Prozess in Ellwangen: Eltern wegen schweren Missbrauchs der Tochter angeklagt
Vor dem Landgericht Ellwangen hat der Prozess gegen die Eltern eines heute 13 Jahre alten Mädchens begonnen. Dem 45-jährigen Vater und der 41-jährigen Mutter wird vorgeworfen, ihre Tochter über Monate hinweg sexuell missbraucht und sie zudem zu Handlungen mit einem engen Freund der Familie gedrängt zu haben. Zum Auftakt des Verfahrens wurde die Anklageschrift verlesen.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft sollen die Eltern ihre damals elfjährige Tochter im Frühjahr 2025 in ihrem Kinderzimmer zu sexuellen Handlungen am Vater gezwungen haben. Später sollen sie das Kind dazu gebracht haben, ähnliche Handlungen an einem langjährigen Freund der Familie vorzunehmen. Dem 54-Jährigen wird ebenfalls vorgeworfen, das Mädchen mehrfach missbraucht zu haben. Laut Anklage sollen die Eltern ihm ihre Tochter regelrecht ausgeliefert haben. Er soll zudem einen Wohnungsschlüssel für die Wohnung in Rot am See erhalten haben, um Zugang zu dem Kind zu haben.
Vorwürfe auch für den Jahreswechsel und Weihnachten
Rund um den Jahreswechsel 2025/2026 sollen die Eltern gemeinsam mit dem Familienfreund weitere sexuelle Übergriffe auf das inzwischen zwölfjährige Mädchen verübt haben. Dabei soll das Kind durch massive Drohungen eingeschüchtert worden sein. Auch für Weihnachten 2025 erhebt die Staatsanwaltschaft den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs durch den Mann in der Wohnung der Familie.
Gegen die Eltern wird unter anderem wegen gemeinschaftlichen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern sowie gemeinschaftlicher Vergewaltigung verhandelt. Das Verfahren gegen den Freund der Familie wird getrennt geführt.

Mädchen wandte sich an Lehrerin und Jugendamt
Nach Angaben des Gerichts suchte das Mädchen Hilfe bei einer Lehrerin und beim Jugendamt. Es wurde daraufhin in Obhut genommen. Der Vater wurde im Februar festgenommen und befindet sich derzeit wegen einer anderen, bereits rechtskräftigen Verurteilung in Haft. Dabei handelt es sich laut Gericht um ein Vermögensdelikt. Die Mutter bleibt vorerst auf freiem Fuß.
Familienfreund offenbar untergetaucht
Der ebenfalls angeklagte Freund der Familie saß zunächst in Untersuchungshaft, ist nach Angaben eines Gerichtssprechers inzwischen jedoch nicht mehr auffindbar. Er war aus der U-Haft entlassen worden, nachdem das Landgericht keinen dringenden Tatverdacht mehr gesehen hatte. Das Oberlandesgericht Stuttgart bewertete dies später anders und hielt einen solchen Verdacht für gegeben. Die Zeit zwischen seiner Freilassung und der Entscheidung des Oberlandesgerichts soll der Mann genutzt haben, um unterzutauchen.
Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. Dann sollen die Eltern Gelegenheit erhalten, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Zudem ist geplant, das Video der richterlichen Vernehmung des Mädchens zu zeigen, voraussichtlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Urteil könnte am 17. November fallen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber