Der Großeinsatz gegen den schweren Vegetationsbrand im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn geht auch am vierten Tag unvermindert weiter. Nach Angaben der Feuerwehr in Monschau hat sich das Feuer in der Nacht und am Vormittag zunächst nicht weiter in Richtung deutsche Grenze ausgebreitet. Die Flammen seien weiterhin gut zwei Kilometer von Deutschland entfernt.
„Aktuell ist das beherrschbar“, sagte Feuerwehrsprecher Tobias Schell. Zugleich bleibt die Sorge groß, dass auffrischender Wind das Feuer wieder stärker antreiben könnte, falls er ungünstig dreht. Für diesen Fall wurden in potenziell betroffenen Bereichen vorsorglich Löschwassertanks aufgestellt.
Wetter bleibt entscheidender Faktor
Die Löscharbeiten hängen weiterhin stark von der Wetterentwicklung ab. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes sollte der Wind in der Eifel bis zum frühen Nachmittag noch einmal deutlich zunehmen. Örtlich seien für einige Stunden Böen möglich, die aber voraussichtlich knapp unter der niedrigsten Warnschwelle bleiben.
Danach soll der Wind wieder nachlassen. Positiv wirken sich nach Einschätzung der Meteorologen kräftige Schauer aus. Auch in den kommenden Tagen dürfte es weiter regnen, was die Brandbekämpfung erleichtern könnte.
Schwierige Löscharbeiten auf torfigem Boden
Besonders problematisch bleibt der torfhaltige Untergrund im Hohen Venn. Dort schwelt das Feuer teils tief im Boden weiter. Schell beschrieb die Lage drastisch: „Der Boden ist eigentlich eine Glutfläche.“ Regen habe am Vormittag zusätzlich große Mengen Wasserdampf erzeugt.
Gerade diese Schwelbrände sorgen auch für die anhaltende Geruchsbelastung. Selbst wenn offene Flammen zurückgedrängt werden, muss das Gebiet großflächig bewässert werden, damit sich keine neuen Brandherde bilden. Belgische Behörden gehen deshalb weiter davon aus, dass sich die Nachlöscharbeiten über Wochen hinziehen könnten. Innenminister Bernard Quintin hatte den Brand bereits als unberechenbar bezeichnet.
Unfall bei den Löscharbeiten – keine Verletzten
In der Nacht kam es bei dem Einsatz zu einem Unfall: Ein belgisches Löschfahrzeug kippte um. Verletzt wurde dabei nach Angaben der Feuerwehr niemand. Derzeit sind noch rund 170 Einsatzkräfte in einem Drei-Schicht-System im Einsatz. Nach Einschätzung der Einsatzleitung werden die Löscharbeiten sicher noch mehrere Tage andauern.
Monschau weiter bedroht – vorerst keine neuen Evakuierungen
Die grenznahe Eifelstadt Monschau bleibt weiterhin von einem Übergreifen der Flammen bedroht. In Monschau sowie in den Gemeinden Simmerath und Roetgen wurden die Menschen aufgerufen, möglichst in geschlossenen Räumen zu bleiben. Fenster und Türen sollen vorsorglich geschlossen gehalten werden.
Die Situation rund um die Kindertageseinrichtungen werde wegen der dynamischen Lage fortlaufend beobachtet. Viele Kitas im betroffenen Gebiet haben allerdings derzeit Sommerferien.
Eine weitere Evakuierung ist nach aktuellem Stand zunächst nicht geplant. Am Sonntagabend hatten im Ortsteil Kalterherberg bereits etwa 30 Einwohner aus Sicherheitsgründen vorsorglich ihre Häuser verlassen. Die meisten kamen bei Freunden oder Verwandten unter.
Auch die Müllabfuhr in Monschau reagiert inzwischen auf die Belastung und setzt wegen des starken Brandgeruchs Atemschutzmasken ein.
Rauchwolke reicht mehr als 100 Kilometer weit
Die Auswirkungen des Brandes sind längst weit über die Grenzregion hinaus zu spüren. In Köln, mehr als 100 Kilometer entfernt, rief die Feuerwehr am Dienstag eine „großräumige Geruchslage“ im Stadtgebiet aus. Zahlreiche Bürger meldeten dort auffälligen Brandgeruch. Eine akute Gefahr für die Bevölkerung bestehe nach aktuellem Stand jedoch nicht.
Auch in Wuppertal ist der Brandgeruch im gesamten Stadtgebiet wahrnehmbar. Die Feuerwehr warnte, eine gesundheitliche Gefährdung könne nicht ausgeschlossen werden. Daher wird auch dort geraten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Zusätzlich gab es Warnhinweise aus dem Oberbergischen Kreis. Aus Düsseldorf wurden ebenfalls vereinzelt Meldungen über Brandgeruch bekannt. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes kann der Rauch durch den seit Tagen andauernden Brand und den Wind aus westlicher bis südwestlicher Richtung weit getragen werden. Eine genaue Ausbreitung lasse sich jedoch nur schwer vorhersagen.
Einer der größten Brände in Belgien
Der Wald- und Flächenbrand im Hohen Venn zählt zu den größten Bränden in der belgischen Geschichte. Zeitweise war das Feuer der deutschen Grenze so nahe gekommen, dass auf deutscher Seite Schutzmaßnahmen nötig wurden.
Entspannung im Hürtgenwald
Etwa 20 Kilometer von Monschau entfernt hat sich die Lage im Hürtgenwald unterdessen weiter entspannt. Nach Angaben des Kreises Düren haben die Löscharbeiten dort Wirkung gezeigt, zudem half der Regen. Inzwischen geht es vor allem noch um Glutnester. Betroffen sind dort rund 300 Hektar Wald – beim größten Brand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens.
Mehr Vorsorge gegen Waldbrände gefordert
Angesichts der Brände werden erneut bessere Vorbereitungen auf solche Lagen verlangt. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft fordert einen vorbeugenden Brandschutz für Waldbrände. Nach Ansicht des Vorsitzenden Siegfried Maier braucht es unter anderem Brandschneisen, geländegängige Einsatzfahrzeuge und Wasserdepots, damit an Einsatzorten schnell ausreichend Löschwasser verfügbar ist.
Auch der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Banse, dringt auf mehr Prävention. Die Ausbildung der Feuerwehren müsse stärker auf Waldbrände ausgerichtet werden. Zudem müsse die Bevölkerung noch besser dafür sensibilisiert werden, wie gefährlich Verhalten wie Lagerfeuer, illegales Grillen oder weggeworfene Zigaretten im Wald sein kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber