Die Nutzung von Anwendungen auf Basis Künstlicher Intelligenz ist in Deutschland inzwischen fest im Alltag angekommen. Das geht aus einer aktuellen, repräsentativen Erhebung des Digitalverbands Bitkom hervor. Demnach greifen 34 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche auf KI-Tools zurück, 15 Prozent sogar täglich. Weitere 24 Prozent nutzen solche Anwendungen immerhin gelegentlich, also seltener als einmal pro Woche.
18 Prozent der Teilnehmer gaben an, bislang keine KI einzusetzen, könnten sich das aber grundsätzlich vorstellen. 22 Prozent lehnen KI-Anwendungen dagegen auch für die Zukunft ab. Für die Bitkom-Studie wurden im März und April 1.003 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland befragt.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst erklärte, Künstliche Intelligenz habe den Alltag schneller erreicht als frühere technologische Neuerungen. Aus seiner Sicht sollte Deutschland KI nicht nur anwenden, sondern aktiv an ihrer Entwicklung mitwirken und zugleich Vorbehalte in der Bevölkerung ernst nehmen.
Defizite bei der KI-Weiterbildung
Neben der Bitkom-Erhebung verweist auch eine Studie des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag des TÜV-Verbands auf eine wachsende Bedeutung von KI in Unternehmen. Demnach setzen 56 Prozent der befragten Firmen bereits generative KI-Werkzeuge wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Copilot im Arbeitsalltag ein.
Gleichzeitig zeigt sich ein deutlicher Nachholbedarf bei der Qualifizierung. Nach den Zahlen des TÜV-Verbands sehen 50 Prozent einen hohen oder sehr hohen Weiterbildungsbedarf beim Thema KI. Dennoch berichteten nur 27 Prozent, dass Beschäftigte in ihrem Unternehmen bereits entsprechende Schulungen besucht haben. Die Bitkom-Umfrage zeichnet ein ähnliches Bild: Dort gaben lediglich 21 Prozent der Erwerbstätigen an, bislang an einer betrieblichen KI-Fortbildung teilgenommen zu haben.
TÜV-Verbands-Geschäftsführer Joachim Bühler warnte, der Kompetenzaufbau halte mit der rasanten Verbreitung von KI in vielen Betrieben nicht Schritt. Wer die Technologie produktiv und sicher einsetzen wolle, müsse gezielt in Weiterbildung investieren.
Heimlicher KI-Einsatz im Job
Im Berufsleben zeigt sich insgesamt ein geteiltes Bild. 48 Prozent der Beschäftigten nutzen KI bei der Arbeit, während 45 Prozent solche Werkzeuge im Job grundsätzlich ablehnen. Für Unternehmen besonders heikel: Zwölf Prozent der beruflichen Nutzer setzen KI ohne Wissen ihres Arbeitgebers ein.
Auffällig sind laut TÜV-Studie die Unterschiede nach Unternehmensgröße. In großen Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten hat fast jede zweite Organisation (49 Prozent) bereits KI-Schulungen umgesetzt. Bei mittelgroßen Firmen mit 50 bis 249 Beschäftigten liegt dieser Anteil bei 32 Prozent, bei kleineren Unternehmen mit 20 bis 49 Mitarbeitenden nur bei 21 Prozent. Gerade im Mittelstand komme der Aufbau von KI-Kompetenzen damit nur langsam voran.
Kritik an der Dominanz von US-Anbietern
Zur Zurückhaltung vieler Menschen dürfte auch beitragen, dass der Markt klar von Unternehmen aus den USA geprägt wird. Am häufigsten genutzt wird ChatGPT von OpenAI mit 71 Prozent, dahinter folgen Gemini von Google mit 50 Prozent und Copilot von Microsoft mit 43 Prozent. Andere US-Dienste wie Grok von Elon Musk (6 Prozent) und Claude von Anthropic (5 Prozent) spielen bislang eine deutlich kleinere Rolle. Die europäische Alternative Le Chat des französischen Unternehmens Mistral kommt auf vier Prozent.
Die Dominanz amerikanischer Konzerne wird auch gesellschaftlich kritisch gesehen: 72 Prozent der Bürger meinen, Deutschland sei im Bereich KI zu stark von den USA abhängig. Wintergerst mahnte, Europa müsse stärker in eigene Lösungen investieren und bessere Rahmenbedingungen für den Markt schaffen, um im internationalen Wettbewerb nicht weiter zurückzufallen. Er warnte zudem davor, Europa zu einer digitalen Kolonie werden zu lassen.
Zwischen Offenheit und Sorge
Wer keine KI verwendet, verlässt sich meist weiterhin auf klassische Suchmaschinen im Internet; das sagen 54 Prozent der Nicht-Nutzer. Lediglich 13 Prozent lehnen KI aus grundsätzlicher Überzeugung ab. Ganz ohne Sorgen blicken jedoch nur elf Prozent auf die Technologie. Am größten sind die Befürchtungen vor täuschend echten Falschinformationen (50 Prozent) sowie davor, dass KI zu viel Einfluss gewinnen könnte (49 Prozent).
Grundlage der TÜV-Ergebnisse ist eine repräsentative Forsa-Befragung im Auftrag des Verbands unter 500 Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten in Deutschland. Befragt wurden von Januar bis März 2026 Personalverantwortliche sowie Mitglieder der Geschäftsleitung und Unternehmensführung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion