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Zehn Jahre danach: Amatrices stille Wunde bleibt

2016 zerreißt ein Beben Amatrice in Sekunden, fast 300 sterben. Zehn Jahre später offenbart sich, wie wenig wieder aufgebaut ist.

24.08.2026, 09:21 Uhr

Mit einem Glockenschlag für jeden in Amatrice getöteten Menschen hat die mittelitalienische Gemeinde in der Nacht an die verheerende Erdbebenserie vor zehn Jahren erinnert. Um 3.36 Uhr, dem Zeitpunkt des schwersten Bebens, hielten die Menschen zunächst eine Schweigeminute ab. Danach läuteten für jedes der 239 Todesopfer aus dem Ort die Glocken.

Das stärkste Beben ereignete sich in der Nacht zum 24. August 2016 und hatte eine Stärke von 6,2. Amatrice wurde besonders hart getroffen: Der historische Ortskern der rund zwei Autostunden von Rom entfernten Gemeinde wurde binnen weniger Sekunden fast vollständig verwüstet.

Auch die Nachbargemeinde Accumoli wurde schwer getroffen, dort starben etwa zehn Menschen. In weiteren Orten Mittelitaliens kamen Dutzende hinzu. Insgesamt forderte die Erdbebenserie rund 300 Todesopfer. Mehrere Hundert Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Tausende verloren ihr Zuhause und ihren gesamten Besitz.

Bürgermeister damals: „Amatrice gibt es nicht mehr“

Nach den ersten schweren Erdstößen bebte die Erde noch monatelang weiter, ehe sich die Lage allmählich beruhigte. Die Bilder der Zerstörung gingen damals um die Welt. Besonders im Gedächtnis blieb das Foto eines Feuerwehrmanns, der allein zwischen eingestürzten Häusern dem wolkenverhangenen Himmel entgegenläuft. Der damalige Bürgermeister Sergio Pirozzi sagte kurz nach der Katastrophe: „Amatrice gibt es nicht mehr.“

Wiederaufbau geht schleppend voran

Auch ein Jahrzehnt später wird das Stadtbild noch immer von Baustellen und Ruinen geprägt. Zahlreiche Menschen im Grenzgebiet von Latium, Umbrien und den Marken leben weiterhin in Notunterkünften. Trotz staatlicher Hilfen in Milliardenhöhe kommt der Wiederaufbau nur langsam voran. Nach offiziellen Angaben sind bislang nicht einmal 40 Prozent der beschädigten Gebäude wiederhergestellt.

Eine Anwohnerin sagte dem Sender SkyTG24, in Amatrice gebe es viele Baustellen und es werde daran gearbeitet, den Ort wiederaufzubauen. Zugleich sei aber noch sehr viel zu tun. Sie hoffe, dass eines Tages wieder viele Menschen in der Gemeinde leben würden.

Auch Guido Castelli, Sonderbeauftragter der Regierung für den Wiederaufbau, wollte selbst zum zehnten Jahrestag keinen Termin für den Abschluss der Arbeiten nennen. Gegenüber der Zeitung „La Repubblica“ sagte er, in den ersten Jahren seien Fehler gemacht worden, für die man bis heute bezahle. Inzwischen gehe es jedoch in einem anderen Tempo voran.

Gedenkveranstaltung mit Regierungschefin Meloni

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärte nach Angaben ihres Büros: „Wir werden die Nacht des 24. August 2016 niemals vergessen.“ An diesem Tag des Erinnerns und Gedenkens stehe sie eng an der Seite der Angehörigen der Todesopfer. Beim Wiederaufbau habe es Schwierigkeiten gegeben. „Viel wurde erreicht, aber ebenso viel bleibt noch zu tun.“

Meloni besuchte am Nachmittag die Gemeinde, in der heute offiziell noch rund 2.100 Einwohner leben. Medienberichten zufolge traf sie sich dort mit Angehörigen von Opfern und wollte anschließend an einer Gedenkzeremonie teilnehmen. Am Mahnmal für die Opfer sollte zudem ein Kranz niedergelegt werden. Für den Abend war eine Gedenkmesse geplant.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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