Bayern

Drei Nachbarn tot: Jetzt beginnt der Mord-Prozess

Schockprozess in Zwiesel: Aus sexueller Lust soll ein Mann drei Menschen getötet haben. Jetzt beginnt der Mordprozess.

01.10.2026, 03:30 Uhr

Prozessauftakt mit emotionalen Szenen

Vor dem Landgericht Deggendorf hat der Prozess gegen einen 39-Jährigen begonnen, dem die Staatsanwaltschaft drei Morde im Bayerischen Wald vorwirft. Angehörige der Opfer verfolgten das Verlesen der Anklage tief erschüttert, teils unter Tränen. Nach Überzeugung der Anklage soll der Mann zwei Nachbarinnen im Alter von 22 und 26 Jahren aus sexuellen Motiven getötet haben. Den 56-jährigen Partner einer der Frauen soll er anschließend ermordet haben, um die Taten zu verdecken.

Der Angeklagte, ein slowakischer Staatsangehöriger, betrat den Gerichtssaal mit Baseballkappe und hielt sich eine Mappe vors Gesicht. Zum Auftakt äußerte er sich nicht zu den Vorwürfen.

Verteidigung kündigt spätere Einlassung an

Sein Verteidiger kündigte jedoch an, dass es im weiteren Verfahren noch eine Einlassung geben solle. Der 39-Jährige sitze seit 15 Monaten in Untersuchungshaft und sei in dieser Zeit erstmals seit Langem drogenfrei gewesen. Dadurch sei ihm nach Angaben seines Anwalts klar geworden, was er Furchtbares getan habe oder getan haben könnte.

Der Verteidiger sagte zudem, die Vorwürfe hätten auch seinen Mandanten schwer getroffen. Dieser habe depressive Episoden entwickelt und sei in der Justizvollzugsanstalt medikamentös behandelt worden, um überhaupt schlafen zu können.

Anklage beschreibt zwei Taten im Abstand von gut zwei Wochen

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft lud der Mann im Juni 2025 zunächst seine 26 Jahre alte Nachbarin in seine Wohnung ein, nachdem sie sich mit ihrem Freund gestritten hatte. Beide sollen gemeinsam Alkohol, Drogen und Medikamente konsumiert haben. Als die Frau auf dem Sofa eingeschlafen sei, habe der Angeklagte sie laut Anklage zur sexuellen Erregung angegriffen, gewürgt und mit einem Kabel erdrosselt.

Einige Tage später habe er wegen des Leichengeruchs begonnen, die Tote zu zerteilen. Der Oberkörper sei in Folie verpackt im Kühlschrank gefunden worden, ein Arm im Gefrierfach. Die Beine soll er in einer Sporttasche in einem Wald abgelegt haben.

Gut zwei Wochen später soll es zur zweiten Tat gekommen sein. Auslöser war den Ermittlungen zufolge ein Schmorbrand in der Wohnung einer 22-jährigen Nachbarin. Der Angeklagte habe ihr Hilfe angeboten und sie zu sich gebeten. Dort soll er sie aus sexueller Motivation mit einer Bierflasche und einem Hammer attackiert, ihr zahlreiche Brüche zugefügt und den Kopf mit Frischhaltefolie umwickelt haben.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Frau in einem mindestens 20 Minuten dauernden Todeskampf schwerste Qualen erlitt und noch versucht habe, Schläge mit den Händen abzuwehren. Auf ihre Hilferufe soll der Angeklagte laut Anklage mit den Worten reagiert haben: „Jetzt halt doch mal dein Maul“.

Dritter Mord laut Anklage zur Verdeckung der Taten

Anschließend soll der Mann den Leichnam so positioniert haben, dass er Geschlechtsverkehr damit haben konnte. In diesem Moment sei der 56 Jahre alte Partner der Frau nach Hause gekommen, habe an die Tür geklopft und nach ihr gerufen. Um die Tötung der beiden Frauen zu verdecken, soll der Angeklagte dann in die Nachbarwohnung gegangen sein und den Mann mit zahlreichen Hammerschlägen getötet haben.

Später stellte sich der Beschuldigte nach Justizangaben in Österreich selbst der Polizei.

Staatsanwaltschaft sieht mehrere Mordmerkmale

Die Anklage geht in allen drei Fällen von Heimtücke aus. Bei den beiden getöteten Frauen kommt aus Sicht der Staatsanwaltschaft außerdem das Mordmerkmal der Tötung zur Befriedigung des Sexualtriebs hinzu. Im zweiten und dritten Fall sieht sie zudem Grausamkeit, beim getöteten Mann zusätzlich eine Verdeckungstat.

An dem Verfahren beteiligen sich auch Angehörige der Opfer als Nebenkläger.

Angehörige schildern belastende Eindrücke

Für die Familien war der Prozessauftakt kaum zu ertragen. Mehrere Angehörige sagten aus, ihnen sei die Situation in dem Mehrfamilienhaus schon vor den Taten seltsam vorgekommen. Sie berichteten unter anderem von verdunkelten Fenstern und einem heruntergekommenen Zustand des Hauses.

Der Vater der 22-Jährigen erklärte, er komme mit dem Geschehen bis heute nicht zurecht und arbeite sieben Tage die Woche, um sich abzulenken. Seine Tochter habe ihm einmal erzählt, dass ihr der Nachbar unheimlich vorkomme. Ihr Drogenproblem habe sie mit einer Therapie in den Griff bekommen wollen. Einen Tag vor der Tat habe er sie zuletzt gesehen, als er sie nach einem Termin bei ihrer Psychologin abgeholt habe. Da sei sie gut gelaunt gewesen.

Die Mutter der jungen Frau sagte unter Tränen, sie sei am Tatabend noch mit ihrer Tochter unterwegs gewesen. Später habe diese ihr ein Foto geschickt, auf dem sie beim Kochen zu sehen gewesen sei. Sie selbst sei eingeschlafen und habe erst später geantwortet — ohne noch eine Rückmeldung zu bekommen. Bis heute frage sie sich, ob jemand im Haus auf die Hilferufe ihrer Tochter hätte reagieren und die Tat vielleicht verhindern können.

Auch die Mutter des getöteten 56-Jährigen berichtete, sie sei nur ungern in das Haus gegangen. Dennoch habe sie ihrem Sohn, der Drogenprobleme gehabt habe, zeigen wollen, dass sie zu ihm stehe. Anfangs habe ihr Sohn noch lockeren Kontakt zum Angeklagten gehabt und ihm sogar beim Einzug geholfen. Später habe es aber so gewirkt, als habe er Angst vor ihm entwickelt.

Urteil wohl im November

Für das Verfahren sind noch neun weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte nach derzeitiger Planung am 19. November fallen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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