Der Bund Naturschutz (BN) hat sich mit einer Beschwerde an die Europäische Kommission gewandt, um gegen das geplante Gipsbergwerk des Baustoffkonzerns Knauf in Unterfranken vorzugehen. Nach Auffassung des Verbands wurde für das Vorhaben keine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt, obwohl der Abbau in einem Trinkwasserschutzgebiet der Stadt Würzburg vorgesehen ist. Der BN sieht deshalb die regionale Trinkwasserversorgung in Gefahr.
Nach Angaben des BN sollen für den Gipsabbau Bohrungen und Sprengungen eingesetzt werden. Gerade die Sprengungen könnten nach Einschätzung des Verbands dazu führen, dass Grundwasser in das Bergwerk eindringt. In der Folge könnte die Versorgung Würzburgs und weiterer betroffener Kommunen mit ausreichend Trinkwasser beeinträchtigt werden.
Kritik an fehlender Umweltprüfung
Trotz dieser Risiken sei keine Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgt. Hintergrund sei, dass das angewandte Baurecht eine solche Prüfung nur dann verlange, wenn die oberirdischen Anlagen mehr als zehn Hektar Fläche beanspruchen. Die unterirdische Ausdehnung des geplanten Bergwerks mit rund 700 Hektar bleibe dabei außen vor, kritisiert die Rechtsanwältin Ursula Philipp-Gerlach. Dadurch würden mögliche Folgen für den Wasserhaushalt nicht ausreichend berücksichtigt, was aus ihrer Sicht gegen die europäische UVP-Richtlinie verstößt.
Entscheidung liegt beim Bergamt Nordbayern
Über den Antrag von Knauf auf Genehmigung des Bergwerks muss das Bergamt Nordbayern entscheiden. Das Unternehmen plant, etwa im Jahr 2027 mit dem Abbau zu beginnen. Das Bergwerk soll sich über eine Fläche von rund 7,1 Quadratkilometern erstrecken. Knauf geht von Gipsvorkommen in Höhe von etwa 100 Millionen Tonnen aus, davon seien rund 48 Millionen Tonnen wirtschaftlich abbaubar.
Verfahren läuft seit 2017
Der erste Antrag für das Bergwerk wurde bereits im Dezember 2017 eingereicht. Seitdem fanden zahlreiche Untersuchungen statt, unter anderem zu den Themen Grundwasserschutz, Naturschutz, Staubbelastung und Verkehr. Im November 2024 reichte Knauf schließlich einen überarbeiteten Antrag bei der zuständigen Behörde ein.
Das geplante Abbaugebiet liegt in einer Region, aus der unter anderem die Stadt Würzburg ihr Trinkwasser bezieht. Knauf betont jedoch, dass das Vorhaben die Wasserversorgung nicht gefährden werde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion