Bayern

So erkennen Drohnen und KI Waldbrände früher

Heiße Sommer, unzählige Brände: In der Oberpfalz sollen KI-Drohnen Feuer entdecken, bevor es gefährlich wird.

19.08.2026, 16:12 Uhr

Ein deutsch-tschechisches EU-Modellprojekt namens „CTRL-F“ soll Feuerwehren künftig dabei unterstützen, Waldbrände frühzeitig zu erkennen. Dafür werden Drohnen, Künstliche Intelligenz und moderne Sensorik miteinander verknüpft. Im Neubäuer Forst bei Roding im Landkreis Cham, der als Testregion dient, haben die Projektbeteiligten das System jetzt vorgestellt.

Bei einer Vorführung ertönte ein Alarmsignal, eine Drohnenstation auf einer Wiese öffnete sich automatisch und eine in Feuerwehr-Farben lackierte Drohne hob ab. Das gezeigte Feuer am Waldrand war zwar inszeniert, verdeutlichte aber, wie das System später im Ernstfall funktionieren soll.

Sensoren schlagen bei Brandgasen an

Im Wald wurden Sensoren an Bäumen installiert, die Brandgase beziehungsweise Brandgeruch erkennen können. Nach Angaben des Projektpartners NeuralDrones liegt ihre Reichweite bei jeweils 50 bis 80 Metern. Um eine möglichst hohe Abdeckung zu erreichen, wurden auf einem Quadratkilometer 56 Sensoren angebracht. Künftig soll diese Zahl jedoch noch reduziert werden können.

Sobald ein Sensor Alarm auslöst, startet die Drohne. Sie ist in einer fest installierten Drohnenstation („Drohnengarage“) rund um die Uhr einsatzbereit. Ausgestattet ist sie unter anderem mit einer Wärmebildkamera und hat eine Reichweite von etwa zehn Kilometern.

Drei Wege zum Drohneneinsatz

Nach Angaben von Projektleiter Stefan Geißelsöder, Professor für Angewandte KI an der Hochschule Ansbach, kann die Drohne auf drei Arten eingesetzt werden: automatisch nach einem Sensorsignal, bei regelmäßigen Patrouillenflügen oder auf Anforderung der Feuerwehr per Mausklick.

Letzteres kann etwa dann hilfreich sein, wenn Einsatzkräfte einen Hinweis auf ein mögliches Feuer an einem bestimmten Ort erhalten und sich schnell ein Lagebild verschaffen müssen.

KI wertet Livestream in Echtzeit aus

Auf dem Flug zu einem gemeldeten Brandort überträgt die Drohne Kamerabilder per Livestream. Diese werden in Echtzeit von einer KI ausgewertet, damit mögliche Brandstellen schnell erkannt und möglichst genau lokalisiert werden können.

Ein besonderer Vorteil liegt laut den Projektbeteiligten in der kurzen Reaktionszeit: Glutnester können per Wärmebild oft früher erkannt werden, noch bevor sichtbar Rauch aufsteigt.

Vier Drohnen im Grenzraum geplant

Das Vorhaben ist auf drei Jahre angelegt. Nach der Testphase im Landkreis Cham sollen ab dem kommenden Frühjahr vier Drohnen im deutsch-tschechischen Grenzraum zwischen Bayerischem Wald und Böhmerwald installiert werden. Dafür sind allerdings noch luftrechtliche Genehmigungen erforderlich.

Sicherheit hat bei dem Projekt nach Angaben der Entwickler Vorrang: Die Drohnen sollen Flugzeuge und Hubschrauber erkennen und in einem solchen Fall direkt zur Landung ansetzen.

Wetterfeste Stationen, Fokus auf Sommer

Die Drohnenstationen sind wetterfest, sodass Einsätze grundsätzlich auch im Winter und bei Kälte möglich wären. Der Schwerpunkt des Projekts liegt derzeit aber auf der Sommerzeit, da dann die Waldbrandgefahr besonders hoch ist.

Zu den Projektpartnern gehören neben der Hochschule Ansbach die Start-ups NeuralDrones und KI64, die tschechische Firma DronySIT sowie der Landkreis Cham und dessen Feuerwehren.

Feuerwehren sehen Entlastungspotenzial

Der stellvertretende Kreisbrandrat Michael Stahl berichtete, er habe das Projekt anfangs noch skeptisch betrachtet, sei inzwischen aber von der Idee überzeugt. Heute ist seine Feuerwehr Projektpartner.

Landrat Christian Schindler verwies auf die zunehmende Waldbrandgefahr und die steigende Belastung für die Feuerwehren. Gerade die Brandnachschau binde oft über lange Zeit Personal. Die Drohne könne die Feuerwehr zwar nicht ersetzen, sie aber spürbar entlasten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen