbar zu spüren. Als Beispiele nannte Pistorius den Krieg im Iran sowie die angespannte Lage in der Straße von Hormus.
Deutschland bei Innovationen oft zu langsam
Kritisch äußerte sich der Minister zur Geschwindigkeit, mit der neue Entwicklungen in Deutschland umgesetzt werden. Gerade im Verteidigungssektor könne man es sich nicht erlauben, dass zwischen einem erfolgreichen Prototypen und der Fertigung in größerem Umfang Jahre vergingen. In einer Zeit, in der sich Bedrohungen innerhalb weniger Tage verändern könnten, sei Tempo keine Zusatzoption, sondern eine Grundbedingung für Sicherheit.
Als besonders anschauliches Beispiel führte Pistorius die Entwicklung von Drohnen an. Ukrainische Partner berichteten inzwischen von Innovationszyklen von lediglich sechs bis zwölf Wochen. Deutschland sei hier, so räumte der Minister ein, vielfach noch nicht effizient und modern genug aufgestellt.
Rüstungsindustrie auf der Hannover Messe präsenter denn je
Erstmals widmet die Hannover Messe dem Thema Rüstung in diesem Jahr einen eigenen Schwerpunkt. Im sogenannten Defense Production Park präsentieren rund 40 Unternehmen auf etwa 1.200 Quadratmetern Konzepte und Technologien für einen schnellen Ausbau der Verteidigungsproduktion.
Am Dienstag werden dort unter anderem Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger und Airbus-Defence-Manager Michael Schöllhorn erwartet.
Für die Veranstalter gilt dieser neue Bereich zugleich als Ausblick auf eine weitere Messe: Im März 2027 soll in Hannover erstmals die Sicherheits- und Verteidigungsmesse Defence & Security Equipment International Germany stattfinden.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion