Bayern

Fronleichnam: Warum die Krise dem Glanz nichts anhat

Krise, Reformstau, leere Reihen? An Fronleichnam wirkt das plötzlich weit weg – dann zeigt die katholische Kirche barocke Pracht.

02.06.2026, 04:15 Uhr

Fronleichnam in Bayern: Festliche Prozessionen trotz schwieriger Zeiten

Mit Weihrauch, Ministrantinnen und Ministranten, Heiligenfiguren, Fahnen und reichlich Blumenschmuck begeht die katholische Kirche am kommenden Donnerstag, dem 4. Juni, das Fronleichnamsfest. Die Prozessionen sollen besonders feierlich ausfallen und an die barocke Pracht vergangener Jahrhunderte anknüpfen.

Dabei steht die Kirche derzeit vor großen Herausforderungen: sinkende Mitgliederzahlen, Diskussionen über Reformen und fehlendes Personal. Dennoch üben Liturgie, Rituale und festliche Inszenierungen nach wie vor eine starke Anziehungskraft aus. In Bayern ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag.

Tradition seit dem Mittelalter

An Fronleichnam ziehen Katholikinnen und Katholiken bewusst aus den Kirchen hinaus auf die Straßen. Mittelpunkt der Prozession ist die Monstranz, ein kostbares liturgisches Gefäß, in dem eine Hostie gezeigt wird. Offiziell heißt das Fest „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ und wird bereits seit dem 13. Jahrhundert gefeiert. Papst Urban IV. erhob Fronleichnam im Jahr 1264 zum offiziellen Fest. Die erste Prozession im heutigen Bayern soll 1286 in Benediktbeuern stattgefunden haben.

Auch in Bamberg hat die Feier eine jahrhundertealte Geschichte: Dort reicht die Tradition der Fronleichnamsprozession bis ins Jahr 1390 zurück. Mitgeführt wird unter anderem das Domkreuz, ein reich geschmücktes Reliquienkreuz mit einem Gewicht von rund 600 Kilogramm. Allein dafür werden 18 Träger benötigt. Hinzu kommen weitere Figuren und Statuen.

Fronleichnam in Bayern
Die Prozession durch Bamberg wird von vielen Zuschauern begleitet. (Archivbild) Quelle: Daniel Vogl/dpa

Nürnberg: Katholischer Gottesdienst in evangelischer Kirche

In München führt die Fronleichnamsprozession traditionell durch die Innenstadt. Zuvor feiert der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, einen Gottesdienst auf dem Marienplatz.

In Nürnberg beginnt der Feiertag erneut mit einer Besonderheit: Die evangelische Kirche St. Sebald stellt ihre Räume den katholischen Gemeinden der Innenstadt zur Verfügung. Dort wird Stadtdekan Andreas Lurz den Gottesdienst leiten. Anschließend zieht die Prozession zur katholischen Frauenkirche, wie die Stadtkirche mitteilte.

Seit der Einführung der Reformation im Jahr 1525 war Nürnberg über lange Zeit stark protestantisch geprägt. Heute gehört jedoch mehr als die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner keiner der beiden großen christlichen Kirchen mehr an. Dennoch leben in der Stadt weiterhin etwas mehr Protestanten als Katholiken.

Für München teilte die Stadt mit, dass zum 31. Dezember 2025 rund 22,8 Prozent der Bevölkerung katholisch und 8,3 Prozent evangelisch waren.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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