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Jagd auf Strom-Saboteur: neue Sprengsätze!

Neue Sprengsätze entdeckt: Polizei jagt nach Sabotage an Umspannwerken jetzt mit Hochdruck den mutmaßlichen Täter.

07.09.2026, 16:23 Uhr

Nach mehreren mutmaßlichen Sabotageakten gegen die Stromversorgung in verschiedenen Bundesländern hat die Polizei ihre Ermittlungen weiter ausgedehnt. In Nordrhein-Westfalen wurden am Montag nach Angaben der Kölner Polizei erneut Abschussvorrichtungen in der Nähe von Hochspannungsleitungen entdeckt.

Zusätzlich gab es am Nachmittag Hinweise auf eine verdächtige Person im Umfeld des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab. Wegen der laufenden Fahndung wurde zudem die Autobahn 4 zwischen den Anschlussstellen Eschweiler-Ost und Langerwehe in beide Richtungen gesperrt.

Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung

Die Ermittler riefen die Bevölkerung erneut dazu auf, verdächtige Beobachtungen zu melden. Gesucht werden insbesondere Hinweise, die mit dem Aufstellen von Abschussrampen in Verbindung stehen könnten. Auch Kameraaufnahmen aus dem betroffenen Bereich – etwa von Wildkameras – sollen an die Polizei weitergegeben werden.

Seit Tagen wird öffentlich nach einem 48-Jährigen aus Gevelsberg gefahndet. Ihm werden Sabotageakte in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg zugeschrieben. Der Mann soll versucht haben, mit selbst gebauten Raketen einen dünnen Draht über Hochspannungsleitungen zu schießen, um Kurzschlüsse auszulösen.

Großeinsätze in Remscheid, Wuppertal und Wesel

Bereits im Raum Remscheid und Wuppertal lief ein größerer Einsatz, nachdem an einem Umspannwerk in Remscheid eine verdächtige Person mit Rucksack gesehen worden war. Ob es sich dabei um den gesuchten Mann handelt, war zunächst offen.

Nach Angaben der Kölner Polizei standen Einsatzkräfte seit dem Vormittag im Großraum Wuppertal im Zusammenhang mit den Angriffen auf das Stromnetz im Einsatz. Auch ein Polizeihubschrauber war zwischen Remscheid-Lüttringhausen und Wuppertal-Ronsdorf unterwegs. Genauere Informationen wollten die Behörden wegen der laufenden Fahndung nicht nennen. Klar sei aber, dass inzwischen in ganz Nordrhein-Westfalen Maßnahmen liefen, darunter auch verdeckte Ermittlungen.

Auch am Niederrhein gab es einen größeren Polizeieinsatz. An einem Umspannwerk im Kreis Wesel war in der Nacht zum Montag ein beschädigter Zaun entdeckt worden. Dort wurden tagsüber Spuren gesichert, zudem sollte die Anlage gemeinsam mit dem Betreiber überprüft werden.

60-köpfige Ermittlungsgruppe wertet Unterlagen aus

Eine Ermittlungsgruppe mit rund 60 Beamten wertet derzeit umfangreiche Unterlagen aus dem Besitz des Verdächtigen aus. Ziel ist es, mögliche weitere Tatorte im gesamten Bundesgebiet zu identifizieren. Die Kölner Polizei steht dabei auch mit Behörden anderer Länder in engem Austausch.

Zu Vorfällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen liegen Bekennerschreiben vor, die die Ermittler für echt halten und dem 48-Jährigen zuordnen. Auch die Bauweise der eingesetzten Vorrichtungen spricht nach Einschätzung der Ermittler für mögliche Zusammenhänge.

Bundesweite Verbindungen werden geprüft

In Bergheim bei Köln wurden durch einen solchen Angriff mehrere Blöcke eines Kraftwerks außer Betrieb gesetzt, zu einem Stromausfall kam es dort jedoch nicht. In Jänschwalde in Brandenburg war ein vergleichbarer Angriff auf das Stromnetz dagegen erfolgreich.

Nach den Taten in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg wurden außerdem in Sachsen weitere selbst gebaute Abschussvorrichtungen in unmittelbarer Nähe von Hochspannungstrassen gefunden. Spezialkräfte des Landeskriminalamts entschärften die Geräte. Damit stieg die Zahl der allein in Sachsen entdeckten Vorrichtungen nach Behördenangaben auf 21.

Bereits am Sonntag hatte es zudem einen Großeinsatz im Hambacher Forst bei Köln gegeben, der lange von Klimaaktivisten besetzt war. In der Nähe war zuvor der Camping-Lkw des Verdächtigen gefunden worden. Hinweise auf seinen Aufenthaltsort ergaben sich dort jedoch nicht.

Auch Vorfall in Berlin wird überprüft

In Berlin-Mitte kam es an einem Umspannwerk zu einer Explosion, wie der Betreiber 50Hertz mitteilte. Rund 90 Ampeln fielen daraufhin aus. Nach bisherigen Erkenntnissen deutet jedoch vieles auf einen technischen Defekt hin. Auch die Polizei bestätigte nach ersten Ermittlungen diese Einschätzung.

Ermittler setzen weiter auf Zeugenaussagen

Seit Samstag fahnden die Behörden nach den Vorfällen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen auch öffentlich mit zwei Fotos nach dem 48-Jährigen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte erklärt, die Inhalte der Bekennerschreiben enthielten eindeutiges Täterwissen. Er sprach von „Klimaterrorismus“ durch einen Einzeltäter.

In der Wohnung des Verdächtigen fanden Ermittler Sprengstoff. Außerdem wird nach einem Fahrrad gesucht, das der Mann möglicherweise benutzt haben könnte. Die Polizei hofft weiterhin auf Hinweise von Zeugen.

In den Bekennerschreiben begründet der mutmaßliche Täter die Angriffe mit seinem Kampf gegen fossile Energien. Darin heißt es, Strom aus fossilen Brennstoffen sei ein Verbrechen. Die Schreiben liegen auch der Deutschen Presse-Agentur vor. In allen drei betroffenen Bundesländern wird weiterhin Braunkohle gefördert und zur Stromerzeugung genutzt.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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