Seine Märchenschlösser ziehen Menschen aus aller Welt an, und Fanartikel mit seinem Bild gibt es in unzähligen Formen – vom Hutanstecker über Bierkrüge und T-Shirts bis hin zu Socken. Auch zum 140. Todestag von König Ludwig II. am 13. Juni ist die Begeisterung für den bayerischen „Märchenkönig“ ungebrochen. Kaum eine historische Gestalt prägt das Bild Bayerns so stark wie der Monarch mit seinen prunkvollen Bauten und seinem bis heute rätselhaften Ende im Starnberger See.
Alljährlich wird an seinen Tod erinnert. Auch diesmal findet das Gedenken an der Votivkapelle in Berg am Starnberger See statt, dort, wo Ludwig II. tot im Wasser gefunden wurde. Zum Gottesdienst am 14. Juni werden aus dem Haus Wittelsbach Prinz Ludwig von Bayern und seine Schwester Auguste Prinzessin zu Lippe erwartet. Außerdem haben sich mehrere König-Ludwig-Vereine angekündigt, die das Andenken an die Wittelsbacher-Könige pflegen.
Ludwig II. als Symbolfigur Bayerns
Für viele Bewunderer verkörpert Ludwig II. einen Menschen, der unbeirrt seinen eigenen Vorstellungen folgte und an seinen Träumen festhielt. Seine Schlösser prägen die weltweite Vorstellung eines romantischen Bayern bis heute stärker als viele politische Ereignisse des 19. Jahrhunderts. Für die einen ist er ein tragischer Künstlerkönig, für andere ein Opfer politischer Intrigen – fest steht: Er ist für viele Teil der bayerischen Identität.
Franz Herzog von Bayern, Oberhaupt des Hauses Wittelsbach, nennt Ludwig II. trotz aller Widersprüche eine wichtige Identifikationsfigur für das heutige Bayern. Gerade seine Flucht in Traumwelten und sein schöpferischer Geist seien es, die bis heute viele Menschen faszinieren.
Früh auf dem Thron, der Politik eher fern
Geboren wurde Ludwig am 25. August 1845 im Schloss Nymphenburg in München. Schon mit 18 Jahren bestieg er den Thron – jung, unerfahren und stärker an Kunst, Musik und Poesie interessiert als an Regierungsgeschäften.
Nach Einschätzung von Franz Herzog von Bayern hatte Ludwig zum politischen München und zum Hof ein eher distanziertes Verhältnis. Auf dem Land dagegen, besonders auf Reisen, sei er verehrt und geliebt worden. Heute gilt er vielen als feinsinniger, kunstliebender Mensch, dem das militärische Säbelrasseln seiner Zeit zuwider gewesen sei.
Seine Regentschaft fiel in eine Phase großer Umbrüche. Nach dem Krieg von 1866 gegen Preußen verlor Bayern an Einfluss, 1871 entstand unter preußischer Führung das Deutsche Reich. Ludwig unterzeichnete 1870 auf Veranlassung Otto von Bismarcks den sogenannten Kaiserbrief, mit dem Wilhelm I. zur Annahme der Kaiserwürde bewegt wurde. In Bayern sahen das manche als Zeichen schwindender Eigenständigkeit.
Zugleich soll Ludwig vor allem seine Bauprojekte im Blick gehabt haben. Ab 1871 floss eine Millionensumme aus dem Welfenfonds in die königliche Hofkasse – und wohl auch in die Finanzierung seiner Schlösser.
Die weltberühmten Königsschlösser
Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee zählen heute zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Deutschlands. Für Ludwig waren sie allerdings weit mehr als Luxusresidenzen: Sie waren Rückzugsorte und Bühnen einer eigenen Gegenwelt aus Ritterromantik, barocker Inszenierung und den Klangwelten Richard Wagners.
Den Komponisten unterstützte Ludwig großzügig finanziell und bewahrte ihn Berichten zufolge mehrfach vor dem Ruin. Dass seine Schlösser inzwischen Weltruhm genießen, zeigt sich auch an den Besucherzahlen: Allein Neuschwanstein zieht pro Jahr rund 1,4 Millionen Menschen an, im Sommer im Schnitt etwa 6.000 pro Tag. Linderhof zählt wie andere Schlösser Ludwigs heute zudem zum Welterbe.
Der tägliche Besucherandrang hätte dem zurückgezogenen König wohl kaum gefallen. Franz Herzog von Bayern meint jedoch, dass Ludwig trotz seines Wunsches nach Einsamkeit vermutlich auch Freude an der weltweiten Bewunderung seiner Schöpfungen gehabt hätte.
Fortschrittsfreundlich trotz romantischer Sehnsucht
So sehr Ludwig in vergangenen Epochen zu schwelgen schien, so stark faszinierte ihn moderne Technik. 1868 gründete er die Technische Universität München. Seine Schlösser galten als einige der technisch fortschrittlichsten Europas.
Besonders berühmt ist die künstliche Venusgrotte: eine elektrisch beleuchtete Höhle mit Farbwechseln – zu einer Zeit, als elektrisches Licht im Alltag noch kaum verbreitet war. Für nächtliche Schlittenfahrten ließ Ludwig außerdem aufwendige Beleuchtungssysteme mit Lampen und Reflektoren entwickeln.
Bekannt wurde auch das „Tischlein-deck-dich“ in Schloss Linderhof. Ein gedeckter Tisch wurde per Hebemechanismus direkt aus der Küche in den Speisesaal befördert, damit Ludwig ohne Bedienung speisen konnte. Weil der König die Nähe anderer Menschen oft mied, ließ er zudem elektrische Klingelsysteme einbauen, um Bedienstete zu rufen.
Ein zurückgezogener Einzelgänger
Ludwig II. heiratete nie. Zwar verlobte er sich 1867 mit Sophie Charlotte in Bayern, der Schwester der späteren Kaiserin Elisabeth „Sisi“, doch die Verbindung wurde wieder gelöst. Manche Historiker vermuten, dass Ludwig homosexuell war oder sich vor allem zu Männern hingezogen fühlte. Eindeutige Belege gibt es dafür nicht, wohl aber Hinweise in Briefen, Tagebüchern und zeitgenössischen Berichten. Forschende sehen darin einen möglichen Grund für seinen zunehmenden Rückzug.
Der Tod im Starnberger See bleibt ein Rätsel
Bis heute sind die Umstände seines Todes nicht vollständig geklärt. Wenige Tage zuvor hatte der Nervenarzt Bernhard von Gudden Ludwig für geisteskrank und damit für regierungsunfähig erklärt. Am 13. Juni 1886 gingen beide in Berg spazieren – später wurden sowohl Ludwig als auch von Gudden tot im flachen Wasser gefunden. Offiziell gilt Suizid als wahrscheinlich, doch um den Fall ranken sich bis heute zahlreiche Legenden.
Besonders die sogenannten Guglmänner, eine Art Geheimbund, vertreten die These, Ludwig sei ermordet worden. Ihrer Überzeugung nach wurde der König erschossen und von Gudden als möglicher Zeuge ebenfalls getötet. Die Gruppe erinnert mit schwarzen Kutten, Kapuzen und Fackeln an historische Trauerbegleiter der Wittelsbacher und sorgt immer wieder mit ungewöhnlichen Aktionen für Aufmerksamkeit. So hatten sie etwa vorgeschlagen, das Gesicht des Königs in den Fels der Kampenwand zu meißeln – ein Plan, der unter anderem am Widerstand des Grundstückseigentümers und an der Brüchigkeit des Gesteins scheiterte.
Fredl Helm, Sprecher der sonst anonym auftretenden Guglmänner, sagt, seine Frage an Ludwig wäre, ob er noch einmal König sein wolle. „Wenn er ja sagt, würden wir versuchen, ihn zu inthronisieren.“ Eine Rückkehr zur Monarchie in Bayern strebe man grundsätzlich aber nicht an – mit augenzwinkerndem Verweis: „Wir haben doch Herrn Söder.“
Stoff für Film, Bühne und Literatur
Das Leben Ludwigs II. inspiriert bis heute Bücher, Theaterstücke und Filme. Besonders bekannt ist Luchino Viscontis Film „Ludwig“ aus dem Jahr 1973. In Füssen erzählt zudem ein Musical seine Geschichte in Sichtweite von Neuschwanstein. Für 2027 ist außerdem eine neue Fernsehserie über den König geplant, die im Ersten laufen soll.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber