Wiesn-Musical feiert kurz vor dem Oktoberfest Premiere in München
Wenige Tage vor dem Start des Oktoberfests hat sich München mit einem eigenen Bühnenstück auf die Wiesn eingestimmt. In der Komödie im Bayerischen Hof feierte „Oktoberfest – A Musical. An Almost True Story. Beinah wahr …“ Premiere. Damit kommt das Werk nun auch in die Stadt, zu der es thematisch gehört: Die Uraufführung hatte vor rund zwei Jahren ausgerechnet in Berlin stattgefunden.
Komponiert wurde das Musical von Harold Faltermeyer, dem aus München stammenden Hollywood-Musiker und Grammy-Preisträger, der unter anderem durch den Soundtrack „Axel F“ aus Beverly Hills Cop weltbekannt wurde.
Viel Beifall und prominente Gäste
Die Geschichte über die Liebe von König Ludwig I. von Bayern und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen – deren Hochzeit 1810 als Ursprung des Oktoberfests gilt – kam beim Premierenpublikum gut an. Unter den Gästen waren unter anderem Götz Otto, Simone Rethel und Janina Hartwig.
Der Abend wurde mit reichlich Applaus und sogar einigen Standing Ovations bedacht. Dabei nimmt das Musical sein Thema keineswegs bierernst. Stattdessen nähert es sich der Entstehung der Wiesn satirisch und greift nebenbei auch die alljährlich wiederkehrende Diskussion über steigende Bierpreise auf.
Spiel im Spiel mit deutschem Text und englischen Songs
Die Handlung ist als Metatheater angelegt: Im Zentrum steht eine Theatertruppe, die das Stück über das Oktoberfest erst auf der Bühne entwickelt und dabei unterschiedliche Vorstellungen unter einen Hut bringen muss. Dieses Spiel-im-Spiel wirkt stellenweise bewusst schräg und chaotisch.

Inszeniert wird das Ganze mit viel Musik, einfachen Bühneneffekten und einer eher statischen Szenerie. Humor entsteht häufig durch Slapstick, der allerdings nicht immer zündet. Das Ensemble ist international besetzt, mit Mitwirkenden aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA. Gesprochen wird auf Deutsch, gesungen auf Englisch – jeweils mit Untertiteln. So wird aus dem klassischen „Prosit der Gemütlichkeit“ auch ein „Cheers to cosiness“.
Besonders auffällig sind das Comedy-Duo Geschwister Pfister sowie vor allem Manal Raga a Sabit, die als Lola Montez mit starker Bühnenpräsenz herausragt.
Faltermeyer in Lederhosen bei der Premiere
Bei der Präsentation der Münchner Produktion erklärte Faltermeyer, das Stück habe zunächst seinen Weg über andere Stationen genommen, darunter auch eine Testfassung in den USA. Sein Ziel sei aber immer gewesen, damit schließlich nach München zurückzukehren.
Zur Premiere erschien der Komponist in Lederhosen und stach selbst ein Fass an – mit mehr als den üblichen zwei Schlägen. Auch musikalisch hat er sich im Stück verewigt: Sein berühmtes „Axel F“ taucht in einer kurzen Einspielung auf. Faltermeyer ist außerdem für „Top Gun (Anthem)“ aus dem gleichnamigen 80er-Jahre-Hit bekannt, für den er einen Grammy erhielt.
Streit um den Namen „Oktoberfest“
Ganz reibungslos verlief der Weg des Musicals in München offenbar nicht. Nach Angaben Faltermeyers habe es zunächst Widerstand gegeben, weil der Begriff „Oktoberfest“ geschützt sei. Er zeigte dafür zwar Verständnis bei Merchandising-Produkten wie Krügen oder T-Shirts, kritisierte aber Einschränkungen bei der künstlerischen Freiheit. Letztlich sei jedoch eine Einigung erzielt worden.
In der Ankündigung des Musicals findet sich dennoch ein ausdrücklicher Hinweis, dass es sich um eine unabhängige Produktion handelt und kein offizieller Zusammenhang mit der Landeshauptstadt München als Veranstalterin des Oktoberfests besteht.
Eine Gemeinsamkeit mit dem Volksfest gibt es aber doch: Das Musical soll in München bis zum 4. Oktober laufen – also genau so lange wie die diesjährige Wiesn.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber