Mögliche Raubkatze nahe dem Münchner Flughafen: Suche im Erdinger Moos geht mit neuen Hinweisen weiter
Mit Wärmebilddrohnen, einem Hubschrauber und Hunden suchen Polizei und Behörden weiter in einem Naturschutzgebiet bei Oberding im Landkreis Erding. Auslöser ist die Beobachtung eines Jägers, die den Verdacht auf eine größere Raubkatze ausgelöst hat – möglicherweise ein Puma. Gesichert ist das bislang aber nicht.
Ist es tatsächlich ein Puma?
Noch immer ist unklar, um welches Tier es sich handelt. Grundlage der Warnung des Landratsamts Erding ist die Einschätzung eines Experten, der Aufnahmen aus der Wärmebildkamera eines Jägers vom Dienstagabend ausgewertet hat. Die Behörde spricht derzeit von einer Raubkatzensichtung.
Bei einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte die Sprecherin des Landratsamts, Claudia Fiebrandt-Kirmeyer, derzeit könne nicht sicher gesagt werden, ob es sich um einen Puma oder um ein ganz anderes Tier handelt. Die Bilder sollen nun gemeinsam mit weiteren Fachleuten genauer untersucht werden. Nach Angaben des Landratsamts sind daran unter anderem Vertreter von Zoos und Umweltbehörden beteiligt.
Kreisjägerchef Thomas Schreder hält es nach eigener Aussage jedoch für eher unwahrscheinlich, dass es sich um eine heimische Raubkatze wie etwa einen Luchs handelt.
Dass sich solche Sichtungen als Fehlalarm herausstellen können, zeigen frühere Fälle: 2023 suchten Polizei und Jäger in Kleinmachnow bei Berlin rund 30 Stunden nach einer vermeintlichen Löwin – am Ende war es wohl ein Wildschwein. 2022 wurde in Bayern tatsächlich ein Puma entdeckt, allerdings in einer Holzkiste in einem Auto in der Oberpfalz.
Wie könnte ein solches Tier dorthin gekommen sein?
Auch dazu gibt es weiterhin keine gesicherten Erkenntnisse. Nach Angaben des Landratsamts gibt es keine neuen Hinweise auf einen möglichen Halter des Tieres.
Zwar gastiert in dieser Woche ein Zirkus im nahen Hallbergmoos, dieser hält nach eigenen Angaben jedoch keine Raubkatzen. Auch ein Tierheim im Oberdinger Moos wurde von der Polizei kontaktiert, beherbergt aber nach eigener Darstellung schon seit vielen Jahren keine entsprechenden Tiere mehr.
Die Münchner Auffangstation für Reptilien könnte einen Puma grundsätzlich aufnehmen, vermisst derzeit aber kein solches Tier. Private Halter müssten ein Tier dieser Art eigentlich bei der zuständigen Gemeinde melden. Konkrete Hinweise in diese Richtung gibt es bislang ebenfalls nicht.
Fest steht: In Bayern ist der Puma nicht heimisch. Laut Weltnaturschutzunion IUCN lebt die Art in Nord-, Mittel- und Südamerika.
Wurden bereits Spuren entdeckt?
Nein. Bei den bisherigen Suchmaßnahmen wurden weder das gesuchte Tier noch Spuren oder Beutereste gefunden, die eindeutig auf eine große Raubkatze hinweisen würden. Damit stützen sich die Erkenntnisse der Behörden weiterhin vor allem auf die ausgewerteten Wärmebilder.
In der Nacht zum Donnerstag kam es außerdem zu einem Fehlalarm. Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes hatte auf einem Kamerabild ein verdächtiges Tier erkannt. Ein zur Überprüfung eingesetzter Hubschrauber stellte jedoch keine Großkatze fest. Vermutlich handelte es sich lediglich um eine Hauskatze.
Nach Angaben der Polizei sind bislang rund 30 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Vier davon werden derzeit genauer geprüft. Dabei geht es um Meldungen von Spaziergängern oder Anwohnern, die im weiteren Bereich um Oberding eine vermeintliche Katzenart gesehen haben wollen.
Wie geht die Suche nun weiter?
Über weitere konkrete Suchaktionen im Naturschutzgebiet Notzinger Moos will die Polizei je nach Lage entscheiden. Das Gebiet umfasst nach Polizeiangaben etwa 30 Quadratkilometer. Eine vollständige Durchsuchung sei personell nicht möglich, betonte Polizeiinspektionsleiter Sebastian Pinta.
Die Polizei stelle zudem klar, dass sie das Tier nicht jage. Eingeschritten werde nur, wenn eine Gefahr für Unbeteiligte vermieden werden müsse – und auch das nur als letztes Mittel.
In den kommenden Tagen wollen sich die Einsatzkräfte stärker auf Hinweise aus der Bevölkerung konzentrieren und ihre Maßnahmen entsprechend anpassen. Außerdem soll die Polizei am Wochenende in der Region verstärkt ansprechbar sein.
Was gilt für Anwohner und Besucher?
Das Landratsamt ruft die Bevölkerung weiter zur Vorsicht auf. Wer das Tier sieht oder Hinweise zu seinem Aufenthaltsort geben kann, soll sich umgehend bei der Polizei melden.
Außerdem sollen Hunde in der Region nicht frei laufen gelassen werden. Kleine Kinder sollten derzeit nicht unbeaufsichtigt draußen spielen. Kreisjägerchef Schreder mahnt zwar zur Besonnenheit und betont, Panik sei nicht nötig. Sollte es sich jedoch tatsächlich um einen Puma handeln, sei das Tier keineswegs ungefährlich.
Er appellierte erneut daran, nicht selbst nach dem Tier zu suchen und die Arbeit den Einsatzkräften zu überlassen. Spaziergänge in dem betroffenen Gebiet in der Nacht sollten vorerst besser vermieden werden.
Zusätzlich warnt die Polizei vor bewusst irreführenden Meldungen und vor KI-generierten Bildern angeblicher Raubkatzen aus der Region. Solche Falschhinweise könnten aufwendige Einsätze auslösen und die Bevölkerung unnötig verunsichern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber