Fußball

Paukenschlag: FC Ingolstadt trennt sich von Wittmann

Historisch, dann das Aus: Pionierin Sabrina Wittmann muss in Ingolstadt trotz Fußball-Rekord überraschend gehen.

24.09.2026, 10:19 Uhr

FC Ingolstadt trennt sich von Sabrina Wittmann

Der FC Ingolstadt hat Cheftrainerin Sabrina Wittmann freigestellt. Die 35-Jährige hatte im Mai 2024 als erste Frau überhaupt ein Profiteam im Männerfußball in Deutschland übernommen und damit Fußballgeschichte geschrieben. Nach 101 Pflichtspielen an der Seitenlinie der Schanzer ist ihre Zeit in Oberbayern nun beendet.

Ausschlaggebend für die Trennung war der schwache Start in die neue Saison der 3. Liga. Nach sieben Spieltagen stehen für Ingolstadt nur acht Punkte zu Buche, zuletzt verlor das Team drei der vergangenen vier Ligaspiele und fiel auf Rang 13 zurück. Damit gibt es auf den insgesamt 56 Trainerbänken in Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga vorerst wieder ausschließlich Männer.

Auch das mühsame 2:1 im Landespokal beim Regionalligisten TSV Landsberg am Mittwochabend konnte die Entwicklung nicht mehr überdecken. Zwar zog Ingolstadt damit in die nächste Runde ein, doch schon am folgenden Morgen wurde Wittmann über die Trennung informiert. Wer die Mannschaft künftig betreuen wird, will der Club zeitnah bekanntgeben.

Wittmann: Vertrauen nicht mehr vorhanden

In einer Mitteilung des Vereins machte Wittmann keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung. Sie hätte die Arbeit mit der Mannschaft sehr gerne fortgesetzt und den Weg mit einer Gruppe voller außergewöhnlicher Charaktere weitergehen wollen. Letztlich habe jedoch das nötige Vertrauen gefehlt, weshalb sich der Club für eine andere Lösung entschieden habe.

Geschäftsführer Harald Gärtner begründete den Schritt mit einer intensiven Analyse der sportlichen Entwicklung über die laufende und vergangene Saison hinweg sowie mit den bisherigen Ergebnissen in der 3. Liga. Aus Sicht des FCI sei eine sportliche Neuausrichtung notwendig. Zugleich betonte Gärtner, dass die Entscheidung auf menschlicher und persönlicher Ebene sehr schwergefallen sei.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass Wittmann nach Einschätzung des Umfelds in dieser Saison über den wohl stärksten Kader ihrer Zeit in Ingolstadt verfügte. Dennoch blieb die Mannschaft hinter den Erwartungen zurück.

Fast anderthalb Jahrzehnte beim FCI

Wittmann war dem Verein lange eng verbunden. Bereits 2012 begann sie beim FC Ingolstadt als Trainerin der U15-Mädchen, später betreute sie verschiedene Juniorenteams. Zudem spielte sie selbst für den Club. Als im Mai 2024 Michael Köllner gehen musste, übernahm sie zunächst interimsweise die Profis und wurde wenig später dauerhaft zur Cheftrainerin befördert.

Anfang 2026 erhielt sie die DFB-Pro-Lizenz, im März dieses Jahres war ihr Vertrag sogar noch verlängert worden. Umso emotionaler fällt nun der Abschied aus. Ingolstadt sei für sie weit mehr als nur irgendein Verein gewesen, erklärte Wittmann. Dort habe sie sich zu Hause gefühlt, sei fußballerisch groß geworden und habe viele besondere Erinnerungen gesammelt. Der Verein und die Menschen dort seien ihr sehr ans Herz gewachsen.

Große Belastung durch die Pionierrolle

Mit ihrer Beförderung im Jahr 2024 rückte Wittmann bundesweit in den Fokus. Sie galt als Vorreiterin für Frauen im Fußball und trug diese besondere Rolle mit Stolz. Gleichzeitig sprach sie zuletzt offen über den enormen Druck, der damit verbunden war.

In einem Podcast beschrieb sie diese Verantwortung als einen schweren Rucksack, der sie stärker belastet habe, als sie anfangs gedacht hatte. Vor allem habe sie vermeiden wollen, als erste Frau in einer solchen Position schon nach kurzer Zeit wieder entlassen zu werden. Am Ende hielt sie sich mehr als zwei Jahre als Cheftrainerin der Profis, bevor nun die Trennung erfolgte.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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