Bis zu seiner ersten Trainingseinheit als neuer Bundestrainer und dem anspruchsvollen Debüt gegen die Niederlande sind es zwar noch rund drei Wochen. Jürgen Klopp nutzt die Zeit aber schon jetzt mit hohem Tempo und, wie er selbst sagt, voller positiver Gefühle und Vorfreude. Der 59-Jährige reist durch die Bundesliga, besucht Vereine, spricht mit Trainern, Nationalspielern und möglichen Neulingen und ist zudem in zahlreiche interne Sitzungen beim DFB eingebunden.
Damit setzt Deutschlands neuer Hoffnungsträger nach dem nächsten WM-Misserfolg der Nationalmannschaft früh ein deutliches Signal. Ob Klopp am Ende erfolgreicher arbeitet als sein Vorgänger Julian Nagelsmann, der bei zwei Turnieren ohne durchschlagenden Erfolg blieb, lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten.
Eine seiner zentralen Aussagen lautet, dass vieles künftig mit größerer Intensität angegangen werden soll. Das betonte Klopp bei seinen TV-Auftritten rund um das Bundesliga-Eröffnungsspiel zwischen Bayern München und dem VfB Stuttgart.
Zwischen Stadionbesuch, Bayern-Training und Vereinsgesprächen
Am Freitag verfolgte Klopp die Partie in der Allianz Arena. Tags darauf verabschiedete er sich in München nach eineinhalb Jahren als Head of Global Soccer von Red Bull. Für Sonntag stand dann ein ausführlicher Austausch beim FC Bayern auf dem Programm. Dort beobachtete er auf dem Vereinsgelände gemeinsam mit Trainer Vincent Kompany auch das Training, ehe er das Wochenende mit einem Besuch beim Spiel Augsburg gegen Schalke abrunden wollte.
Bayerns Sportvorstand Max Eberl scherzte zunächst, beim Treffen werde es wohl "Kaffee, Kuchen, vielleicht eine Leberkäsesemmel" geben. Dann wurde er ernster und betonte, wie wertvoll der Dialog mit dem Bundestrainer sei. Gerade weil der Rekordmeister viele Nationalspieler stelle, sei ein enger Austausch besonders wichtig.
Nächster Halt Stuttgart
Am Montag reist Klopp weiter nach Stuttgart. Dort will er nicht nur mit VfB-Trainer Sebastian Hoeneß sprechen, sondern sich auch ein genaueres Bild von möglichen Kandidaten für die Nationalelf machen. Neben etablierten DFB-Akteuren wie Deniz Undav zählt dazu auch U21-Stürmer Dzenan Pejcinovic, dem ein Sprung in die A-Nationalmannschaft zugetraut wird. Klopp bestätigte bereits, dass ein Treffen mit dem Angreifer geplant ist.
Die Vereinstrainer sollen eingebunden werden
Der langjährige Clubcoach arbeitet sich mit voller Energie in seine neue Aufgabe ein. Sein Ziel sei es, möglichst alle Beteiligten auf dem eingeschlagenen Weg mitzunehmen. Dafür setzt er auf engen Kontakt zu den Trainern der Bundesligisten, etwa zu Vincent Kompany in München, Niko Kovac in Dortmund oder Sebastian Hoeneß in Stuttgart.
Klopp betont, dass die Nationalmannschaft nicht nur selbst profitieren, sondern auch für die Vereine einen Mehrwert schaffen solle. Für ihn fühle sich der Wechsel auf den Posten des Bundestrainers absolut richtig an. Die Rückmeldungen aus seinen Gesprächen hätten diesen Eindruck noch verstärkt. Nach eigener Aussage habe er bereits viel gelernt, viel verstanden und viele Menschen neu kennengelernt. Bislang mache ihm alles großen Spaß. Mit einem Lachen ergänzte er zudem, er habe schließlich noch kein Spiel verloren.
Im Idealfall bleibt das auch bei seinem ersten Länderspielblock so: Vom 24. September bis 4. Oktober stehen vier Partien an, beginnend in Amsterdam, dazu zwei Spiele gegen Griechenland und eines gegen Serbien.
Kaderfragen noch offen
Klopp machte deutlich, dass beim DFB viel geplant sei. Gleichzeitig wisse man, dass man sich Zeit vor allem durch Ergebnisse und sichtbare Fortschritte verschaffen könne. Entsprechend steht der neue Bundestrainer schnell unter Druck, sportlich zu liefern.
Wie stark der personelle Umbruch nach der WM ausfallen wird, ist noch offen. Sein erstes Aufgebot will Klopp am 17. September bekanntgeben, nur vier Tage bevor sich die Mannschaft im Teamquartier in Herzogenaurach trifft.
Austausch mit Kimmich und erster Kontakt zu Wirtz
Fest eingeplant ist Kapitän Joshua Kimmich, der möglicherweise wieder in seiner Münchner Rolle als zentrale Figur im Mittelfeld eingesetzt werden könnte. Kimmich berichtete von einem ersten Gespräch mit Klopp, ließ über die Inhalte jedoch nichts nach außen dringen. Jeder habe seine Themen ansprechen können, mehr wolle er dazu öffentlich aber nicht sagen.
Auch Florian Wirtz hatte bereits erstmals direkten Kontakt zum neuen Bundestrainer. Der Liverpool-Profi schilderte, dass es zuvor noch keinen Austausch mit Klopp gegeben habe. Inzwischen habe es ein erstes Kennenlern-Telefonat gegeben. Das dürfte nur der Anfang gewesen sein, denn Klopp möchte einen besonders engen Draht zu seinen Spielern aufbauen und gilt seit Jahren als starker Menschenführer.
Aufmunternde Worte für Musiala
Dazu passt auch sein Umgang mit Jamal Musiala. Der Bayern-Star hatte nach zwei Zusammenbrüchen in Testspielen öffentlich gemacht, an einer neurologischen Dysfunktion zu leiden. Zwar trainiert Musiala inzwischen wieder, für Einsätze reicht es aber noch nicht.
Klopp schickte ihm eine Sprachnachricht und sicherte ihm volle Rückendeckung zu. Vor allem wollte er Musiala die Sorge nehmen, seine gesundheitliche Situation könne Folgen für seine Rolle in der Nationalmannschaft haben. Das sei ausdrücklich nicht der Fall. Entscheidend sei nun Geduld. Klopps Botschaft an den Offensivspieler: Erst vollständig gesund werden, dann stehe die Tür zur Nationalmannschaft offen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber