Bayern

Nach Wildbach-Chaos im Allgäu: Arbeiten endlich fertig

Vier Jahre nach dem Bagger-Skandal ist der Rappenalpbach saniert. Doch warum die Natur noch lange nicht über den Berg ist.

24.08.2026, 17:06 Uhr

Abschnitt des Rappenalpbachs in den Allgäuer Alpen wieder instand gesetzt

Ein durch unerlaubte Baggerarbeiten veränderter Teil des Rappenalpbachs in den Allgäuer Alpen ist nach Angaben von Naturschützern und Behörden nun weitgehend renaturiert. Christina Mader vom Bund Naturschutz in Bayern sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Sanierung des vor etwa vier Jahren beschädigten Bachabschnitts sei bereits am Mittwoch vergangener Woche abgeschlossen worden. Auch das Landratsamt Oberallgäu bestätigte den Abschluss der Maßnahmen. Zunächst hatte der Bayerische Rundfunk berichtet.

Auf dem rund 1,3 Kilometer langen betroffenen Abschnitt sei das Kiesbett wieder ausgeglichen worden. Zuvor hatten steile Ufer den ehemals natürlich verlaufenden Wildbach in eine kanalartige Form gezwungen. Durch die Arbeiten wurde zudem die Gewässersohle angehoben. Damit sei der Bach „im Großen und Ganzen“ wiederhergestellt, hieß es. Landrat Christian Wilhelm sprach von einem wichtigen Schritt, um die Wiederherstellung des Rappenalptals dauerhaft voranzubringen.

Gericht hatte Rückbau angeordnet

Das Rappenalptal liegt im äußersten Süden Deutschlands, nur wenige Kilometer von Österreich entfernt, direkt neben dem bekannteren Stillachtal. Ende 2022 war der zuvor verzweigte und mäandernde Bach im Auftrag einer Alpgenossenschaft begradigt und in einen Kanal umgewandelt worden. Nach Einschätzung des Bund Naturschutz sollte damit verhindert werden, dass umliegende Weideflächen durch angeschwemmtes Geröll beeinträchtigt werden; zudem seien wohl neue Flächen gewonnen worden.

Rappenalptal im Allgäu
Ein junger Baum steht in dem durch Flussbaumaßnahmen begradigten Rappenalpbach im Rappenalptal. (Archivbild) Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Eingriffe hatten erhebliche Folgen für das Ökosystem: Zahlreiche Pflanzen und Tiere in dem Biotop wurden zerstört, zeitweise führte der Bach sogar kein Wasser mehr. Im Zuge des Falls wurde auch gegen zwei mutmaßlich Verantwortliche strafrechtlich ermittelt. Das Verfahren wurde im Juli 2024 gegen Geldauflagen eingestellt.

Bereits 2023 waren erste Rückbauarbeiten erfolgt, nachdem ein Gericht diese angeordnet hatte. Danach lagen die Maßnahmen zunächst auf Eis. Die Kosten für die Wiederherstellung sollen von der Genossenschaft und dem Landratsamt gemeinsam getragen werden; eine konkrete Summe steht bislang nicht fest. Auf eine Anfrage der dpa reagierte ein Vertreter der Genossenschaft nicht.

Natur braucht noch lange zur Erholung

Nach Angaben des Landratsamts ging es bei den Arbeiten nicht um eine starre Rekonstruktion des früheren Zustands, sondern um die Entwicklung eines möglichst natürlichen Wildflusssystems. Eigentlich war vorgesehen gewesen, dass Regen und Hochwasser die Renaturierung weitgehend von selbst übernehmen. Weil dieser Prozess nicht wie erhofft einsetzte, wurde nun gezielt nachgebessert.

Im letzten Drittel des veränderten Bachlaufs wurden außerdem frühere Seitenarme wieder mit dem Gewässer verbunden. Naturschützer sehen bereits erste positive Entwicklungen: Pflanzen wie das Alpenleinkraut kehren zurück, und auch Insektenlarven seien wieder an den Ufern zu finden. Bis sich die Tier- und Pflanzenwelt vollständig erholt hat, dürften jedoch noch viele Jahre, möglicherweise sogar Jahrzehnte, vergehen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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