Großeinsatz im Spessart: Hunderte Kräfte üben Tunnelbrand im Falkenbergtunnel
Unter möglichst realistischen Bedingungen haben im Spessart mehrere hundert Rettungskräfte den Ernstfall in einem Eisenbahntunnel geprobt: Ein brennender Zug musste gelöscht und zahlreiche Menschen gerettet werden. Nach Angaben der Kreisbrandinspektion Aschaffenburg wusste der Einsatzleiter im Vorfeld nur in groben Zügen, was ihn erwarten würde. Ziel der Übung sei ausdrücklich nicht gewesen, einen perfekten Ablauf zu zeigen, sondern bestehende Alarm- und Einsatzpläne gründlich zu überprüfen, sagte Sprecher Fabien Kriegel.
Für die Helfer war das Szenario eine besondere Herausforderung. Ein doppelstöckiger Zug war in der Mitte des 2,6 Kilometer langen Falkenbergtunnels positioniert worden. Pyrotechniker sorgten zudem für eine so starke Verrauchung, dass im Tunnel praktisch keinerlei Sicht herrschte. Im Inneren des Zuges brannten gasbetriebene Wannen, die die Lage noch realistischer machten und die Rettungs- und Löscharbeiten zusätzlich erschwerten.
Kriegel zufolge war es für viele Einsatzkräfte ungewohnt, in einem Eisenbahntunnel auf einen brennenden Zug mit null Sicht und zahlreichen Verletzten zu treffen. Gerade diese realitätsnahe Lage habe den Wert der Übung ausgemacht.
Positive Bilanz mit weiterem Verbesserungsbedarf
In einer ersten Bilanz fiel das Fazit der Organisatoren positiv aus. Die Alarmierung habe reibungslos funktioniert, außergewöhnliche Verzögerungen habe es nicht gegeben, sagte Kriegel. Insgesamt sprechen die Verantwortlichen von einer erfolgreichen Großübung – verbunden mit einigen „Hausaufgaben“.
Verbesserungsbedarf sehen die Beteiligten vor allem beim Aufbau der Führungsstruktur sowie beim Vorgehen und den Abläufen im Tunnel. Solche Einsätze gelten als besonders komplex. Für einen Tunnelbrand sind drei Trupps fest vorgesehen: ein Erkundungstrupp, ein Trupp zur Brandbekämpfung und ein weiterer für Suche und Rettung.
Gerade das Erkunden und Absuchen des Tunnels erwies sich wegen der fehlenden Sicht und der langen Strecke als schwierig. Im Ernstfall müssen Einsatzkräfte auch Menschen finden, die sich möglicherweise noch selbst in Richtung Ausgang bewegen, dann aber entkräftet zusammenbrechen. Hinzu kommt, dass Ausrüstung und Material nur mit großem Aufwand bis zur Einsatzstelle gebracht werden können.
Monatelange Vorbereitung
An der Katastrophenschutz-Vollübung im Falkenbergtunnel zwischen Laufach und Heigenbrücken im Landkreis Aschaffenburg waren rund 400 Einsatzkräfte und etwa 100 Statisten beteiligt. Mitgewirkt haben unter anderem Feuerwehren, Polizei, Kliniken und die Deutsche Bahn. Viele der Beteiligten engagieren sich ehrenamtlich.
Nach Angaben der Organisatoren wird ein Szenario dieser Größenordnung in Eisenbahntunneln nur etwa alle zehn bis fünfzehn Jahre geprobt. Die Vorbereitung dauerte gut neun Monate. Rund um die Übung kam es zeitweise zu Straßensperrungen.
Vergleich mit ähnlicher Übung in Thüringen
Bereits im August war in Thüringen eine ähnliche Einsatzlage mit mehr als 250 Kräften geübt worden. Dort kam es allerdings zu deutlichen Verzögerungen – unter anderem bei der Übermittlung des Übungsnotrufs und bei der Alarmierung der Feuerwehr.
Im Sandbergtunnel im Ilm-Kreis sollte damals die Rettung von Passagieren aus einem brennenden ICE trainiert werden. Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) erklärte anschließend, die Übung habe Schwachstellen in der Melde- und Alarmierungskette offengelegt, die sehr ernst genommen würden. Kritik gab es auch dort, weil unter anderem Faxgeräte zum Einsatz kamen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber