Bayern

Richard-Wagner-Festspiele: Das dunkle Erbe

Bayreuth blickt in düstere Abgründe: Verfolgte jüdische Musiker, Hitlers angebliche Lieblingsoper – was steckt dahinter?

26.07.2026, 03:30 Uhr

Bayreuther Festspiele thematisieren zum 150. Jubiläum ihre NS-Vergangenheit

Anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens befassen sich die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth mit einem besonders belasteten Kapitel ihrer Geschichte. Erstmals wird dort heute ab 16.00 Uhr Wagners Frühwerk „Rienzi“ aufgeführt. Die Oper gilt vielfach – wenn auch nicht zweifelsfrei belegt – als Lieblingswerk Adolf Hitlers. Hitler war ein begeisterter Verehrer Wagners und regelmäßiger Gast der Festspiele. Zudem wurde die Ouvertüre von „Rienzi“ bei den Reichsparteitagen der NSDAP gespielt.

Regisseurinnen verstehen das Werk als Warnzeichen

Die Inszenierung stammt von Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka. Nach Cosima und Katharina Wagner sind sie die ersten Frauen, die bei den Bayreuther Festspielen eine Oper auf die Bühne bringen. In einer Zeit, in der rechtsradikale Positionen wieder an Einfluss gewinnen, begreifen sie „Rienzi“ als ein Mahnmal.

Gedenken an verfolgte jüdische Musiker

Schon vor der Premiere sind zwei Programmpunkte dem Erinnern gewidmet. Im Festspielpark ist ab 9.30 Uhr ein Gedenkakt vorgesehen, begleitet von einer Ausstellung mit Fotografien jüdischer Musikerinnen und Musiker, die unter dem NS-Regime verfolgt wurden. Anschließend soll der jüdische Publizist Michel Friedman um 10.30 Uhr im Festspielhaus sprechen.

Absage sorgte vorab für Kritik

Im Vorfeld hatten diese Veranstaltungen für Diskussionen gesorgt. Zwischenzeitlich waren sie von den Festspielen für das Eröffnungswochenende gestrichen worden. Friedman machte die Entscheidung öffentlich und äußerte scharfe Kritik. Nach deutlichen Protesten – auch aus politischen Kreisen – wurden die Termine wieder angesetzt und auf den Sonntag gelegt.

Jubiläumsauftakt mit Beethoven

Vor 150 Jahren hatte Richard Wagner (1813–1883) sein später weltberühmtes Opernfestival erstmals veranstaltet. Zum feierlichen Auftakt des Jubiläums erklang am Samstag Beethovens 9. Sinfonie. Dasselbe Werk war bereits bei der Grundsteinlegung des Bayreuther Festspielhauses am 22. Mai 1872 zu hören gewesen – damals unter der Leitung Wagners im Markgräflichen Opernhaus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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