Bayerns Regierung kritisiert Vergabe bei Windkraft scharf
Die bayerische Staatsregierung wirft der Bundesnetzagentur vor, den Ausbau der Windenergie im Süden Deutschlands zu benachteiligen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) verlangen deshalb Änderungen im laufenden Reformprozess des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG).
Söder sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der Ausbau der Windkraft in Süddeutschland müsse unterstützt und dürfe nicht behindert werden. Bayern setze sich gemeinsam mit Baden-Württemberg in Berlin für eine Korrektur der bisherigen Regeln ein.
Söder verweist auf mehr als 700 betroffene Anlagen
Nach Angaben des Ministerpräsidenten stehen in Bayern über 700 Windräder kurz vor der Umsetzung, hätten unter den aktuellen Bedingungen aber keinen Zuschlag im Rahmen des EEG erhalten. Auch Aiwanger kritisierte die jüngsten Ausschreibungsergebnisse. Aus seiner Sicht werden Standorte in Süddeutschland bei der Vergabe nicht ausreichend berücksichtigt, obwohl viele Projekte bereits weit fortgeschritten seien.
Ende Juni hatte die Bundesnetzagentur die Ergebnisse der jüngsten Ausschreibungsrunde bekanntgegeben. Demnach wurden bundesweit 270 von insgesamt 628 eingereichten Geboten bezuschlagt. Auf Bayern entfielen dabei lediglich vier Zuschläge, auf Baden-Württemberg acht.
Wirtschaftsministerium sieht Ausbau in Bayern gebremst
Das bayerische Wirtschaftsministerium verweist darauf, dass im Jahr 2025 bereits 198 Windenergieanlagen im Freistaat genehmigt worden seien. Hinzu kämen 350 genehmigte Anlagen, die noch auf einen Zuschlag der Bundesnetzagentur warteten. Für weitere 819 Windräder seien zusätzliche Genehmigungsanträge gestellt worden. Aus Sicht des Ministeriums wird diese Entwicklung derzeit durch Vorgaben des Bundes ausgebremst.
Die Vergabe der Zuschläge erfolgt über ein bundesweites Auktionsverfahren. Bayern und Baden-Württemberg fordern deshalb, dass 20 Prozent der ausgeschriebenen Projekte für Süddeutschland reserviert werden. Hintergrund ist, dass Windkraftanlagen im Norden wegen günstigerer Windverhältnisse im Wettbewerb oft bessere Chancen haben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber