Süße Duftnoten erobern Männer-Deos
Dark Chocolate, Coconut & Vanilla, Cinnamon Vanilla oder neuerdings sogar Marshmallow Smoke: Was eher nach Dessert klingt, findet sich inzwischen auf Deo- und Bodysprays in der Drogerie. Marken wie Bruno Banani, Old Spice, Balea Men oder Axe setzen vermehrt auf solche Richtungen.
Für manche wirkt das befremdlich. Früher standen bei Herrendüften eher frische, aquatische Noten im Vordergrund – ein klassisches Beispiel ist der alte „Cool Water“-Typus. Jüngere Konsumentinnen und Konsumenten sehen das oft ganz anders: Für sie ist es selbstverständlich, wenn Deos oder Duschgele nach Vanille, Schokolade, Cookies, Tonkabohne oder grünem Apfel riechen. Zugleich wird die traditionelle Trennung in „männliche“ und „weibliche“ Düfte zunehmend hinterfragt.
Trend zu Gourmand-Düften
Beim Konsumgüterkonzern Unilever heißt es, der auffällige Axe-Duft Marshmallow Smoke greife den aktuellen Trend zu sogenannten Gourmand-Düften auf. Das Produkt kombiniert süße Akkorde mit einer rauchigen Note und wurde als limitierte Edition rund um die Fußball-WM in Nordamerika eingeführt.
Laut Nils Trott, Brand Manager von Axe, versteht vor allem die Generation Z Düfte immer stärker als Teil der eigenen Persönlichkeit. Junge Menschen suchten gezielt nach ungewöhnlichen und sinnlich erfahrbaren Kombinationen. Zur Gen Z zählen grob die zwischen 1995 und 2010 Geborenen.
Mehr Experimentierfreude bei jungen Zielgruppen
Dieser Wandel zeigt sich laut Unternehmen deutlich: Weg von klassischen Duftmustern, hin zu mehr Experimentierlust und Selbstinszenierung. Wer junge Käuferinnen und Käufer erreichen wolle, müsse sich heute klar von herkömmlichen Profilen absetzen.

Auch das IFH Köln sieht in Männerkosmetik weiterhin ein großes Wachstumsfeld. Gleichzeitig kommen viele Jugendliche über Plattformen wie TikTok und Instagram immer früher mit Kosmetik und Pflegeprodukten in Berührung. Während traditionelle Parfümerien eher unter Druck stehen, profitieren vor allem Drogeriemärkte und Discounter von der steigenden Nachfrage.
Das deutet darauf hin: Körperpflege und gutes Aussehen sind vielen wichtig, aber der Preis spielt eine große Rolle. Teuer gilt längst nicht automatisch als besser. Bei Deos greifen viele junge Männer daher eher zu bekannten Massenmarken als zu Luxuslabels.
Wenn Deo nach Eiscreme klingt
Wie weit der Gourmand-Trend inzwischen geht, zeigt ein Produkt mit dem Namen „Magnum Gold Caramel Billionaire“. Das Deodorant-Bodyspray trägt denselben Namen wie ein Eisprodukt und setzt ganz bewusst auf Assoziationen mit Süße, Karamell und Gebäck.
Die Idee dahinter ist offensichtlich: Der Duft soll angenehm, verführerisch und auffällig wirken. Statt klassischer Frische steht hier ein beinahe essbarer Eindruck im Mittelpunkt.
Warum süße Düfte gut ankommen
Die Düsseldorfer Geruchsforscherin Bettina Pause, Professorin für Biologische Psychologie und Sozialpsychologie, sieht darin zunächst nichts Problematisches. Niemand müsse befürchten, dass Menschen sich wegen solcher Düfte „gegenseitig essen möchten“. Vielmehr erzeugten diese Aromen über positive Verknüpfungen schlicht ein stärkeres Wohlgefühl.
Entscheidend sei, dass ein Geruch mit angenehmen Erfahrungen verbunden werde. Düfte wie Schokolade, Kokos oder Vanille würden von sehr vielen Menschen positiv bewertet und eigneten sich deshalb gut für Parfum- und Pflegeprodukte. In Shampoos und Duschcremes seien solche Duftnoten schon seit Längerem verbreitet.
Nicht jeder empfindet intensive Düfte gleich
Allerdings können starke Gerüche auch polarisieren. Laut Pause unterscheiden sich Menschen in ihrer biologischen Ausstattung an Geruchsrezeptoren. Deshalb nehmen sie Düfte unterschiedlich intensiv wahr.
Besonders kräftige Aromen können bei empfindlichen Personen schnell als unangenehm oder überladen wirken. Andere empfinden genau dieselben Düfte dagegen als attraktiv und angenehm.
Auch Kultur prägt, wie wir Gerüche deuten
Hinzu kommen kulturelle Unterschiede. Welche Bedeutung ein Duft bekommt, ist nicht angeboren, sondern wird gelernt. Während in Deutschland Rosenduft oft mit Romantik verbunden wird, ist die Rose im Iran ein alltägliches Gewürz in Speisen und trägt daher eine viel neutralere Bedeutung.
Gerade deshalb überrascht es kaum, dass sich Duftvorlieben verändern. Was früher als typisch männlich galt, wird heute neu interpretiert – und darf offenbar inzwischen auch nach Vanille, Keks oder geröstetem Marshmallow riechen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion