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Prunk, Macht, Intrigen: «The Gilded Age» ist zurück

Alte Dynastien, neue Millionen: In Staffel 4 von «The Gilded Age» eskaliert New Yorks Machtkampf – und wie wahr ist das alles?

01.11.2026, 12:00 Uhr

Prunkvolle Roben, monumentale Stadtpalais und ein erbittertes Ringen zwischen altem Geld und neuen Millionären: Genau darum kreist die Emmy-nominierte HBO-Serie „The Gilded Age“. Das Historiendrama von Julian Fellowes, dem Schöpfer von Downton Abbey, erzählt vom New Yorker Gesellschaftsleben der 1880er Jahre – und wird nun mit einer vierten Staffel fortgesetzt.

Worum geht es in der Serie?

Im Mittelpunkt steht Marian Brook (Louisa Jacobson Gummer), die nach dem Tod ihres Vaters als Waise aus Pennsylvania nach New York zieht. Dort kommt sie bei ihren Tanten Agnes van Rhijn (Christine Baranski) und Ada Brook (Cynthia Nixon) an der Fifth Avenue unter. Direkt gegenüber richtet sich zur gleichen Zeit der Eisenbahnunternehmer George Russell (Morgan Spector) mit seiner Frau Bertha Russell (Carrie Coon) und den beiden Kindern in einem auffälligen neuen Anwesen ein.

Doch obwohl die Russells reich sind, fehlt ihnen etwas Entscheidendes: der gesellschaftliche Stammbaum. In der Welt der alteingesessenen New Yorker Elite zählt Herkunft oft mehr als Vermögen. Genau aus diesem Konflikt zwischen traditionsbewusster Oberschicht und ehrgeizigen Aufsteigern bezieht die Serie ihren Stoff.

Das erwartet Fans in Staffel vier

In den neuen Folgen rücken vor allem wirtschaftliche Machtkämpfe stärker in den Vordergrund. Immer mehr einflussreiche Unternehmer drängen auf den Markt und wollen New York dominieren. Dabei bekommt es die Familie Russell unter anderem mit John D. Rockefeller zu tun, der ihre Pläne erheblich durchkreuzt.

«The Gilded Age» mit der vierten Staffel
Die «Gilded Age», das «vergoldete Zeitalter» der USA, dauerte etwa ein Vierteljahrhundert von den 1870er Jahren bis 1900. Quelle: HBO/Warner/Sky/dpa

Parallel dazu versucht ein ehemaliger Diener der Familie van Rhijn, sich seinen Weg nach oben zu bahnen. Auch die komplizierte Beziehung zwischen Marian und Larry entwickelt sich weiter und steuert mit emotionalen Höhen und Tiefen auf eine Entscheidung zu.

Optisch bleibt die Serie ihrer Linie treu: Die Ausstattung ist opulent, die Kostüme werden noch farbenprächtiger, und auch die großen Gefühle kommen nicht zu kurz. Besonders Carrie Coon überzeugt erneut mit intensiver Präsenz, während Christine Baranski der Serie einmal mehr trockenen Witz und Eleganz verleiht.

Warum ist „The Gilded Age“ so beliebt?

Ein wesentlicher Reiz liegt im Eskapismus. Anders als viele aktuelle Serien setzt The Gilded Age nicht auf ständige Bedrohung oder düstere Gewalt. Die Dramen spielen sich vielmehr bei Balleinladungen, Opernlogen und Fragen des gesellschaftlichen Ansehens ab.

Gerade das schätzen viele Fans: Die Probleme der Superreichen werden mit größtem Ernst behandelt und entfalten dadurch eine leichte, oft amüsante Spannung. Gelobt werden zudem die detailverliebten Kostüme und Kulissen.

Hinzu kommt, dass die Serie nicht nur das Leben der weißen Elite zeigt. Über die Figur der jungen Schriftstellerin Peggy Scott (Denée Benton) wird auch die wohlhabende schwarze Gesellschaft im New York des späten 19. Jahrhunderts sichtbar gemacht – ein Aspekt, der in historischen Kostümdramen eher selten im Mittelpunkt steht.

Was war die „Gilded Age“?

Die sogenannte „Gilded Age“, auf Deutsch oft als „vergoldetes Zeitalter“ bezeichnet, umfasst in den USA ungefähr die Zeit von den 1870er Jahren bis um 1900. Es war eine Epoche extremer Gegensätze: gewaltiger Reichtum auf der einen, große soziale Ungleichheit auf der anderen Seite.

Während in vielen einfachen Haushalten noch über offenem Feuer gekocht und bei Kerzenlicht gelesen wurde, hielten in den Palästen der Fifth Avenue bereits fließendes Wasser und Edisons elektrisches Licht Einzug.

Die Serie greift diese Umbrüche immer wieder auf. Marian sucht nach einem eigenständigen Leben jenseits der Erwartungen ihrer Tanten und engagiert sich sozial. Peggy kämpft als Frau aus der schwarzen Oberschicht darum, sich einen Platz in der Gesellschaft und im Berufsleben zu sichern. Auch andere Figuren aus dem Umfeld der Dienerschaft erleben Aufstieg und Veränderung.

Wie historisch ist die Serie?

The Gilded Age verbindet erfundene Figuren mit realen Entwicklungen der Zeit. Die Familien Russell und van Rhijn sind zwar fiktiv, doch der Gegensatz zwischen alter Elite und neureichen Industriellen orientiert sich deutlich an historischen Vorbildern – etwa an Dynastien wie den Vanderbilts.

Julian Fellowes erklärte in einem Interview mit der Zeitung Gulf News, er habe zunächst darüber nachgedacht, direkt eine Serie über die Vanderbilts zu schreiben. Davon sei er jedoch abgekommen, weil reale Figuren zu stark an überlieferte Fakten gebunden seien. Mit erfundenen Familien lasse sich die Epoche freier erzählen und gleichzeitig mit echten Ereignissen verweben.

Für die historische Genauigkeit arbeitete unter anderem die US-Historikerin Erica Armstrong Dunbar an der Produktion mit. Gegenüber dem Smithsonian Magazine betonte sie, dass vieles am Set sorgfältig an der Zeit orientiert sei – von der Kleidung über die Kutschen bis hin zum Porzellan.

Auch die teils überraschend modern wirkenden Schnitte der rund 5.000 Kostüme beruhen laut Kostümbildnerin Kasia Walicka-Maimone auf historischen Modevorlagen und Fotoarchiven.

Ein Teil des Serien-New-Yorks entsteht zudem in Newport im Bundesstaat Rhode Island. Dort drehte das Team unter anderem in den berühmten historischen Anwesen Marble House und The Breakers – auch für Staffel vier.

Start der neuen Folgen

Die vierte Staffel startet am 2. November bei HBO Max, WOW und auf Sky Atlantic. Die acht neuen Episoden werden jeweils montags im Wochenrhythmus veröffentlicht.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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