Ein Mann in Norditalien hat mit künstlich gealterten Steinen, Säulen und Statuen ein vermeintlich antikes Theater gebaut und es Besuchern als historische Attraktion verkauft. Für diesen Betrug wurde er rechtskräftig verurteilt und sitzt inzwischen im Gefängnis. Das gefälschte Amphitheater in Arcugnano bei Vicenza steht jedoch weiterhin – und sorgt nun für Streit über die Abrisskosten.
Bürgermeister will Gemeinde vor Kosten schützen
Bürgermeister Simone Cuomo macht deutlich, dass die Kommune die finanziellen Folgen nicht tragen will. Gegenüber La Repubblica sagte er, wer den Missbrauch verursacht habe, müsse auch für den Umweltschaden aufkommen und dessen Beseitigung bezahlen. Nach seinen Angaben wurde für das Bauwerk ein naturbelassenes Waldgebiet gerodet und überbaut.
Rückbau könnte Hunderttausende Euro kosten
Wie die Zeitung berichtet, könnte es zwischen 300.000 und 500.000 Euro kosten, den Hügel wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen. Für Arcugnano mit etwa 7.500 Einwohnern wäre das eine erhebliche Belastung. Cuomo verwies darauf, dass der Gemeindehaushalt unter sieben Millionen Euro liege und es viele weitere dringende Aufgaben gebe.
Als archäologische Sensation vermarktet
Das sogenannte „Anfiteatro Berico“ entstand im Jahr 2016. Der Betreiber stellte die Anlage als uralten archäologischen Fund dar, den er nach einem Erdrutsch entdeckt habe. Besucher zahlten 40 Euro Eintritt, während der Komplex mit frei erfundenen Geschichten über seine angebliche Vergangenheit beworben wurde.
Tatsächlich handelte es sich jedoch nicht um ein antikes Bauwerk, sondern um eine moderne Konstruktion aus bearbeitetem Stein, Betonteilen und künstlicher Dekoration.
Betreiber verbüßt Haftstrafe
Der heute 69 Jahre alte Mann, der sich selbst als Forscher und Mäzen inszenierte, sitzt mittlerweile eine Haftstrafe von mehr als zwei Jahren ab. Medienberichten zufolge trat er die Strafe im Juli an. Seine Verurteilung wegen illegaler Bauarbeiten, Verstößen gegen den Landschaftsschutz und Kunstfälschung war zuvor in mehreren Instanzen bestätigt worden.
Zukunft der Anlage weiter offen
Trotz des Urteils ist noch nicht entschieden, wie es mit dem Gelände weitergeht. Gemeinde und Bürgermeister prüfen nun, welche rechtlichen Möglichkeiten es gibt und ob sich die Kosten für den Rückbau dem Verursacher auferlegen lassen.
Bis dahin bleibt das Fake-Amphitheater stehen – samt Hinweisschildern, die noch immer eine angeblich antike Geschichte versprechen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber