Behörden proben Luftmessungen für den Fall eines Atomunfalls
Mit Strahlenmessungen aus der Luft bereiten sich die zuständigen Stellen auf mögliche nukleare Zwischenfälle vor. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) erklärte, dass Deutschland zwar keine laufenden Kernkraftwerke mehr habe, Vorsorge für einen Ernstfall aber weiterhin notwendig sei. Dabei gehe es auch um denkbare Unfälle in ausländischen Atomanlagen, denn radioaktive Belastung kenne keine Landesgrenzen.
Deshalb laufen derzeit gemeinsam mit der Bundespolizei Übungsflüge in Schwaben. Nach Angaben des BfS sind die Hubschrauber noch bis Donnerstag südlich von Augsburg im Raum Mindelheim, Schwabmünchen und am Forggensee unterwegs.
Die Einsätze starten vom Fliegerhorst Kaufbeuren. Die Helikopter überfliegen die Testareale in rund 90 Metern Höhe. Insgesamt sollen auf diese Weise fast 600 Quadratkilometer erfasst werden.
Bereits im April hatte es ähnliche grenzüberschreitende Übungen mit der französischen Strahlenschutzbehörde im Schwarzwald und im Elsass gegeben. Anders als Deutschland setzt Frankreich weiterhin auf zahlreiche Kernreaktoren zur kommerziellen Stromerzeugung.
Messsysteme in München und Berlin einsatzbereit
Für den Ernstfall hält das Bundesamt in Berlin und München spezielle, luftgestützte Messsysteme bereit. Diese können bei Bedarf an Hubschraubern der Bundespolizei oder des Katastrophenschutzes eingesetzt werden, um Strahlenquellen schnell aufzuspüren.
Die aktuellen Trainingsflüge sollen genau einen solchen Notfall nachstellen. Nach BfS-Angaben ist es beim Austritt radioaktiver Stoffe entscheidend, rasch ein möglichst genaues Lagebild zu bekommen, um die Bevölkerung wirksam zu schützen. Messungen aus der Luft könnten dazu wesentlich beitragen. Demnach lassen sich innerhalb von drei Stunden etwa 100 Quadratkilometer untersuchen.

Welche Reichweite radioaktive Freisetzungen haben können, zeigte die Katastrophe von Tschernobyl 1986. Über rund zehn Tage hinweg traten aus dem zerstörten Reaktor große Mengen radioaktiver Stoffe aus. Mehrere radioaktive Wolken zogen über Europa, auch in Deutschland wurden Belastungen registriert und möglicherweise kontaminierte Lebensmittel vernichtet.
Nach Angaben des Bundesamts sind in manchen Regionen bis heute noch Waldpilze oder Wildschweine belastet. Das derzeitige Übungsgebiet südwestlich von Augsburg zählt demnach zu den in Deutschland besonders stark von den Folgen des Unglücks betroffenen Gegenden. Die Fachleute rechnen daher damit, bei den Messflügen neben natürlicher Strahlung aus dem Boden auch Cäsium-137 nachzuweisen, das auf den Reaktorunfall zurückgeht.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber