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AOK Bayern: Weniger Demenz-Risiko – trotzdem mehr Kranke

Schlüssel weg, auf vertrauten Wegen verirrt, Gespräche vergessen? Wann Warnzeichen auf Demenz hindeuten – und was neue Zahlen verraten.

16.08.2026, 05:00 Uhr

AOK-Daten: Individuelles Demenzrisiko in Bayern sinkt, Zahl der Betroffenen steigt dennoch

In Bayern nimmt das persönliche Risiko, an Demenz zu erkranken, nach Angaben der AOK Bayern ab. Gleichzeitig wächst jedoch die Zahl der Menschen, die altersbedingt zur besonders gefährdeten Gruppe gehören. Grund dafür sind die steigende Lebenserwartung und die geburtenstarken Jahrgänge, die inzwischen ein hohes Alter erreichen, sagte Andreas Nagel von der AOK Bayern in München.

Aus den Versichertendaten der Krankenkasse, die auf die Bevölkerung im Freistaat hochgerechnet wurden, geht hervor: Der Anteil der Menschen mit Demenz sank von 3,8 Prozent im Jahr 2015 auf 3,2 Prozent im Jahr 2024. Das entspricht einem Rückgang um fast 16 Prozent. Zugleich zeigt sich deutlich, dass das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter stark ansteigt.

Bei den 65- bis 74-Jährigen waren zuletzt 1,5 Prozent der Frauen an Demenz erkrankt, 2015 lag dieser Wert noch bei 2,4 Prozent. Bei Männern dieser Altersgruppe sank der Anteil von 2,8 auf 1,8 Prozent. Unter den über 75-Jährigen waren 13,3 Prozent der Frauen betroffen, gegenüber 16,3 Prozent im Vergleichszeitraum. Bei den Männern dieser Altersgruppe fiel der Anteil von 13,0 auf 11,5 Prozent. Dass hochbetagte Frauen häufiger betroffen sind, hängt laut AOK vor allem mit ihrer höheren Lebenserwartung zusammen.

Bis 2040 deutlich mehr Erkrankte erwartet

Nach Angaben von Gesundheitsministerin Judith Gerlach leben schon heute mehr als 270.000 Menschen mit Demenz in Bayern. Bis 2030 rechnen Fachleute mit rund 300.000 Betroffenen, bis 2040 sogar mit etwa 380.000. Darauf müsse sich die Gesellschaft einstellen, betonte die Ministerin.

Demenz
Die zunehmende Zahl der Demenzerkrankten stellt Angehörige wie Gesellschaft vor Herausforderungen. (Symbolbild) Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Demenz ist dabei keine einzelne Krankheit im engeren Sinn, sondern ein Symptommuster mit unterschiedlichen Ursachen. Am häufigsten steckt die Alzheimer-Erkrankung dahinter. Typisch ist, dass geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Orientierung oder Denkvermögen im Vergleich zum früheren Zustand nachlassen.

Demenzwoche in Bayern im September

Welche Folgen die Erkrankung für Betroffene, Angehörige und das soziale Umfeld hat, soll bei der Bayerischen Demenzwoche vom 18. bis 27. September thematisiert werden. Ziel sei es, für das Thema zu sensibilisieren, Vorurteile abzubauen und Hilfsangebote sichtbar zu machen, erklärte Gerlach.

Im vergangenen Jahr wurden dazu rund 1.700 Veranstaltungen organisiert. Für dieses Jahr liegen bereits etwa 1.900 Anmeldungen vor. Geplant sind unter anderem Informationsangebote, kulturelle Veranstaltungen, Workshops, Mitmachaktionen, Tage der offenen Tür und demenzsensible Gottesdienste.

Vorbeugung beginnt im Alltag

Nach Einschätzung der AOK gehört Demenz angesichts der alternden Bevölkerung zu den großen gesundheitspolitischen Herausforderungen. Umso wichtiger sei es, frühzeitig auf die eigene Gesundheit zu achten. Regelmäßige Bewegung, die Kontrolle von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, soziale Kontakte und geistige Aktivität können helfen, gesunde Lebensjahre zu gewinnen. Schon kleine, aber konsequente Veränderungen im Alltag könnten dabei viel bewirken.

Bestimmte Erkrankungen gelten als mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden. Dazu zählen laut AOK Depressionen, Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Adipositas, koronare Herzkrankheit und Herzinsuffizienz.

Mehrere Risikofaktoren nehmen zu

Die AOK hat deshalb auch die Entwicklung dieser Erkrankungen zwischen 2015 und 2024 untersucht. Das Ergebnis: Mit Ausnahme der koronaren Herzkrankheit und der Herzinsuffizienz nahm der Anteil der Betroffenen in Bayern bei allen erfassten Krankheitsbildern zu.

Den stärksten Anstieg gab es bei Adipositas mit einem Plus von 9,3 Prozent. Inzwischen ist etwa jeder zehnte Mensch im Freistaat stark übergewichtig. Am häufigsten verbreitet ist jedoch Bluthochdruck: Rund 30 Prozent der Bevölkerung in Bayern waren zuletzt davon betroffen, ein Zuwachs von 4,8 Prozent. Es folgen Depressionen mit knapp 13 Prozent plus 5,2 Prozent sowie Typ-2-Diabetes mit 11 Prozent plus 6,4 Prozent.

Für die Untersuchung wertete die AOK die Abrechnungsdaten von 4,6 Millionen Versicherten in Bayern aus und übertrug die Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung. Aufgrund der großen Datenbasis gelten die im „Gesundheitsatlas PRO“ zusammengefassten und bis auf Landkreisebene ausgewerteten Zahlen als repräsentativ.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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