Suche am Unglücksort beendet – Zahl der Toten könnte dennoch steigen
Zwei Tage nach dem schweren Zugunglück in Spanien ist die Suche nach weiteren Opfern an der Unfallstelle rund 130 Kilometer südlich von Madrid abgeschlossen worden. Trotzdem könne nicht ausgeschlossen werden, dass die offizielle Zahl von derzeit 69 Todesopfern noch zunimmt, erklärte der Regierungschef von Kastilien-La Mancha, Emiliano García-Page, vor Medienvertretern.
Nach seinen Angaben handelt es sich bei den 69 Toten um vollständig geborgene Leichname. Darüber hinaus seien jedoch zahlreiche menschliche Überreste gefunden worden, deren Zuordnung und Identifizierung äußerst schwierig sei. Daher sei ein weiterer Anstieg der Opferzahl weiterhin möglich.
Opfer stammen aus 27 Ländern
Wie Ministerpräsident Pedro Sánchez mitteilte, befinden sich unter den Toten Menschen aus insgesamt 27 Staaten. Die spanische Regierung stehe mit den zuständigen Konsulaten in Verbindung, um diese rasch zu benachrichtigen. Ob sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Opfern befinden, ist bislang weiter unklar.
In Toledo arbeiten Gerichtsmediziner mit Hochdruck an der Identifizierung der Toten. Nach Angaben der Behörden wurden bisher 48 Obduktionen durchgeführt und 13 Leichen identifiziert. Die Angehörigen dieser Opfer seien bereits informiert worden. Familien vermisster Personen wurden gebeten, DNA-Proben bereitzustellen, damit die Identifizierung schneller erfolgen kann.
Ermittlungen zur Unfallursache laufen
Parallel dazu laufen die Untersuchungen zur Ursache des zweiten schweren Zugunglücks in Spanien innerhalb von nur neun Monaten auf Hochtouren. Bereits im Januar waren bei einem anderen Bahnunglück nahe Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben gekommen.

Beim jetzigen Unfall waren am Mittwochmorgen erneut zwei Hochgeschwindigkeitszüge beteiligt. Nahe der Gemeinde Urda prallte ein Zug des staatlichen Bahnunternehmens Renfe von hinten auf einen stehenden Zug des privaten Anbieters Iryo.
Kollision offenbar bei sehr hoher Geschwindigkeit
Die Ermittler haben inzwischen die Fahrdatenschreiber beider Züge sichergestellt. Diese werden nun von der Guardia Civil ausgewertet. Nach Angaben der unabhängigen Untersuchungsbehörde AITAT sollen die Daten in den kommenden Tagen analysiert werden.
Ersten Schätzungen zufolge ereignete sich der Aufprall bei einer Geschwindigkeit von etwa 160 bis 200 Kilometern pro Stunde. Die exakte Geschwindigkeit könne jedoch erst nach Auswertung der Aufzeichnungen festgestellt werden. Die Ermittlungen stünden insgesamt noch am Anfang.
Fokus auf Zugsicherung und Leitstelle
Im Mittelpunkt der Nachforschungen stehen derzeit ein Ausfall des älteren Zugsicherungssystems LZB sowie mögliche Fehlentscheidungen in der Bahnleitstelle in Madrid. Medienberichte über Mitschnitte des Funkverkehrs deuten darauf hin, dass der Lokführer des Renfe-Zugs von einem Mitarbeiter der Leitstelle angewiesen worden sein könnte, den regulären Betrieb wieder aufzunehmen, obwohl das automatische Sicherungssystem noch nicht wieder funktionierte und der Iryo-Zug sich weiterhin auf dem Gleis befand.
Der betreffende Mitarbeiter der Leitstelle habe laut dem staatlichen Fernsehsender RTVE unter Berufung auf das Verkehrsministerium zunächst von seinem Recht Gebrauch gemacht, gegenüber der Guardia Civil keine Aussage zu machen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber