Bayern

Sieg im Borkenkäfer-Krieg: Hoffnung für Bayerns Wald

Jahrelang fraß sich der Borkenkäfer durch Bayerns Wälder – jetzt gibt es im Kampf gegen den Schädling endlich Hoffnung.

28.08.2026, 04:30 Uhr

Eine kleine Lichtung im Nationalpark Bayerischer Wald zeigt, wie schnell sich ein Wald nach Schäden wieder erneuern kann: Auf dem Boden liegen entrindete, umgestürzte Fichtenstämme, dazwischen wachsen bereits junge Bäume nach. In dem Gebiet bei Spiegelau hatte der Borkenkäfer im Jahr 2023 viele Fichten befallen. Nationalparkleiterin Ursula Schuster erläuterte dort, mit welchen Methoden gegen den Schädling vorgegangen wurde und wie sich die Fläche inzwischen erholt.

Der Ort war Schauplatz eines Fachgesprächs mit Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Vertretern der Bayerischen Staatsforsten, der Forstverwaltung und privaten Waldbesitzern. Im Mittelpunkt stand die aktuelle Entwicklung im Umgang mit dem Borkenkäfer. Die Lage gilt in diesem Sommer als vergleichsweise ruhig. Bereits in den Jahren 2024 und 2025 hatte es ähnliche Treffen zum Erfahrungsaustausch im Bayerischen Wald gegeben.

Aktuelle Schäden deutlich geringer

In den Landkreisen Freyung-Grafenau und Regen fällt derzeit so wenig vom Borkenkäfer geschädigtes Holz an wie seit vielen Jahren nicht mehr. Das betrifft sowohl Flächen innerhalb des Nationalparks als auch angrenzende Privat- und Staatswälder. Die Saison des Schädlings reicht in der Regel bis etwa November.

Im Nationalpark werden momentan rund 4.000 Festmeter Schadholz dem Borkenkäfer zugerechnet. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 waren es etwa 7.000 Festmeter. Laut Schuster ist das der niedrigste Wert seit 25 Jahren. Im besonders schweren Schadensjahr 2023 hatte sich die Menge dort noch auf 144.000 Festmeter summiert.

Hubert Aiwanger informiert sich zum Borkenkäfer
Wirtschaftsminister Aiwanger machte sich in der Nähe von Spiegelau ein eigenes Bild. Quelle: Bastian Brummer/StMWi/dpa

Auch bei den Bayerischen Staatsforsten ist die Entwicklung rückläufig. Während 2024 noch knapp 1,14 Millionen Festmeter Käferholz anfielen und damit rund ein Drittel des gesamten Fichteneinschlags ausmachten, wurden im laufenden Jahr 2026 bislang nur etwa 164.000 Festmeter registriert. Das entspricht rund 8 Prozent.

Welche Maßnahmen eingesetzt werden

Nach dem extremen Käferjahr 2023 war unter privaten Waldbesitzern die Sorge groß, dass sich der Befall vom Nationalpark aus in benachbarte Wälder ausbreiten könnte. Etwa 75 Prozent der Nationalparkfläche sind als natürliche Schutzzone ausgewiesen, in der keine Bekämpfung des Borkenkäfers stattfindet. Rundherum liegt die sogenannte Managementzone, die ein Viertel der Fläche umfasst. Dort wird aktiv eingegriffen.

Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören ein langfristiger Umbau hin zu stabileren Mischwäldern, die regelmäßige Kontrolle von Bäumen auf Bohrmehl als frühes Warnzeichen sowie das rasche Fällen und Entfernen befallener Stämme. Zusätzlich liefert das Borkenkäfermonitoring der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft wichtige Daten. Dabei werden Käfer mit Fallen erfasst, um eine beginnende Massenvermehrung frühzeitig zu erkennen. Auch in diesem Bereich gehen die Zahlen derzeit zurück.

Im Nationalpark wurden zudem gute Erfahrungen mit zwei Formen der Entrindung gemacht. Zum einen kommt ein spezieller Debarking-Harvester zum Einsatz. Dieses Gerät kann nicht nur Bäume bearbeiten, sondern den Stamm auch direkt entrinden. Dadurch kann die Rinde im Wald bleiben, während der Stamm als Totholz liegen bleibt oder gegebenenfalls verkauft wird. Eine weitere Methode ist das streifenweise Entfernen der Rinde. Dadurch verlieren die Käfer ihre Brutmöglichkeiten.

Entscheidend ist dabei der richtige Zeitpunkt: Die Verfahren wirken vor allem dann, wenn sich die Käfer noch als Eier, Larven oder Puppen unter der Rinde befinden und noch nicht flugfähig sind. Dann wird ihre Entwicklung unterbrochen, ohne dass die Rinde aus dem Wald geschafft werden muss.

Wetter bleibt ein zentraler Faktor

Hohe Temperaturen und Trockenheit begünstigen die Ausbreitung des Borkenkäfers. Wärme lässt die Larven schneller heranwachsen, während Wassermangel die Bäume schwächt. Gesunde Fichten können sich normalerweise mit Harz gegen Angriffe wehren. Fehlt jedoch über längere Zeit Regen, sinkt diese Abwehrkraft deutlich.

Noch keine vollständige Entwarnung

Nach Einschätzung von Minister Aiwanger zeigt sich der Erfolg der vergangenen Jahre auch darin, dass alle Beteiligten enger zusammenarbeiten. Dennoch sei es zu früh, Entwarnung zu geben. Viele Bäume seien durch Hitze und Trockenheit weiterhin belastet. Deshalb müsse Befall früh erkannt, Käferholz konsequent aufgearbeitet und schnell aus dem Wald gebracht werden.

Auch Rudolf Plochmann, Vorsitzender der Staatsforsten, warnte vor zu viel Optimismus. Die Entwicklung verlaufe in Wellen, und steigende Käferbestände könnten jederzeit wieder auftreten. Der trockene Sommer habe den Wald zusätzlich unter Stress gesetzt. Wie sich die Lage weiter entwickelt, werde vor allem das kommende Jahr zeigen. Sicherheit gebe es noch nicht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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