Tausende feiern in Seoul für queere Rechte – Proteste von Gegnern in Sichtweite
In Seouls Geschäftsvierteln, in denen unter der Woche vor allem Büroangestellte unterwegs sind, dominierte am Samstag ein anderes Bild: Mehr als 10.000 Menschen versammelten sich beim Seoul Queer Culture Festival und zogen mit Regenbogenfahnen und Transparenten durch die Innenstadt, um für die Rechte von LGBTQ-Personen einzutreten.
Die südkoreanische Pride-Veranstaltung gibt es in der Hauptstadt bereits seit dem Jahr 2000. Damals nahmen nur einige Dutzend Menschen teil, inzwischen kommen Jahr für Jahr mehrere Tausend.
Feierliche Stimmung trotz konservativem Umfeld
Bei rund 30 Grad und strahlender Junisonne herrschte auf dem Festivalgelände ausgelassene Stimmung. Auf einer Bühne traten Drag-Künstler auf, zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen informierten an Ständen über ihre Arbeit. Zudem wurden kostenlose HIV-Tests angeboten und Fanartikel verkauft.
Ein 19-jähriger Student, der sich David nennt, sagte, er sei zum ersten Mal bei einer Pride dabei. Als schwuler Mann habe er diese Erfahrung bewusst machen wollen. Zugleich betonte er, dass Südkorea noch immer stark konservativ geprägt sei. Während seiner Schulzeit habe er oft offene Homophobie erlebt, erst an der Universität habe er ein toleranteres Umfeld gefunden.
Obwohl Südkorea international als moderne Popkultur-Nation gilt, ist die gesellschaftliche Haltung gegenüber Schwulen, Lesben und Transpersonen nach wie vor vergleichsweise traditionell – deutlich anders als in vielen EU-Staaten.

Christlich-konservative Gruppen mobilisieren zur Gegendemonstration
Wie umstritten das Thema in Südkorea bleibt, zeigte sich ebenfalls am Samstag: Nur wenige hundert Meter von der Pride entfernt kamen wie in den Vorjahren Gegner der Veranstaltung zusammen. Die von christlichen Gruppen organisierte Kundgebung zog ebenfalls mehr als 10.000 Menschen an.
Vor dem Rathaus warben sie mit Kirchenliedern und Redebeiträgen für ein aus ihrer Sicht „gesundes Korea“. Viele der Teilnehmenden betrachten Homosexualität als Sünde.
Rechtliche Gleichstellung bleibt schwach
Nach einer OECD-Studie aus dem Jahr 2020 zählt Südkorea gemeinsam mit Japan und der Türkei zu den Ländern, die bei der rechtlichen Gleichstellung von LGBTQ-Personen hinterherhinken. Wesentliche Fortschritte hat es seitdem offenbar kaum gegeben.
Antidiskriminierungsgesetz seit Jahren blockiert
Schwule, lesbische und transgeschlechtliche Menschen in Südkorea fordern seit Langem ein umfassendes Antidiskriminierungsgesetz, das sexuelle Minderheiten rechtlich schützt. Ein entsprechender Entwurf wird jedoch seit rund zwei Jahrzehnten im Parlament nicht verabschiedet.
Bislang hat kein Präsident das Vorhaben ernsthaft vorangetrieben – sei es aus eigener Überzeugung oder aus Sorge, konservativ-christliche Wähler zu verprellen.
Auch der Leiter der staatlichen Menschenrechtskommission, Ahn Chang Ho, lehnt ein solches Gesetz ab. Er argumentiert, es könne die Meinungsfreiheit beeinträchtigen. Der frühere Richter, der 2024 vom konservativen Ex-Präsidenten Yoon Suk Yeol in das Amt berufen wurde, war bereits mehrfach mit homophoben Äußerungen aufgefallen. So hatte er Homosexualität unter anderem als „zentrales Instrument für eine kommunistische Revolution“ bezeichnet.
Rückendeckung aus Europa – USA halten sich zurück
Unterstützung erhielt die LGBTQ-Community in Südkorea dagegen von 20 Botschaften, überwiegend aus Europa. Sie veröffentlichten am Freitag eine gemeinsame Solidaritätserklärung, die auch von der deutschen Botschaft mitgetragen wurde.
Darin heißt es, ein entschlossenes Vorgehen gegen Diskriminierung stärke nicht nur den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sondern auch die wirtschaftliche Entwicklung und die nationale Stabilität.
Auffällig war jedoch das Fehlen der USA: Anders als in früheren Jahren veröffentlichte die US-Botschaft keine entsprechende Erklärung und beteiligte sich auch nicht an der Veranstaltung.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion