Prozess in Augsburg wegen mutmaßlicher Schüsse auf Autos vorerst verschoben
Der Prozess gegen einen 22-Jährigen wegen 23-fachen versuchten Mordes wird voraussichtlich erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnen. Ursprünglich sollte sich der Mann ab Mittwoch vor dem Landgericht Augsburg verantworten. Ihm wird vorgeworfen, mit einem Luftgewehr mehrfach auf vorbeifahrende Fahrzeuge geschossen zu haben.
Nach Einschätzung der Generalstaatsanwaltschaft München wollte der mutmaßliche Unterstützer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ auf diese Weise schwere Verkehrsunfälle auslösen, bei denen auch Menschen hätten sterben können. Verletzt wurde nach bisherigen Erkenntnissen jedoch niemand.
Gericht setzt Verfahren wegen Erkrankung aus
Die zuständige Strafkammer entschied nun, das Verfahren vorerst nicht zu eröffnen. Bei dem Angeklagten war vor einigen Monaten Krebs festgestellt worden, derzeit wird er mit einer Chemotherapie behandelt. Wegen der starken Nebenwirkungen sei er momentan nicht in der Lage, dem Prozess zu folgen, erklärte der 22-Jährige vor Gericht. Seine behandelnde Ärztin bestätigte, dass die Therapie erhebliche Belastungen mit sich bringe.
Wie Gerichtssprecher Michael Rauh mitteilte, wurde das Verfahren deshalb ausgesetzt. Zunächst müsse die Chemotherapie vollständig beendet sein. Erst danach könne wieder von einer ausreichenden Verhandlungsfähigkeit ausgegangen werden. Mit einem neuen Prozessbeginn sei wohl erst gegen Ende dieses Jahres oder Anfang 2027 zu rechnen. Ob der Beschuldigte bis dahin weiter in Untersuchungshaft bleibt, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
Ermittler sehen möglichen Bezug zum 11. September
Laut Anklage soll der damals 21-Jährige im September 2025 an einer Bundesstraße bei Dillingen an der Donau insgesamt 23-mal wahllos auf fahrende Autos geschossen haben. Nach Auffassung der Generalstaatsanwaltschaft hoffte er, die Fahrer dadurch so zu erschrecken, dass sie die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verlieren und von der Straße abkommen. Dabei habe er schwere Verletzungen oder sogar den Tod der Insassen in Kauf genommen.
Der in Deutschland geborene türkische Staatsangehörige soll nach Überzeugung der Ermittler geplant haben, „Ungläubige“ zu töten. Zudem gehen die Behörden davon aus, dass er die Taten bewusst rund um den 11. September verübte, um die Terroranschläge von 2001 in den USA zu verherrlichen.
Zwar erschraken die Autofahrer den Angaben zufolge durch die Schussgeräusche, zu Unfällen kam es jedoch nicht. An den betroffenen Fahrzeugen entstand laut Anklage ein Gesamtschaden von rund 33.000 Euro.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber