Bayern

Erst Drohungen, dann Schmiereien am Freitagsgebet

Neues Schild in Penzberg sorgt für Ärger: Neben Kirche wird jetzt auch aufs muslimische Freitagsgebet hingewiesen.

27.07.2026, 09:10 Uhr

Nach der Beschädigung eines Hinweisschilds zum Freitagsgebet der islamischen Gemeinde in Penzberg hat Imam Benjamin Idriz auf frühere Anfeindungen und Drohungen hingewiesen. Nach seinen Angaben gab es im Vorfeld zahlreiche hasserfüllte Reaktionen, darunter auch Aussagen, wonach das muslimische Schild bald »Geschichte« sein werde. Deshalb liege der Verdacht nahe, dass die Tat gezielt aus Ablehnung gegen das Schild verübt wurde. Ob sich das bestätigt, sollen nun die Ermittlungen zeigen.

Neues Schild weist auf Freitagsgebet hin

Die oberbayerische Stadt hatte vor Kurzem an einer Zufahrtsstraße ein Schild aufstellen lassen, das auf das Freitagsgebet der islamischen Gemeinde aufmerksam macht. Zuvor gab es dort nur Hinweise auf die Gottesdienste der katholischen und evangelischen Gemeinden.

Polizei ermittelt wegen Sachbeschädigung

Nach Angaben der Polizei wurde das Schild in der Nacht von Freitag auf Samstag von einem oder mehreren bislang unbekannten Tätern mit schwarzer Farbe besprüht. Die Beamten ermitteln wegen Sachbeschädigung. Bis Montagvormittag waren laut einem Polizeisprecher noch keine Zeugenhinweise eingegangen.

Laut Idriz wurde die Schmiererei von einem Gemeindemitglied entdeckt. Schon vor der Aufstellung des Schilds habe es massive Proteste gegen das Vorhaben gegeben. Allein über die Facebook-Kanäle der Gemeinde seien inzwischen mehr als 10.000 Kommentare veröffentlicht worden, darunter viele Hassbotschaften.

Symbol für Gleichbehandlung und Religionsfreiheit

Nach Einschätzung des Imams ist das Projekt in dieser Form bundesweit einmalig. Für die Gemeinde sei das Schild nicht nur ein Wegweiser zum Freitagsgebet. Es stehe auch für Religionsfreiheit, die Gleichbehandlung verschiedener Glaubensgemeinschaften, Offenheit und dafür, dass muslimisches Leben selbstverständlich zur Gesellschaft dazugehöre.

Weil sich die schwarze Farbe nach Polizeiangaben nicht rückstandslos entfernen ließ, wurde das Schild inzwischen ausgetauscht. Wie hoch der Schaden ist, steht bislang noch nicht fest.

Weitere Standorte in Penzberg geplant

Mehrere Medien hatten bereits über den Vorfall berichtet. Nach Angaben der Stadt sollen ähnliche Schilder künftig an mehreren Stellen in Penzberg angebracht werden.

Die Glaubensgemeinschaft im Landkreis Weilheim-Schongau zählt zu den bekanntesten islamischen Gemeinden in Bayern. Im Jahr 2019 war auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dort zu Besuch.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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