Brand im Hohen Venn: Starker Wind bleibt aus, Rauch zieht bis ins Ruhrgebiet
Der Großeinsatz gegen den schweren Vegetationsbrand im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn geht auch am vierten Tag unvermindert weiter. Ein Übergreifen der Flammen auf deutsches Gebiet konnten die Einsatzkräfte erneut verhindern. Nach Angaben der Feuerwehr in Monschau hat sich das Feuer weiterhin nicht in Richtung deutsche Grenze ausgebreitet. Die Flammen liegen nach wie vor gut zwei Kilometer von Deutschland entfernt.
„Der Wind hat etwas aufgefrischt, aber der macht uns nicht so zu schaffen“, sagte Feuerwehrsprecher Tobias Schell. Der befürchtete starke Wind blieb damit aus. Am Nachmittag beschrieb Schell die Lage an der Feuerfront als statisch: Das Feuer sei durch die Wetterlage nicht zusätzlich angefacht worden.
Rauch wird zum wachsenden Problem
Zunehmend belastend ist nach Angaben der Feuerwehr inzwischen vor allem der Brandrauch. Besonders für die Einsatzkräfte vor Ort werde die Rauchentwicklung immer mehr zum Problem. Der Geruch zog längst weit über die Grenzregion hinaus und war in Teilen Nordrhein-Westfalens wahrnehmbar.
Betroffen waren unter anderem Köln, Wuppertal, das Oberbergische sowie Teile des Ruhrgebiets. Damit war der Rauch für Millionen Menschen zu riechen.
In Köln, mehr als 100 Kilometer entfernt, rief die Feuerwehr eine „großräumige Geruchslage“ im Stadtgebiet aus. Eine akute Gefahr für die Bevölkerung bestehe nach aktuellem Stand aber nicht. Auch aus Düsseldorf wurden vereinzelt Meldungen über Brandgeruch bekannt.
In Wuppertal warnte die Feuerwehr, der Brandgeruch sei im gesamten Stadtgebiet wahrnehmbar. Eine gesundheitliche Gefährdung könne nicht ausgeschlossen werden. Auch der Oberbergische Kreis gab eine Warnmeldung heraus. Zudem fiel der Brandgeruch in Witten auf; der Ennepe-Ruhr-Kreis riet dazu, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Schwierige Löscharbeiten auf torfigem Boden
Besonders problematisch bleibt der torfhaltige Untergrund im Hohen Venn. Dort schwelt das Feuer teils tief im Boden weiter. Schell beschrieb die Lage drastisch: „Der Boden ist eigentlich eine Glutfläche.“ Regen habe am Vormittag zusätzlich große Mengen Wasserdampf erzeugt.
Gerade diese Schwelbrände sorgen auch für die anhaltende Geruchsbelastung. Selbst wenn offene Flammen zurückgedrängt werden, muss das Gebiet großflächig bewässert werden, damit sich keine neuen Brandherde bilden. Der belgische Innenminister Bernard Quintin sprach von einem unberechenbaren Feuer. Die Nachlöscharbeiten könnten sich über Wochen hinziehen.
Monschau weiter bedroht – vorerst keine neuen Evakuierungen
Die grenznahe Eifelstadt Monschau bleibt weiter von einem möglichen Übergreifen der Flammen bedroht. In Monschau sowie in den Gemeinden Simmerath und Roetgen wurden die Menschen aufgerufen, möglichst in geschlossenen Räumen zu bleiben. Fenster und Türen sollen vorsorglich geschlossen gehalten werden.
Die Situation rund um die Kindertageseinrichtungen wird wegen der dynamischen Lage fortlaufend beobachtet. Viele Kitas im betroffenen Gebiet haben derzeit allerdings noch Sommerferien.
Eine weitere Evakuierung ist nach aktuellem Stand zunächst nicht geplant. Am Sonntagabend hatten im Monschauer Ortsteil Kalterherberg bereits etwa 30 Einwohner aus Sicherheitsgründen vorsorglich ihre Häuser verlassen.
Auch die Müllabfuhr in Monschau reagiert auf die starke Geruchsbelastung und setzt Atemschutzmasken ein.
Unfall bei den Löscharbeiten – keine Verletzten
In der Nacht kam es bei dem Einsatz zu einem Unfall: Ein belgisches Löschfahrzeug kippte um. Verletzt wurde dabei nach Angaben der Feuerwehr niemand.
Derzeit sind rund 170 Einsatzkräfte in einem Drei-Schicht-System im Einsatz. Nach Einschätzung der Einsatzleitung werden die Löscharbeiten sicher noch etliche Tage andauern.
Wetter bleibt ein entscheidender Faktor
Zwar war zuvor mit stärkerem Wind und Böen gerechnet worden, doch diese Entwicklung blieb am Dienstag aus. Laut Prognose des Deutschen Wetterdienstes soll der Wind in der Eifel ab dem Nachmittag wieder nachlassen. Auch in den kommenden Tagen wird mit Regen gerechnet, was die Brandbekämpfung erleichtern könnte.
Einer der größten Brände in Belgien
Der Wald- und Flächenbrand im Hohen Venn zählt zu den größten Bränden in der belgischen Geschichte. Zeitweise war das Feuer der deutschen Grenze so nahe gekommen, dass auf deutscher Seite Schutzmaßnahmen nötig wurden.
Entspannung im Hürtgenwald
Etwa 20 Kilometer von Monschau entfernt hat sich die Lage im Hürtgenwald weiter entspannt. Nach Angaben des Kreises Düren haben die Löscharbeiten dort Wirkung gezeigt, zudem half der Regen. Inzwischen geht es vor allem noch um Glutnester.
Betroffen sind dort rund 300 Hektar Wald – beim größten Brand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens.
Mehr Vorsorge gegen Waldbrände gefordert
Angesichts der Brände werden erneut bessere Vorbereitungen auf solche Lagen verlangt. Die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft fordert einen vorbeugenden Brandschutz für Waldbrände. Nach Ansicht des Vorsitzenden Siegfried Maier braucht es unter anderem Brandschneisen, geländegängige Einsatzfahrzeuge und Wasserdepots, damit an Einsatzorten schnell ausreichend Löschwasser verfügbar ist.
Auch der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes, Karl-Heinz Banse, dringt auf mehr Prävention. Die Ausbildung der Feuerwehren müsse stärker auf Waldbrände ausgerichtet werden. Zudem müsse die Bevölkerung noch besser dafür sensibilisiert werden, wie gefährlich Verhalten wie Lagerfeuer, illegales Grillen oder weggeworfene Zigaretten im Wald sein kann.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber