Bayern

Dammbruch-Katastrophe: Kommt jetzt endlich die Wahrheit?

TÜV Süd gab grünes Licht für einen Damm in Brasilien – Monate später starben 270 Menschen. Trifft deutsche Prüfer Schuld?

07.05.2026, 13:20 Uhr

Ermittlungen zur Dammkatastrophe von Brumadinho sollen in wenigen Monaten enden

Knapp acht Jahre nach dem verheerenden Dammbruch im brasilianischen Brumadinho mit mindestens 270 Toten will die Münchner Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen in wenigen Monaten abschließen. Nach Angaben einer Sprecherin ist das Verfahren bereits sehr weit fortgeschritten; ein Abschluss werde voraussichtlich Ende dieses Jahres oder Anfang des kommenden Jahres erwartet. Zuvor hatten NDR, WDR und die „Süddeutsche Zeitung“ darüber berichtet.

Verfahren in München läuft seit Oktober 2019

Der Damm der Eisenerzmine Córrego do Feijão war am 25. Januar 2019 gebrochen. In der Folge wälzte sich eine gewaltige Schlammlawine über Teile des Bergwerks sowie angrenzende Siedlungen. Besonders brisant: Eine brasilianische Tochtergesellschaft des in München ansässigen TÜV Süd hatte die Anlage rund ein halbes Jahr zuvor überprüft und als sicher eingestuft.

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt in dem Fall seit Oktober 2019, ob auch Beschäftigte der deutschen Konzernzentrale strafrechtlich verantwortlich sein könnten. Auslöser waren Strafanzeigen von Angehörigen bei der bayerischen Behörde. Die absolute Verjährung würde nach Angaben der Ermittler im Jahr 2029 eintreten. Der TÜV Süd weist die Vorwürfe seit Jahren zurück und betont, für den Einsturz des Damms rechtlich nicht verantwortlich zu sein.

Auch in Brasilien zieht sich die juristische Aufarbeitung hin

Nicht nur in Deutschland dauert die Aufklärung an. Auch in Brasilien sind die Strafverfahren noch nicht abgeschlossen. Dort wird gegen 15 Mitarbeiter des Bergbauunternehmens Vale sowie der brasilianischen TÜV-Gesellschaft ermittelt.

Laut lokalen Medien begann der Prozess vor einem Bundesgericht in Belo Horizonte im Februar. Noch in diesem Jahr sollen dort mehr als 140 Zeugen angehört werden. Mit Aussagen der Angeklagten wird demnach erst im kommenden Jahr gerechnet.

Hoher Aufwand bei der Beweisbeschaffung

Die Münchner Staatsanwaltschaft erklärte, das Verfahren habe von Beginn an hohe Priorität gehabt. Zugleich handle es sich um ein besonders umfangreiches und komplexes Ermittlungsverfahren. Ein Großteil der entscheidenden Beweismittel befinde sich in Brasilien und habe erst über langwierige Rechtshilfeersuchen von den dortigen Behörden beschafft werden müssen.

Neben dem Strafverfahren läuft in München außerdem ein Zivilprozess. Darin verlangen Angehörige der Todesopfer Schadenersatz vom TÜV Süd.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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