Aiwanger kritisiert Mahle-Schließung als Zeichen industriepolitischen Versagens
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) wertet die geplante Stilllegung des Mahle-Werks in Neustadt an der Donau als deutliches Warnsignal für die Wirtschaftspolitik des Bundes. Nach seiner Einschätzung zeigt der Fall, dass selbst engagierte Belegschaften und eine hohe Qualität am Standort nicht mehr ausreichen, wenn sich Produktion wegen ungünstiger Bedingungen zunehmend ins Ausland verlagert. Deutschland verliere dadurch an Wettbewerbsfähigkeit.
Soziale Absicherung für Beschäftigte vereinbart
Aiwanger bezeichnete die nun erzielte Einigung zur sozialen Absicherung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als wichtigen Schritt. Dennoch bleibe das Aus für das Werk ein harter Einschnitt für die Region. Zugleich mache der Fall deutlich, unter welchem Druck die Industrie in Deutschland stehe. Der Minister kündigte an, weiterhin nach Perspektiven für den Standort und die Beschäftigten zu suchen. Ziel sei es, industrielle Wertschöpfung und Jobs in der Region zu bewahren.
Nach Angaben der IG Metall haben sich Gewerkschaft und Mahle auf eine tarifliche Lösung für die Belegschaft verständigt. Damit seien trotz der geplanten Schließung wesentliche soziale Schutzmaßnahmen erreicht worden, teilte die IG Metall Regensburg mit. Eine Stellungnahme des Unternehmens lag zunächst nicht vor.
Mahle, ein in Stuttgart ansässiger Autozulieferer und Hersteller von Klimasystemen für Fahrzeuge, hatte vor kurzem angekündigt, das Werk in Neustadt an der Donau im ersten Halbjahr 2027 zu schließen. Daraufhin traten die Beschäftigten in einen unbefristeten Streik.
Abfindungen richten sich nach Alter und Betriebszugehörigkeit
Wie die Gewerkschaft mitteilte, hängt die Höhe der Abfindungen unter anderem vom Alter der Beschäftigten und von der Dauer ihrer Tätigkeit im Unternehmen ab. Zusätzliche Leistungen sind demnach etwa für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kindern oder mit Schwerbehinderung vorgesehen. Vereinbart wurden außerdem ein Härtefallfonds sowie eine Transfergesellschaft.
Der Arbeitskampf soll so lange fortgeführt werden, bis die IG-Metall-Mitglieder in einer Urabstimmung über das Verhandlungsergebnis und ein mögliches Ende des Streiks entschieden haben. Für eine Annahme reicht laut Gewerkschaft eine Zustimmung von mindestens 25 Prozent. Die Abstimmung ist für Montag vorgesehen.
Mahle verweist auf Auftragslage und Konkurrenzdruck
Das Unternehmen begründet die geplante Schließung mit auslaufenden Kundenaufträgen, der schwachen Entwicklung der Autobranche sowie wachsendem Kostendruck durch asiatische Wettbewerber auf dem europäischen Markt. Die IG Metall wirft Mahle dagegen vor, einen wirtschaftlich erfolgreichen Standort aufzugeben und die Produktion in die Slowakei verlagern zu wollen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion