Klischeefreie Berufsorientierung statt Einteilung nach Geschlecht: Der sogenannte Zukunftstag, auch Girls‘ und Boys‘ Day, soll Kindern und Jugendlichen Einblicke in die Arbeitswelt ermöglichen. Im Mittelpunkt stehen dabei oft Berufe, in denen Frauen oder Männer bislang unterrepräsentiert sind. Viele Angebote sind deshalb weiterhin nach Geschlecht getrennt.
Genau dieses Prinzip stellt die Kommission Queere Jugendarbeit des Bayerischen Jugendrings (BJR) infrage. Aus ihrer Sicht werden dadurch ausgerechnet jene Rollenbilder weitergetragen, die eigentlich aufgebrochen werden sollen. Zudem fühlten sich junge Menschen ausgeschlossen, die sich nicht eindeutig in die Kategorien Mädchen oder Jungen einordnen.
BJR-Präsident Philipp Seitz betont, die Aktionstage hätten wichtige Impulse gesetzt und gesellschaftliche Debatten angestoßen. Gleichzeitig sehe der Jugendring einen grundlegenden Widerspruch darin, Jugendliche zunächst nach Geschlecht zu sortieren, um anschließend Geschlechterklischees abbauen zu wollen.
Auch Patrick Wolf, Vorsitzender der Kommission Queere Jugendarbeit, plädiert für ein neues Konzept. Ein moderner Zukunftstag müsse alle Jugendlichen ansprechen – unabhängig von Geschlecht oder Selbstbezeichnung. Berufe sollten nicht länger als typische Frauen- oder Männerberufe dargestellt werden. Stattdessen solle die Einladung an Interessen und Neugier anknüpfen, etwa mit der Botschaft, unbekannte Berufsfelder zu entdecken.
Einige Schulen gehen diesen Weg bereits und verwenden dafür neutralere Bezeichnungen wie „Schnupperarbeitstag“.
Ein Aktionstag allein genügt nicht
Auch der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) sieht bei Chancengleichheit und Berufsorientierung weiterhin großen Handlungsbedarf. Nach Einschätzung des Verbands orientieren sich viele Jugendliche bei der Berufswahl noch immer an festen Rollenmustern: Jungen wählen überdurchschnittlich oft technische Berufe wie Elektroniker oder Industriemechaniker, während Mädchen eher soziale oder kaufmännische Tätigkeiten bevorzugen. Deshalb müsse Berufsorientierung fest und systematisch im Schulalltag verankert werden.
Die Kommission Queere Jugendarbeit des BJR verweist zudem darauf, dass grundlegende Probleme wie ungleiche Bezahlung und starre Geschlechterrollen nicht mit einem einzigen Aktionstag pro Jahr gelöst werden können.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion