Bayern

Nach 3 Jahren Stille: Beuerbergs neue Glocken

Nach Jahren der Stille passiert im Pfaffenwinkel etwas fast Unglaubliches – ein seltenes Glocken-Ereignis bewegt den ganzen Ort.

27.09.2026, 13:42 Uhr

Neue Glocken für Beuerberg: Klosterdorf feiert seltenes Ereignis

Für Pfarrer Bernhard Häglsperger ist die Rückkehr des Glockenklangs nach Beuerberg ein Ereignis von außergewöhnlicher Bedeutung. Nach drei Jahren ohne Geläut werden vom Turm der Klosterkirche im Eurasburger Ortsteil künftig wieder Glocken zu hören sein – und zwar neu gegossene. Das komme nur selten vor, sagt der Geistliche. Schließlich könne eine Glocke problemlos 400 bis 500 Jahre im Einsatz bleiben.

In der kleinen Pfarrgemeinde im Pfaffenwinkel war die Vorfreude entsprechend groß. Bereits am Samstag wurden die neuen Glocken mit einem Festzug in den Ort gebracht. Begleitet von Blasmusik und Fahnenträgern fuhren sie auf Pferdegespannen durch Beuerberg. Am Sonntag folgte dann ein feierlicher Gottesdienst mit Glockenweihe durch Kardinal Reinhard Marx, den Erzbischof von München und Freising. Er selbst erklärte, sich kaum erinnern zu können, jemals eine solche Weihe miterlebt zu haben.

Vermisster Klang kehrt zurück

Besonders emotional wurde es, als die Glocken zum ersten Mal angeschlagen wurden. Viele Gläubige verbänden mit ihrem Klang nicht nur Religion, sondern auch Trost und Geborgenheit, schilderte Häglsperger. Das Läuten erinnere daran, dass es etwas Höheres gebe und die Menschen behütet seien.

Doch nicht nur regelmäßige Kirchgänger hätten den Glockenschlag vermisst. Auch aus der übrigen Bevölkerung sei immer wieder die Frage gekommen, wann die Glocken zurückkehren. Ohne ihr Geläut habe schlicht etwas gefehlt, berichtet der Pfarrer. Für viele Menschen sei dieser Klang ein Stück Heimat.

Glockenweihe Klosterkirche Beuerberg
Die neuen Glocken wurden feierlich geweiht. Quelle: Stefan Puchner/dpa

Für den kleinen Ort sind die neuen Glocken ein großes Ereignis.

Die Freude im historischen Klosterdorf ist auch deshalb groß, weil die Entwicklung beinahe anders verlaufen wäre. Im Jahr 2023 waren an der größten Glocke zwei Bolzen gebrochen. Zunächst schien die Lage vor Ort nicht dramatisch. Ein Fachmann stellte jedoch fest, dass die 4,4 Tonnen schwere Glocke jederzeit hätte abstürzen können – mit akuter Gefahr für Menschen.

Zudem war schon damals klar, dass der Turm von St. Peter und Paul das Gesamtgewicht des bisherigen Geläuts auf Dauer nicht mehr tragen konnte. Die alten Glocken wogen zusammen 9,6 Tonnen und waren damit deutlich zu schwer. Sie stammten aus der Nachkriegszeit und waren damals als Ersatz aus Gussstahl gefertigt worden, nachdem die ursprünglichen Bronzeglocken abgegeben werden mussten. Weil ihr Klang als besonders gelungen galt, blieben sie in Beuerberg länger erhalten als an vielen anderen Orten.

Neues Geläut deutlich leichter

Die vier neuen Glocken bringen zusammen nur noch 5,1 Tonnen auf die Waage. Im Oktober sollen sie in den Turm gehoben werden, damit dieser noch vor dem Winter wieder verschlossen werden kann.

Die Kosten des Projekts belaufen sich auf insgesamt 815.000 Euro. Den größten Teil davon übernimmt der Freistaat Bayern, dem die Kirche infolge der Säkularisierung gehört.

Noch offen ist, was mit den alten Glocken geschieht. Nach den Worten Häglspergers wäre es ideal, wenn sie andernorts weiterverwendet werden könnten – etwa in Kirchen in Osteuropa. Denn grundsätzlich seien die Glocken selbst weiterhin in gutem Zustand.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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