Trotz Brenner-Vollsperre: Auf Südbayerns Straßen bleibt es erstaunlich leer
Die befürchteten Mega-Staus im Süden Bayerns sind am zweiten Pfingstferien-Wochenende ausgeblieben. Obwohl der Brennerpass wegen einer Protestaktion gegen die Verkehrsbelastung komplett für den Transitverkehr gesperrt wurde, lief der Verkehr auf den Autobahnen südlich von München nahezu ohne größere Behinderungen.
Nach Einschätzung von ADAC und Polizei haben viele Autofahrer ihre Reise in Richtung Süden verschoben oder ganz abgesagt. Der ADAC Südbayern sprach von deutlich weniger Verkehr als an vergleichbaren Ferientagen bei bestem Wetter. Auch die Polizei in Oberbayern meldete eine ungewöhnlich entspannte Lage auf Autobahnen und Landstraßen.
Warnungen offenbar wirksam
Behörden, Polizei und ADAC hatten im Vorfeld dringend geraten, Tirol während der Sperre weiträumig zu umfahren oder Reisen dorthin möglichst gar nicht erst anzutreten. Ziel war es, ein Verkehrschaos am ohnehin stauanfälligen zweiten Pfingstwochenende zu verhindern.
Offenbar zeigten diese Warnungen Wirkung. Selbst die Einsatzkräfte zeigten sich überrascht, wie konsequent sich Reisende daran hielten. Nach Angaben der Polizei konnte so ein mögliches Worst-Case-Szenario mit stundenlangen Wartezeiten bei großer Hitze verhindert werden – etwa für Familien mit Kindern, ältere Menschen oder Tiere im Auto.
So wenig Verkehr wie sonst kaum an Ferienwochenenden
Nicht nur der Fernreiseverkehr blieb aus. Auch der sonst bei sonnigem Wetter übliche Ausflugsverkehr rund um München sorgte kaum für dichte Kolonnen. Laut Polizei erinnerte die Lage zeitweise an die Corona-Jahre, als die Straßen ähnlich leer waren.
Nach Angaben der Autobahn GmbH lag das Verkehrsaufkommen im gesamten südbayerischen Autobahnnetz mindestens 30 Prozent unter dem eines normalen Samstags. Auch auf Ausweichrouten über die Alpen, etwa in Richtung Tauernautobahn, blieb der Verkehr ungewöhnlich schwach.
Tirol weist Transit-Lkw an der Grenze zurück
Anders war die Situation für Lastwagen im Transitverkehr: Auf der A93 Richtung Tirol mussten Lkw an der Grenze bei Kufstein umkehren. Die Tiroler Polizei kontrollierte seit dem Morgen Fahrzeuge aus Deutschland und wies jene zurück, die Tirol nur als Durchfahrtsstrecke nutzen wollten.
Während der Sperre dürfen Transit-Lkw an bestimmten Tagen nicht nach Tirol einreisen. Damit soll verhindert werden, dass sich auf den Zufahrtsstrecken kilometerlange Staus bilden. Nach Informationen des ADAC kam es vereinzelt zu Diskussionen mit Fahrern, die meisten hätten die Maßnahme aber ruhig aufgenommen.
Großeinsatz von Polizei und Hilfsdiensten
Wegen der angekündigten Vollsperrung hatten sich Polizei, Landratsämter, Rettungsdienste und die Autobahn GmbH umfassend vorbereitet. Der ADAC Südbayern schickte eigene Stauberater los, darunter drei Helfer auf Motorrädern, ein Koordinationsfahrzeug und ein Beobachtungsflugzeug. Für den Notfall führten sie Wasser und Spielsachen für Kinder mit.
Zum Einsatz kamen die Helfer letztlich nur bei einem Stau in Richtung München, der durch einen Unfall ausgelöst wurde und nichts mit der Brenner-Sperre zu tun hatte.
Auch die Polizei erhöhte ihre Präsenz massiv. Nach eigenen Angaben handelte es sich um den größten Verkehrseinsatz in der knapp 20-jährigen Geschichte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Rund 300 Beamte waren dort im Einsatz.
BRK und Katastrophenschutz in Bereitschaft
Neben der Polizei stockten auch Feuerwehren, THW, Landratsämter und das Bayerische Rote Kreuz ihr Personal auf. Das BRK rief vorsorglich Alarmstufe 1 von 3 aus. Die Kreisverbände in Rosenheim, Traunstein und Miesbach bereiteten sich auf unterschiedliche Szenarien vor – nicht nur im Bereich der Notfallrettung.
Denn bei massiven Rückstaus könnten auch Dienste ohne Blaulicht beeinträchtigt werden, etwa Hausnotruf, Essen auf Rädern oder die ambulante Pflege. Zudem waren Helfer darauf eingestellt, festsitzende Reisende bei Hitze mit Wasser zu versorgen.
Das Landratsamt Rosenheim aktivierte vorsorglich einen besonderen Katastrophenschutzplan für die Autobahn. Eine Koordinierungsgruppe im Lagezentrum beobachtete die Entwicklung fortlaufend.
Acht Stunden Sperre am Brenner
Die Vollsperrung des Brennerpasses für den Transitverkehr begann um 11 Uhr. Auf österreichischer Seite gilt sie bis 19 Uhr, auf italienischer bis 20 Uhr – also insgesamt bis zu acht Stunden. Betroffen sind nicht nur die Autobahn, sondern auch sämtliche Nebenstrecken.
Hintergrund ist eine Protestaktion auf der Brennerautobahn. Anwohner demonstrieren dort gegen die aus ihrer Sicht übermäßige Verkehrsbelastung.
Nach Angaben des Autobahnbetreibers Asfinag nutzten 2025 fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen die mautpflichtige Brennerautobahn. Damit bleibt sie die wichtigste und am stärksten befahrene Nord-Süd-Verbindung über die Alpen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion