Bayern

Nach Attacke auf israelisches Lokal in München: Behörden untersuchen mutmaßliches Bekennervideo

Nach dem Angriff auf ein israelisches Restaurant in München sorgt ein mögliches Bekennervideo für Aufsehen. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

17.04.2026, 15:21 Uhr

Nach dem Angriff auf ein israelisches Restaurant in München werten die Ermittlungsbehörden ein mögliches Bekennervideo aus, das im Internet verbreitet wurde. Wie die Generalstaatsanwaltschaft München mitteilte, liegt das Material vor und wird im Rahmen der laufenden Untersuchungen geprüft.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen könnte das Video von der proiranischen Gruppierung Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia (HAYI) stammen. Veröffentlicht worden sei es unter diesem Namen. Ob die Gruppe jedoch tatsächlich für die Tat verantwortlich ist, sei damit noch nicht belegt.

Bislang kaum bekannte Gruppierung

Das Video tauchte erst fünf Tage nach dem Anschlag auf. Fachleute stufen HAYI als neue Organisation ein. In Bayern war sie nach dpa-Informationen bislang nicht aufgefallen. Sollte sich ein Zusammenhang bestätigen, wäre es Medienberichten zufolge die erste bekannte Tat der Gruppierung in Deutschland.

In der Vergangenheit war HAYI unter anderem im Zusammenhang mit einem als antisemitisch bewerteten Brandanschlag auf einen jüdischen Rettungsdienst in London genannt worden.

Verfassungsschutz vermutet schiitisch-irakisches Netzwerk

Nach Angaben des Bundesamts für Verfassungsschutz wird hinter HAYI ein irakisch-schiitisches Netzwerk vermutet. Die Gruppe nutze verschiedene Social-Media-Kanäle aus dem schiitisch-extremistischen und proiranischen Spektrum, um ihre Aktivitäten öffentlich zu machen.

Mehr Angriffe in Europa seit März

Laut Verfassungsschutz kam es seit dem 9. März in Europa vermehrt zu Attacken auf jüdische und amerikanische Einrichtungen, vor allem in Form von Brandanschlägen, zu denen sich HAYI in Videos bekannt haben soll. Die Taten seien bislang überwiegend nachts oder in den frühen Morgenstunden verübt worden, ohne dass Menschen verletzt wurden. Behörden sprechen derzeit von knapp einem Dutzend bekannten Zielen in Europa.

Berichten zufolge heißt es in dem Münchner Video, der Angriff habe sich um 0.45 Uhr nach Schließung des Restaurants ereignet. Es habe keine Todesopfer gegeben, tagsüber hätten jedoch Menschen sterben können. Außerdem werde darin gewarnt, sich "zionistischen Einrichtungen" zu nähern. Der Text sei auf Arabisch und Hebräisch verbreitet worden.

Scheiben zerstört, pyrotechnische Gegenstände geworfen

In der Nacht auf Freitag vergangener Woche hatten Unbekannte das israelische Restaurant "Eclipse" in München attackiert. Dabei wurden Fensterscheiben beschädigt und ein Sachschaden von mehreren tausend Euro verursacht. Polizei, Justiz und Betreiber gingen früh von einem antisemitischen Hintergrund aus.

Die Polizei war gegen 00.45 Uhr alarmiert worden, nachdem drei Knallgeräusche gemeldet worden waren. Vor Ort stellte eine Streife fest, dass Scheiben an drei Stellen beschädigt waren. Nach bisherigen Erkenntnissen wurden pyrotechnische Gegenstände in das Lokal geworfen. Die Kriminalpolizei und das Landeskriminalamt untersuchen unter Leitung der Generalstaatsanwaltschaft, um welche Art von Spreng- oder Wurfkörper es sich gehandelt haben könnte.

Breite Solidarität nach der Tat

Die Attacke hatte bei Politikern und Vertretern der jüdischen Gemeinschaft Bestürzung ausgelöst. Bereits am Nachmittag des Tattags versammelten sich rund 300 Menschen vor dem Restaurant, um ihre Unterstützung zu zeigen. Unter ihnen war auch Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Auch aus der Münchner Gastronomie kam deutliche Solidarität. Christian Schottenhamel, Kreisvorsitzender München des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, erklärte, die Nachricht habe die Branche tief getroffen. Antisemitismus habe weder in München noch in Gastronomie und Hotellerie irgendeinen Platz. Die Wirte stünden geschlossen hinter dem betroffenen Betreiber sowie hinter jüdischen und israelischen Kolleginnen und Kollegen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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