Nach dem schweren Feuer im Kehlsteinhaus bei Berchtesgaden sind die kriminaltechnischen Untersuchungen vor Ort beendet. Als Nächstes soll die Brandruine für die kalte Jahreszeit gesichert werden – zum Schutz vor weiteren Schäden ebenso wie vor möglichen Diebstählen.
Parallel dazu nimmt die Diskussion über den künftigen Umgang mit dem Gebäude Fahrt auf. Das Thema spielte auch bei der Sitzung des Zweckverbands Bergerlebnis Berchtesgaden eine zentrale Rolle. Der Verband betreut das Haus seit 1960 und übernimmt nach der Freigabe durch die Polizei wieder die Verantwortung.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Kunstminister Markus Blume (beide CSU) hatten bereits einen Wiederaufbau in Aussicht gestellt. Eigentümer des Kehlsteinhauses ist der Freistaat Bayern. Fachleute sprechen sich jedoch gegen eine exakte Rekonstruktion des früheren Zustands aus.
Zweckverband plädiert für neue Lösung
Auch im Zweckverband geht die Tendenz in diese Richtung. Weder ein dauerhafter Erhalt der Ruine noch ein kompletter Abriss gelten dort als sinnvoll. Verbandschef Bartl Wimmer machte deutlich, dass auch ein Wiederaufbau in der früheren Form nicht seine bevorzugte Option sei. Stattdessen brauche es ein neues Konzept, bei dem das Gebäude weiterhin Teil der Erinnerungskultur bleibt.
Landrat Michael Koller brachte einen „interpretativen Wiederaufbau“ ins Spiel. Demnach solle der Ort sowohl einen pädagogischen Auftrag erfüllen als auch touristisch nutzbar sein. Dazu könnte nach seinen Vorstellungen auch wieder ein gastronomisches Angebot gehören.

Experten warnen vor 1:1-Rekonstruktion
Ähnlich äußerten sich bereits Jens-Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, und Sven Keller von der Dokumentation Obersalzberg. Keller betonte, dass die besondere Wirkung des Gebäudes bis heute nachklinge. Gerade weil es nun zerstört beziehungsweise massiv beschädigt sei, komme ein originalgetreuer Wiederaufbau aus seiner Sicht nicht infrage.
Wagner sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, ein originalgetreuer Neuaufbau des ausgebrannten Kehlsteinhauses sei keine gute Lösung. Er hält einen Ideenwettbewerb des Freistaats Bayern für den besten Weg, um über die Zukunft des Ortes zu entscheiden. Überstürzte Entscheidungen dürfe es dabei keinesfalls geben.
Das auf 1.834 Metern gelegene Gebäude wurde 1937/38 auf Veranlassung von Martin Bormann errichtet und gehörte zum nationalsozialistischen Führersperrgebiet am Obersalzberg. Nach bisherigen Ermittlungen soll ein 33-Jähriger das Feuer gelegt haben. Er wurde in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht.
Höhe des Schadens weiter offen
Für die Polizei beginnt nun die Auswertung der gesicherten Spuren. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd erklärte, die Ergebnisse würden nun zusammengeführt und analysiert. Wie hoch der entstandene Schaden ist, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Bei einem außergewöhnlichen Bauwerk wie dem Kehlsteinhaus sei eine erste Einschätzung deutlich schwieriger als bei gewöhnlichen Gebäuden. Die genaue Bewertung liege bei den zuständigen Sachverständigen.
Offen ist außerdem, ob der mit Messing verkleidete Aufzug beschädigt wurde, der auf einer Strecke von 124 Metern durch den Berg hinauf zum Gebäude führt.
Hubschrauber sollen Sicherungsmaterial anliefern
Sobald die Wetterlage es zulässt, sollen Hubschrauber Material zur Brandstelle bringen. Nach Angaben des Zweckverbands geht es dabei vor allem um Absperrungen, Gerüstteile und weiteres Material zur Stabilisierung des Gebäudes. Oberste Priorität hätten die Sicherung der Ruine sowie eine weiträumige Absperrung des Geländes. Zudem soll das Haus so gut wie möglich winterfest gemacht werden, um weitere Schäden durch Schnee, Regen und Frost zu verhindern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber